Mobile First im DACH-Raum: Wie Smartphones den Spielemarkt 2026 neu ordnen

(Bildquelle: Pixabay)

Smartphones haben den Spielemarkt im DACH-Raum auf den Kopf gestellt: War das Handy in den letzten Jahren das zweitwichtigste Gerät bei Computer- und Videospielen, ist es heute die erste Wahl, um zu spielen. Das lässt sich nicht mehr nur an Nutzerzahlen oder App-Store Platzierungen festmachen, sondern an harten Umsatzzahlen, regulatorischen Eingriffen und Infrastruktur-Entscheidungen.

Nach Daten des Branchenverbandes game betrug der Umsatz mit Games in Deutschland 2023 insgesamt 9,97 Milliarden Euro. Den größten Anteil daran hatten mit 2,9 Milliarden Euro die mobilen Spiele-Apps für Smartphones und Tablets.

Auch die Technik ist ganz auf Mobile ausgerichtet. Die Bundesnetzagentur hat festgestellt, dass 5G mehr als 90 Prozent der Fläche in Deutschland erreicht hat. Für Onlinespiele bedeutet das kürzere Reaktionszeiten, stabilere Verbindungen und eine neue Qualität bei Live-Events oder Turnieren. In Österreich hat die Rundfunk und Telekom Regulierungs-GmbH bereits 2022 eine 5G-Versorgung von mehr als 80 Prozent der Haushalte gemeldet. Diese Anbindung ist kein Nice-to-have, sondern Voraussetzung für Echtzeit-Gaming, Cloud-Streaming und datenintensive Features.

Wie in den Spielen und im digitalen Entertainment Geld verdient wird

Der Großteil der Mobile-Titel verdient sein Geld über Mikrotransaktionen. Laut dem Global Games Market Report 2023 der Analysefirma Newzoo entfallen weltweit mehr als die Hälfte der Umsätze mit Games auf Mobile.

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Innerhalb Europas gehen digitale Spiele und Entertainment immer mehr Hand in Hand. Streaming-Events, Influencer-Kooperationen und Cross-Community verschieben das Bild von Games als abgeschlossenes Produkt. Innerhalb dieses digitalen Ökosystems spielt auch der iGaming-Bereich ganz vorne mit und liefert hochwertige mobile Angebote, bei denen Nutzer Echtgeld im Online Casino gewinnen können.

In Österreich fallen Online-Glücksspiele unter die Verantwortung der Österreichischen Lotterien GmbH, welche auf Grundlage des Glücksspielgesetzes eine Lizenz dafür hat. Die Finanzmarktaufsicht kontrolliert alle Zahlungsströme, während die Bundeswettbehörde Verstöße verfolgt. Dieses System unterscheidet sich vom liberaleren deutschen Markt, wo seit dem Inkrafttreten des Glücksspielstaatsvertrags 2021 Lizenzen für das gesamte Bundesgebiet vergeben werden.

Mobile Plattformen müssen diese regulatorischen Unterschiede technisch umgesetzt haben. Geoblocking, Altersverifikation und Limitierungsmechanismen sind direkt in die Apps eingebaut. Entwickler bauen deshalb das Werben um Kunden in Modulen auf, die jeweils unterschiedliche juristische Reglungen beachten.

EU-Regulierung verändert den App-Markt

Mit dem Digital Markets Act, der im März 2024 vollständig in Kraft trat, greift die Europäische Union direkt in die Vertriebsstrukturen großer Plattformen ein. Apple und Google müssen alternative App-Stores und andere Zahlungsmethoden zulassen. Die Europäische Kommission bestätigte im September 2023 offiziell, welche Unternehmen als sogenannte Gatekeeper eingestuft wurden.

Für Entwickler eröffnet das neue Spielräume. Provisionen können sinken, Zahlungsabwicklung wird flexibler. Gleichzeitig steigen technische Anforderungen, weil Apps plattformübergreifend funktionieren müssen. Besonders bei Live-Services und Multiplayer-Angeboten wirkt sich das aus, da Serverstrukturen und Zahlungswege enger verzahnt werden.

Konkretes Beispiel: Niantic und standortbasierte Spiele

Ein markantes Beispiel für die Verknüpfung von Infrastruktur, Monetarisierung und Mobile-Nutzung liefert Niantic mit Pokémon Go. Das Spiel startete 2016, bleibt aber ein Referenzprojekt für ortsbasierte Gaming-Modelle.

