The Kings Speech Filmkritik

    20

    Deutschlandstart:
    17. Februar 2011
    FSK:
    o.A.

    Genre:
    Drama, Historie

    Länge:
    118 min

    Darsteller: Colin Firth (King George VI), Helena Bonham Carter (Queen Elizabeth),
    Geoffrey Rush (Lionel Logue), Derek Jacobi (Archbishop Cosmo Lang),
    Robert Portal (Equerry), Richard Dixon (Private Secretary), Andrew Havill
    (Robert Wood), Roger Hammond (Dr. Blandine Bentham), Calum Gittins
    (Laurie Logue), Jennifer Ehle (Myrtle Logue), Dominic Applewhite (Valentine
    Logue), Ben Wimsett (Anthony Logue), Paul Trussell

    Regie:
    Tom Hooper
    Drehbuch:
    David Seidler

    Inhalt:

    Für Prinz Albert, (Colin Firth), Sohn des britischen Königs George V, ist es eine Qual, öffentlich zu reden, da er seit seiner frühsten Kindheit an einem schweren Stottern leidet. Bis jetzt konnte er die ungeliebten Reden immer gekonnt umschiffen, doch nach dem Tod seines Vaters König George V und der Abdankung seines Bruders Edward VIII. (Guy Pearce), wegen dessen Liebe zur geschiedenen bürgerlichen Wallis Simpson, wird Albert unter dem Namen George VI. 1936 völlig unerwartet zu Englands neuem König.

    Gleich zu Beginn wird der Zuschauer auf dramatische Weise mit der Problematik des Oscar-preisgekrönten Filmes bekannt gemacht.
    Wir schreiben das Jahr 1925, in London finden die British Empire Exhibition statt und die Anschlussrede zur Ausstellung soll vor tausenden von Zuschauern und zugleich via Rundfunk live übertragen werden. Alles wartet auf die glorreiche Rede des Prinz Albert, aber dieser lässt keinen klaren Satz erklingen. Als zweitgeborener des Königs und evtl. Thronfolger gehört es zu Alberts, gesellschaftlichen Pflichten, öffentliche Ansprachen halten zu müssen. Ein absoluter Graus für den Prinzen, dem sein Stottern schon seit seiner Kindheit im Wege steht.

    Nach dieser fatalen Stotterrede macht sich seine treue Gemahlin (Helena Bonham Carter), die ihn nach jeder verbalen Niederlage immer wieder versucht aufzubauen, auf die Suche nach einer geeigneten Lösung. Durch eine Kleinanzeige gerät sie an Lionel Logue (Geoffrey Rush), der sich auf Fälle wie Sprachverlust und Stotterer spezialisiert hat. Dieser behandelt seine königliche Hoheit wider Willen wie einen ganz normalen bürgerlichen Menschen und versucht ihm nahe zu legen, sich mit seiner Krankheit näher zu befassen, denn er stottere offensichtlich nicht, wenn er in Rage gerät. Die fragwürdigen Behandlungsmethoden des smarten Therapeuten sagen dem Thronfolger mal gar nicht zu, sodass er Hals über Kopf Logues Praxis verlässt. Doch dann geschieht unerwartetes, König George V stirbt, sein Bruder dankt nach nur kurzer Zeit ab und nun muss er, Prinz Albert, von seiner Familie liebevoll Bertie genannt, sämtliche Reden und Auftritte, um sein Land gebührend zu vertreten, selbst meistern. Schneller als erwartet findet er sich wieder zur Sprachtherapie ein und macht nun jede noch so irrwitzig klingende Übung mit nur um endlich ungehemmt sprechen zu lernen.

    Dem Zuschauer bietet sich ein recht witziges Bild des zungenbrechersprechenden Königs, da hier die beiden Charaktere des unkonventionellen Sprachlehrers und des hölzernen Bertie aufeinander treffen. Aber nicht nur sprachliche Barrieren werden gebrochen, sondern auch seelische Grausamkeiten seiner Kindheit aufgedeckt. Wodurch man mit dem stotternden König, der scheinbar im angespannten Zustand einfach keinen klaren Satz zustande bringt, Mitleid haben muss, denn dieser wurde als Kind gehänselt seine X-Beine wurden mit Stahlschienen therapiert, das gesteht er Lionel teilweise singend. Das Verhältnis der beiden bessert sich zunehmend sie freunden sich regelrecht miteinander an. Lionel agiert nicht nur als Sprachtherapeut sondern teilweise auch als Psychologe, was dem Film einen besonderen Schliff verleiht. Alberts Belastungsdruck steigt immer weiter an, denn der 2. Weltkrieg steht an und er muss als König George VI sein Volk durch die Kriegsansprache, die ihm fehlerfrei über die Lippen gehen muss ermutigen und motivieren. Es ist einfach herrlich spannend mit anzusehen, wie sich der psychisch labil wirkende Prinz, der nie so richtig aus dem Schatten des Bruders hervortreten kann mit seiner Widerwillen erzeugendem Arroganz seiner Herkunft, sich zu einem zunehmend selbstbewusstem Redner entwickelt. Zudem ermöglicht einem der Film interessante Einblicke in die reale Welt der Royals, eine Welt wie keine zweite, deren oberste Pflicht die Vermeidung des Gesichtsverlusts ist und Gefühle durch das Leben nach Protokoll keinen Platz zu scheinen haben.

    Selten zuvor hat man bei dem eher ernsten Thema, wie der britischen Monarchie, so oft und herzlich schmunzeln können wie bei diesem Film. Colin Firth brilliert in der Rolle des Königs George VI und hat den Oscar als bester Hauptdarsteller absolut zu Recht gewonnen. Die gesamte Geschichte greift perfekt in einander und es wird nicht zu dick aufgetragen. britischer Ernst gepaart mit brillantem Wortwitz.

    The Kings Speech ist ein äußerst gelungener Film mit historisch authentischem Hintergrund. Das Ansehen lohnt sich schon allein aus dem Grund, dass der Streifen sage und schreibe vier Oscars abgeräumt hat. Für jeden, der sein geschichtliches Wissen aufbessern will, ist dieser eine willkommene und empfehlenswerte Ergänzung und auch Komödienliebhaber kommen auf ihre Kosten.

    Wertung: 90%