Borderlands 2 – Test / Review

115

Die Rückkehr des Cooperativen Gag-Feuerwerks

Hunderte Stunden haben wir auf Pandora verbracht und zahllose Gegnerhorden ins digitale Jenseits befördert. Dabei riss die Motivation wenn dann nur mangels Schlaf kurzzeitig ab.

Auf der Gamecom 2012 hatten wir die Möglichkeit, zusammen mit Randy Pitchford (CEO von Gearbox Software) den Nachfolger von Borderlands unter die Lupe zu nehmen und haben ausführlich darüber berichtet.  Jetzt ist es soweit, denn Borderlands 2 hat sich auf unsere Festplatten breit gemacht und wieder einmal hat uns Gearbox um den Schlaf gebracht.

Wir haben Borderlands 2 alleine und zu viert im Coop-Modus getestet und erklären euch im Test, warum dieses Spiel auch euch um den Schlaf bringen kann.

Neue Helden für Pandora

Bevor wir ins Spiel einsteigen, suchen wir uns einen von vier Charakteren aus. Axton, Maya, Zer0 oder Salvador. Axton ist der Commander der Truppe und unterschützt sein Team mit seinem Geschütz, welches er mit einem Tastendruck auswirft, ansonsten hilft er seinen Kameraden mit Bonis wie Schildauflade-Geschwindigkeit, Schildauflade-Verzögerung usw…

Wer auf pure Feuerkraft und Gewalt steht, sollte Salvador den Gunserker spielen, mit seiner Spezialgeschwindigkeit kann er innerhalb von ein paar Sekunden zwei Waffen gleichzeitig abfeuern und nebenbei seine Munition und seine Lebensenergie wieder auffüllen.

Maya ist eine von sechs Sirenen die es überhaupt gibt. Sie hat Fähigkeiten mit denen sie Gegner in die Luft schweben und sie einige Sekunden Kampfunfähig machen kann.

Mit Zer0, dem Assassinen, kommt ein ganz besonderer Charakter zu Borderlands 2 hinzu. Dieser kann seine Skillpunkte einerseits in Fähigkeiten für die Sniper investieren oder damit seine spezielle Nahkampfattacke ausbauen.

Stichpunkt Skillpunkte, Borderlands 2 ist, wie sein Vorgänger, ein Ego-Shooter mit Action-Rollenspiel-Elementen. Wir können unsere Ladegeschwindigkeit erhöhen, Rückstoß verringern und vieles mehr. Neben den drei Talentbäumen, wie in Borderlands 1, gibt es nun auch ein Badass-Rang, der aber für den ganzen Borderlands 2 bzw. Steamaccount zählt. Dort können wir mit einem Badass-Token – die wir mit Herausforderungen bekommen können – verschiedene Dinge erhöhen oder verringern.

Lustig, lustiger, Borderlands 2

Wer Claptrap und seine Sprüche im ersten Teil geliebt hat, wird um Borderlands 2 kaum herumkommen. Schon zu Anfang werden wir mit Sprüchen und Gags überhäuft, so nimmt Claptrap einem Toten das Armband für die HUD-Anzeige ab, überreicht sie uns und behauptet natürlich ganz ironisch, dass er sie nicht einem Toten geklaut hat.

Aber nicht nur Claptrap brachte uns zum Lachen, auch viele andere Charaktere wie etwa der Bösewicht Handsome Jack oder auch die witzig erzählte Story.

Story, hier hat Gearbox einiges getan, weiterhin geht es um eine geheimnisvolle Kammer, aber dank Handsome Jack, andere Bösewichte und ehemalige Helden erfahren wir so einige Wendungen. Auch die Haupt- und Nebenmissionen fallen nicht mehr so kurz aus und so kämpfen wir uns in manchen Missionen mindestens eine Stunde bis zum Endboss durch. Eine witzige Mission gestaltet sich zu einer Art Selbstmord, dort müssen wir einen eingesperrten Banditen zu einem Berg bringen und ihn lebendig verbrennen lassen.  In der Inszenierung hat der Entwickler vieles reingesteckt. So sehen wir auch alte Bekannte wie die Moxxi oder unser Mechaniker Scooter. Nebencharakter werden auch besser vorgestellt, indem sie einen ganz kurzen Clip mit (kuriosen) Namen und einem kleinen Spruch – etwa wie „burn Baby, burn“ – gezeigt werden.