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Das Spiel nutzt GPS-Daten, mobile Netzwerke und Cloud-Server, um Echtzeit-Events zu orchestrieren. In Deutschland und Österreich fanden 2023 wieder offizielle Community-Days statt, die zehntausende Teilnehmer mobilisierten. Städte wie Berlin oder Wien fungierten dabei als reale Eventräume.

Das Projekt zeigt, wie eng physische Infrastruktur, Mobilfunkabdeckung und digitale Spielmechanik verknüpft sind. Ohne stabile Netze wären solche Events nicht skalierbar.

Genres und Zielgruppen differenzieren sich aus

Strategie- und Aufbauspiele dominieren weiterhin die Umsatzranglisten im App Store. Titel wie Clash of Clans oder Genshin Impact kombinieren langfristige Progression mit regelmäßigen Content-Updates. Gleichzeitig wachsen sogenannte Hybrid-Casual-Spiele, die einfache Einstiegshürden mit komplexeren Monetarisierungsmechaniken verbinden.

Auffällig ist die Verschiebung in der Altersstruktur. Der game-Jahresreport 2024 weist für 2023 ein Durchschnittsalter der Spieler in Deutschland von 38,2 Jahren aus. Mobile-Gaming ist kein Jugendphänomen mehr. Es erreicht Berufstätige, Pendler und ältere Zielgruppen gleichermaßen.

In Österreich veröffentlichte das Marktforschungsinstitut GfK 2023 eine Untersuchung zur Mediennutzung, wonach mobile Endgeräte dort ebenfalls den höchsten täglichen Nutzungswert im Entertainment-Bereich aufweisen. Diese Entwicklung stützt sich auf erhobene Nutzungszeiten im Jahr 2022.

Mobile ist damit kein Trend, sondern Infrastruktur, Vertriebsweg und Geschäftsmodell in einem.

Studios reagieren auf veränderte Rahmenbedingungen

Internationale Publisher strukturieren ihre Entwicklungsabteilungen neu. Ubisoft kündigte 2023 an, Mobile-Projekte stärker in Kernmarken zu integrieren. Assassin’s Creed Codename Jade entsteht explizit als Mobile-Titel für iOS und Android. Der französische Konzern kommunizierte diese Strategie im Rahmen seiner Investorenpräsentation 2023. Dort wurde Mobile nicht mehr als Ergänzung, sondern als integraler Bestandteil der Markenführung definiert, inklusive eigenständiger Roadmaps und langfristiger Live-Service-Planung.

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Auch kleinere Studios im DACH-Raum orientieren sich um. Das Berliner Studio Wooga, spezialisiert auf Mobile-Games, expandierte 2022 seine Live-Operations-Teams, um langfristige Events und saisonale Inhalte schneller auszurollen. Diese Entscheidung wurde in der offiziellen Unternehmenskommunikation dokumentiert. Parallel dazu investieren mehrere unabhängige Entwickler verstärkt in Data-Analytics-Strukturen, um Spielerverhalten präziser auszuwerten und Inhalte datenbasiert anzupassen.

Die Marktbewegung ist keine einheitliche Erfolgsgeschichte. Hohe Nutzerakquisitionskosten, veränderte Datenschutzanforderungen durch die DSGVO und Plattformregeln erschweren die Planung. Gleichzeitig steigen die Erwartungen an technische Stabilität und permanente Inhaltsupdates. Dennoch bleibt Mobile der am stärksten wachsende Zugangspunkt für interaktive Unterhaltung.

Die Plattform entscheidet nicht mehr nur über Grafikqualität oder Steuerung. Sie bestimmt über Geschäftsmodelle, regulatorische Schnittstellen und technologische Abhängigkeiten. Entwicklungszyklen, Serverarchitektur und Monetarisierungskonzepte werden inzwischen von mobilen Rahmenbedingungen aus gedacht und erst danach auf andere Systeme übertragen.

Sammy
Bis 2010 war ich in einer anderen Redaktion tätig, welche mich mit meinen Ideen und Vorhaben zu sehr einschränkte. Mit der Gründung von game2gether wurde die Idee umgesetzt ein Magazin zu schaffen welches für alle viel Spielraum und Freiheiten beinhaltet. Viele Redakteure sind mittlerweile seit über 10 Jahren dabei was bestätigt das der Grundgedanke funktioniert. Neben der Vermarktung von game2gether streame ich in der Freizeit gerne auf twitch.tv/sami4m