Behind the Streams – Autophil im Interview

Auf dem Bild ist der Content Creator "Autophil" zu sehen. Dieser stand uns für ein Interview zur Verfügung.

In unserer Reihe „Behind the Streams“ werfen wir regelmäßig einen Blick hinter die Kulissen der Streaming- und Content-Creator-Szene. Dieses Mal sprechen wir mit Autophil, der sich mit League of Legends, kreativen YouTube-Formaten und einer treuen Community einen festen Platz in der deutschen Szene aufgebaut hat.
Vom ersten Double Kill im Botgame über die Uni-Liga bis hin zum Vollzeit-Streaming erzählt Phil, wie aus einem Traum ein Beruf wurde und warum immer noch ein kleines Pro-Player-Herz in ihm schlägt.

Für alle, die dich noch nicht kennen: Magst du dich kurz vorstellen?

Ich bin der gute Phil, im Internet besser bekannt als Autophil. Ich bin mittlerweile 26 Jahre jung und mache das Ganze hier seit knapp vier Jahren hauptberuflich, vielleicht sind es mittlerweile sogar schon fünf.
Früher hatte ich schon den Traum: Mit 14 oder 15 habe ich YouTube-Videos geschaut, zum Beispiel von Maxim, Kutcher oder den ganzen Spandauer Legenden. Da dachte ich mir immer: Wie genial wäre es eigentlich, irgendwann mit Gaming Geld zu verdienen?
Und jetzt bin ich tatsächlich an dem Punkt angekommen, an dem das funktioniert, glücklicherweise. Darüber freue ich mich sehr.
In meinen Streams spiele ich hauptsächlich League of Legends, versuche mich aber inzwischen auch immer mehr aus dieser Bubble herauszuwagen. Auf YouTube bin ich ebenfalls sehr aktiv, zum Beispiel mit unserem Format „Errate den…“, das wir aufgebaut haben.
Nebenbei bespiele ich eigentlich alle Social-Media-Kanäle, die es so gibt. Und in meiner Freizeit lese ich mittlerweile ganz gerne, mache ein bisschen Sport, wenn die Zeit es zulässt und versuche allgemein, einen guten Ausgleich zum Content-Alltag zu finden.

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Der erste Double Kill und eine lange Reise mit League

Wie bist du zu Videospielen und speziell zu League of Legends gekommen?

Ich habe einen großen Bruder und der hat mich schon früh an Games herangeführt. Wir waren generell richtige Gaming-Brüder. Nintendo DS, Gameboy Color, früher haben wir viel Pokémon gespielt und sind generell mit Konsolen aufgewachsen.
Wir hatten damals auch eine PlayStation 2 und darauf gab es ein richtig cooles James-Bond-Spiel, das ich viel gespielt habe.
Zu League of Legends bin ich allerdings erst später gekommen. Ein Kumpel aus der Schule hat mir das damals gezeigt. Eigentlich wollten wir bei mir zu Hause Hausaufgaben machen, wie man das halt so macht (Anm. d. Red. Phil lacht dabei) und dann hat er mir League gezeigt.
Im ersten Botgame habe ich direkt einen Double Kill gemacht.
Ich glaube mit Lux oder Volibear, bin mir aber nicht mehr ganz sicher. Danach war ich komplett gehyped und dachte, ich wäre richtig gut in dem Spiel.
Seitdem habe ich zwar immer wieder andere Games gespielt, aber League of Legends war immer das eine Spiel, von dem ich nie wirklich weggegangen bin.

Wie viele Spielstunden hast du ungefähr in League of Legends?

Das ist wirklich eine super schwierige Frage.
Ich habe über die Jahre auf vielen Accounts gespielt und Tools wie WastedOnLoL tracken auch nicht alles. Aber ich würde schätzen, dass es bestimmt 20.000 bis 30.000 Stunden sind.
Es war einfach das Spiel, das ich die ganze Zeit gezockt habe und seit fünf Jahren im Stream sowieso fast ausschließlich.

Vom Pro-Player-Traum zum Content Creator

Was hat dich dazu bewegt, Content für YouTube und Twitch zu erstellen?