Wenn sich diese fünf Kräfte vereinen, schaffen sie die stärksten Verteidiger von Pandora…

In Borderlands 2 dreht sich alles wieder um die verschiedensten Waffen und auch diesmal sind die Elementareffekte dabei. Neben den üblichen Elementen Feuer, Schock, Korrosion und Explosion, ist jetzt auch die Schlacke dabei. Mit diesem Effekt markieren wir Gegner, damit wir oder Freunde dem Feind mehr Schaden zufügen können. Die restlichen Elemente sind genauso wie in Borderlands1 aufgebaut. So benutzen wir am besten Schock-Waffen gegen Feinde mit Schild, benutzen Korrosion für Roboter, Feuer gegen nackte Haut und Explosions-Waffen können auch Personen im Umkreis treffen. Damit entsteht eine Schere, Stein & Papierprinzip. Die Elementarwaffen haben keinen Elementarlevel von 1 bis 4 mehr sondern zwei Werte mit Chance in % für die Wahrscheinlichkeit eines Eintritts des Effekts und Schaden pro Sekunde. Das fordert im Coop-Modus eine sehr taktische Tiefe und vor allem ein sehr gutes Teamplay miteinander.

Im Spiel erhalten wir sehr früh brauchbare Waffen, die im Gegensatz zu Diablo 3 auch immer nützlich sind. Dabei wird es auch mit Elementarwaffen nicht zu leicht, gegnerische Einheiten zu stoppen, aber bleibt trotzdem sehr fair und fordernd. Wer es härter mag, spielt mit Freunden im Coop-Modus, hier spielten wir bis zu viert die normale Singleplayer-Kampagne. Je mehr Leute im Spiel sind, umso härter werden die Gegner und umso bessere Gegenstände lassen diese fallen. Geld und Munition wird beim Aufsammeln auf alle Mitspielern aufgeteilt, bei Waffen und Gegenständen zählt: Wer zuerst kommt, mahlt zuerst. Gerade im Coop-Modus sollten in den meisten Fällen, alle Spieler miteinander fahren und laufen, da es alleine gegen stärkere Feinde sehr schnell gefährlich und brenzlig werden kann. Das heißt, wer vor rennt hat schon verloren.

Bei der Ausrüstung hat Gearbox die Schilde entscheidend verändert, so haben die besseren Schilde dafür oft eine Verringerung in maximale Gesundheit. Was uns ein bisschen fehlt, sind die Elementar-Artefakte, die noch im ersten Teil unsere Spezialfähigkeit mehr Durchschlagskraft verleiht haben. Im Gegensatz gibt es diesmal die normalen Artefakte, die Max. Gesundheit, Schildboost, Chance auf bessere Gegenstände und vieles mehr erhöht. Auch an die Hitboxen hat Gearbox einiges getan. Die meisten Feinde haben nicht mehr am Kopf ihre kritische Trefferzonen sondern auch an anderen Stellen, wie etwa am Bein oder an den Armen. Mit einem Punkt im Talentbaum des Assassinen kann derjenige auch die jeweiligen Zonen markiert sehen.

Wer gerne sein Geld loswerden will, sollte mal in Sanctuary bei Moxxi´s Bar/Casino vorbeischauen. Dort haben wir stundenlang für ein paar Kröten am Automaten „gezockt“ und sogar die eine oder andere gute Waffe ergattert.

Pandora noch vielfältiger und schöner

Die Spielwelt wurde im Gegensatz zum Vorgänger abwechslungsreicher, so bewegten wir uns auf Schneelandschaften, Eisberge, Wüsten, Sümpfen und Wiesen in gewohnter Cell-Shading-Kulisse. Die Gegner wurden auch an die Gegenden angepasst, heißt, wir finden keine Feuermonster in Schneelandschaften, nur die Banditen und die Roboter von Handsome Jack verfolgen uns in jedem Gebiet von Pandora. Die Welt ist, genau wie in Borderlands 1, in verschiedene Gebiete unterteilt und so haben wir zwischen jedem Gebiet eine Ladezeit. In den kurzen Ladezeiten bekommen wir auch einige gute Tipps um für die Welt von Pandora gerüstet zu sein. Nur wer mal stirbt oder das Spiel mitten in Gebiete beendet, darf sich auf ein erneutes durchrennen bzw. durchkämpfen freuen. Heißt, die Rücksetzpunkte sind genauso wie im Vorgänger, nur in sehr langen Abschnitten und an Levelübergängen platziert.