Der Grund war eigentlich mein Traum, mit Gaming Geld zu verdienen. Gleichzeitig war ich damals auch noch an dem Punkt, an dem ich gehofft habe, vielleicht Pro Player zu werden.
2018 habe ich angefangen, in der Uni-Liga im Team zu spielen. Da habe ich gemerkt, wie unfassbar geil es ist, im Team kompetitiv zu spielen.
Irgendwann dachte ich mir dann: Wenn ich sowieso den ganzen Tag League spiele, um besser zu werden, kann ich das ja auch einfach streamen.
YouTube-Videos habe ich schon seit etwa 2015 immer mal wieder gemacht, damals noch mit Minecraft und CS:GO Clips.
Aber irgendwann kam der Punkt, an dem ich mich entscheiden musste. Beides gleichzeitig zu machen bedeutet, dass der ganze Tag nur noch aus League und Content besteht. Das geht eine Zeit lang, aber langfristig ist das einfach brutal ungesund.
Als dann klar wurde, dass meine Chancen als Content Creator besser stehen, auch weil ich für Pro Play einfach nicht gut genug war, habe ich diesen Weg stärker verfolgt.
Trotzdem schlägt immer noch ein kleines Pro-Player-Herz in mir. Auf einer Bühne zu spielen macht einfach unfassbar viel Spaß.

„Ich erschaffe Content – das ist mein Handwerk“

Was treibt dich am Streaming und Content-Erstellen am meisten an?

Das Coolste daran ist für mich, mein eigener Chef zu sein.
Aber gleichzeitig liebe ich auch einfach den kreativen Teil: etwas zu erschaffen.
Das finde ich extrem cool. Etwas auf die Beine zu stellen, das nicht sofort wieder verpufft.
Wenn man zum Beispiel im Kundensupport arbeitet, macht man vielleicht Menschen glücklich aber man hat nichts Greifbares am Ende. Beim Content hat man etwas, das bleibt.

Welchen Tipp würdest du neuen Content Creatorn geben?

Ich glaube, es ist heute unglaublich schwierig, erfolgreich anzufangen.
Das Problem ist, dass viele nur die Erfolgsgeschichten sehen, ähnlich wie im Fußball. Man sieht die Leute, die es geschafft haben, aber nicht die tausenden, die es versucht haben und gescheitert sind.
Gerade auf Twitch im League-of-Legends-Bereich neu anzufangen, ist extrem schwer.
Auf Twitch mit League anzufangen, ist ehrlich gesagt ziemlich schwierig.
Trotzdem würde ich jeden dazu motivieren, seine Träume zu verfolgen. Wenn man es schafft, seine Leidenschaft zum Beruf zu machen, ist das ein unglaublich gutes Gefühl.

„Wenn ich heute noch einmal Content Creator werden wollen würde, würde ich wahrscheinlich über TikTok starten.“

Die Uni-Liga – der Moment, der alles verändert hat

Wann wurde dir klar, dass League of Legends mehr für dich ist als nur ein Spiel?

Das war definitiv während der Uni-Liga.
Ich bin damals als Lee-Sin-OTP in Diamond 5 in das Bremer Uni-Liga-Team gekommen, obwohl sie eigentlich geschrieben hatten: „Bitte kein Lee-Sin-OTP“.
Ich war legit genau das. Aber sie hatten keinen anderen und deshalb haben sie mich genommen.
Dort habe ich zum ersten Mal richtiges Teamplay erlebt. Und das hat in mir dieses kompetitive Feuer entfacht.
Ab da habe ich League wirklich gelebt und geatmet und wurde von Season zu Season besser, weil ich wirklich besser werden wollte.

Gab es damals schon professionelle Strukturen?