Am Grafikgerüst hat sich kaum etwas geändert, so benutzt Borderlands 2 weiterhin ein Cellshading-Grafikstil mit der Unreal Engine 3. In unserem Testlabor haben wir zuerst zwei Laptops ins Rennen geschickt. Im ersten war eine GT540M mit einem i7-2670QM (2,2 Ghz, Turbo 3,1 Ghz) und 8gb Ram eingebaut. Hiermit konnten wir in der 1366×768 Auflösung alles auf Maximum stellen bis auf Physx Niedrig und FXAA aus. In den meisten Spielabschnitten hatten wir ca. 30 FPS die ab und an auf knapp 24 und etwas niedriger gerutscht sind. Im zweiten Laptop war ebenfalls ein i7-2670QM mit 8gb und zusätzlich der HD6990M enthalten. Damit konnten wir auf der 1920×1080 mit Maximum Details und ohne Physx ganz getrost spielen.

Zusätzlich hatten wir zwei Rechner zum Testen. Im Testrechner 1 konnten wir mit einem Phenom II X6 1055T, 4gb RAM und einer GTX570 auf der 1920×1080 Auflösung alles auf Maximum – zusätzlich mit Physx auf Hoch – spielen. Auf dem Testrechner 2 mussten wir mit einem Athlon 6000+ (3 Ghz), 2gb RAM und einer GTX460 mit 720p, ohne FXAA und ohne Physx vorlieb nehmen. Wir haben mit dem Rechner auch Physx auf Hoch ausprobiert und hatten in Action-Szenen nur noch ca. 10-15 Frames.

Im Vorgänger gab es oft nachladende Texturen nach Levelbeginn, diese gibt es weiterhin auch in Borderlands 2. Diese fallen aber nicht mehr so oft und lange aus. In Punkto Physx sind wir zwei geteilt, einerseits sieht es richtig gut aus, aber andererseits benötigt dies hohe Performance und wir stellen uns die Frage, ob das nicht auch die Radeons mit Havok-Physikengine darstellen hätten können.

Ab und zu hatten wir auch Probleme mit Gegenständen die im Boden oder in der Wand verschwanden und so nicht mehr einsammelbar waren. Die Menüs haben die Entwickler etwas unübersichtlicher gestaltet als noch im Vorgänger. So haben wir in manchen Momenten die Übersicht verloren und daher in Shops falsche Gegenstände gekauft und verkauft.

Bitte Boxen aufdrehen

Auch in punkto Sound hat Gerbox mächtig zugelegt und die Qualität der Waffen und Umgebungsgeräusche verbessert. Im Spiel gibt es viele abwechslungsreiche Musikstücke von leisem Orchester bis hin zu Science-Fiction Melodien, welche passend zur Situation eingeblendet werden.

Beim Thema Synchronstimme hat Gearbox richtig zugegriffen, und dürfte wohl ein Spiel mit der besten deutschen Synchronstimme in letzter Zeit sein – neben deutschen Adventures. Hier kann und sollte vielleicht jeder die deutsche Synchronstimme einstellen und auf Hörspielniveau genießen.

Lan-Modus im Jahre 2012?

Borderlands 2 hat im Gegensatz zum Vorgänger eine Steampflicht, aber bietet trotzdem einen Lan-Modus. Dank dem Netzwerkmodus konnten uns die Probleme durch überlastete Steam-Server egal sein, denn wir konnten zu viert ungestört weiter spielen und das bei bester Verbindungsgeschwindigkeit. Das Öffnen eines Servers und der Einstieg funktionierte stets Problemlos. Beim Eintritt eines neuen Mitspielers in der Coop-Party werden wie in Diablo 3, alle anderen Spieler benachrichtigt.