Professionell würde ich das nicht nennen.
Mein Highlight waren definitiv die Uni-Liga-Finals, bei denen wir offline auf einer Bühne gespielt haben.
Wir haben auch einmal auf der Gamescom gespielt. Dort wurde unser Spiel sogar von Broeki gecastet und die Bühne von Dekarldent moderiert, das war unglaublich cool.
Natürlich hatten wir auch Coaches und Strategien, zum Beispiel Google Docs für Drafts oder Champion-Prioritäten. Aber Coach kann sich im Grunde erstmal jeder nennen.
Trotzdem haben mir viele Coaches extrem geholfen. Ich habe in der Uni-Liga wirklich viel gelernt.

Community, VININE und neue Projekte

„Wenn Leute bei Events mit VININE-Pullis rumlaufen und eine Unterschrift wollen, ist das natürlich schon ein cooles Gefühl.“

Ihr habt mit VININE auch eine große Community aufgebaut. Wie fühlt sich das an?

Das Ding bei VININE ist: Von außen versteht man das vielleicht nicht sofort, aber eigentlich ist das die Marke von Sola.
VININE ist im Grunde eine Mode- und E-Sport-Brand von ihm. Wir haben unser Team einfach so genannt, um das Ganze zu unterstützen.
Wir hatten auch Bootcamps und Events. Einmal haben wir gegen Eintracht Spandau gespielt, da hat Zanzarah sogar Lulu Jungle gespielt und sie hätten damit fast gewonnen. Das war komplett insane.

Wie war es für euch, die Chance zu bekommen, für Eintracht Spandau II zu spielen?

Das kam für mich tatsächlich ziemlich überraschend.
Plötzlich gab es Gespräche und auf einmal stand im Raum, dass wir EINSZWEI repräsentieren könnten.
Wir sind aktuell noch ein bisschen in der Findungsphase. Wir wissen zwar, dass wir EINSZWEI sein werden, aber wir schauen gerade noch, wie genau unser Content aussehen soll und wie wir auftreten wollen.
Der erste Spieltag wird auf jeden Fall spannend! [Anm. d. Red. Das Interview wurde vor Start der Ligaphase geführt. Aktuell befindet sich Eintracht Spandau II auf dem geteilten 1. Platz mit 13 Punkten (Stand 12.03.2026)]

E-Sport in Deutschland hat noch viel Potenzial

Wie siehst du die Entwicklung des E-Sport in Deutschland?

Ich bin da nicht der größte Experte, aber ich glaube, dass wir auf einem guten Weg sind.
Wenn man nach Südkorea schaut, sieht man das enorme Potenzial. Dort hängen Plakate von Faker an Bushaltestellen, ähnlich wie bei uns Fußballstars.
In Deutschland merkt man noch, dass viele ältere Generationen das Thema nicht wirklich verstehen.
Aber ich denke, der Wandel kommt langsam.

Was würdest du dir für den E-Sport wünschen?

Mehr Akzeptanz in der Gesellschaft.
Und natürlich, dass der E-Sport weiter wächst. League of Legends ist weltweit einer der größten Titel im E-Sport.

„Ich hoffe einfach, dass irgendwann das Klischee vom verschwitzten Gamer im dunklen Zimmer komplett verschwindet.“

Blick nach vorne: Bühne, Content und Bücher

Dein Ausblick auf 2026: was passiert sportlich und persönlich?

Ich mache weiter geile YouTube-Videos und geile Streams.
Ein großes Ding dieses Jahr wird Arena Rumble. Das soll das größte Arena-Turnier der Welt werden, wirklich.
Außerdem wollen wir gemeinsam mit Eintracht Spandau ein Event auf die Beine stellen.

„Ich hoffe natürlich, wieder vor Publikum auf einer Bühne spielen zu können.“

Privat möchte ich weiter lesen, letztes Jahr waren es etwa zwölf Bücher und allgemein etwas mehr auf meine Gesundheit achten: mehr spazieren gehen, mehr Sport machen und täglich meine 100 Gramm Protein erreichen.
Dann schauen wir mal, wie ich am Ende des Jahres aussehe.

Wir bedanken uns bei Autophil für das spannende und sehr interessante Interview und wünschen ihm für seine Projekte und auch für seinen Content weiterhin viel Erfolg!

Weitere Behind the Streams findet ihr hier:

Behind the Streams – Bukanier im Interview