Anno 1800 Console Edition – Test/Review

    Endlich findet das Anno-Franchise den Weg auf die Konsole, denn nun können wir in Anno 1800 Console Edition unsere Kolonie in ruhmreiche Zeiten führen. Erhältlich ist die neue Version für die PlayStation 5 und die Xbox Series X|S, getestet haben wir die Version für die PlayStation 5.

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    Im Jahre…

    Das Anno-Franchise zählt sicherlich zu den erfolgreichsten Spieleserien, die aus der DACH-Region stammen. Denn die beiden ersten Teile, Anno 1602 und Anno 1503 sind eine Gemeinschaftsentwicklung des österreichischen Studios Max Design und des deutschen Studios Sunflowers. Mittlerweile wurde Sunflowers in Blue Byte und so schließlich in Ubisoft eingegliedert, sodass Anno 1800 schließlich von Ubisoft Mainz entwickelt wurde.

    In den letzten 25 Jahren konnten wir so durch die Jahrhunderte reisen und mussten dabei stets unsere Kolonie zu Ruhm und Wohlstand führen. Nachdem sich die ersten vier Titel der Zeit des 15. – 18. Jahrhunderts widmeten, befassten sich die beiden nächsten Titel mit dem 21. und 23. Jahrhundert. Mit Anno 1800 ging es nun zurück in die Vergangenheit, besser gesagt zum Anfang des 19. Jahrhunderts. In all den Jahren konzentrierte sich das Franchise besonders auf den PC als Plattform, als Ausnahme gab es allerdings eine Version von Anno 1701 für den Nintendo DS. Kleiner Fun-Fact, die Jahreszahlen aller Anno-Titel, die in der Vergangenheit spielen, entsprechen einer arithmetischen Zahlenfolge und liegen immer 99 Jahre auseinander: Anno 1404 -> Anno 1503 -> Anno 1602 -> Anno 1701 -> Anno 1800.

    Über all die Jahre ist ein Kernelement der Spiele immer gleich geblieben, als Seefahrer erkunden wir Inseln und besiedeln sie. Dabei müssen wir die Anforderungen unserer Bevölkerung erfüllen, um weiter voranzuschreiten. Dazu gilt es durchaus komplexe Produktionsketten in Gang zu halten, bei denen es durchaus notwendig werden kann über Handel oder Erkundung uns fehlende Ressourcen zu erwerben.

    Im Jahre 1800:

    Bislang konnten wir in der Anno-Serie entweder die vorindustrielle Zeit oder eine hochtechnische Zukunft erleben. Nun geht es in eine besonders spannende Zeit der Geschichte, die industrielle Revolution. Nachdem im 18. Jahrhundert die Dampfmaschine erfunden und weiterentwickelt wurde, dauerte es nicht lange, bis sie Einzug in die Fabriken nahm und auch den Transport von Waren auf der Schiene ermöglichte. So bietet uns Anno 1800 eine Zeit mit vielen neuen Möglichkeiten, Technologien und Waren. Diese ermöglichen ganz neue Produktionsketten, bringen aber auch neue Verschmutzungen mit sich. Auf diesem Wege wird die Lebensqualität unserer Bürger auf der einen Seite verbessert, auf der anderen jedoch auch verschlechtert. Für uns bedeutet das im Spiel, dass wir wieder einige Dinge zu Bedenken haben, wenn wir unsere Siedlung aufbauen.

    Über Bürger und Produktion:

    Die durchaus komplexen Produktionsketten waren schon immer eine Stärke der Anno-Serie, besonders auch die weitere Verflechtung in die Bedürfnisse der Bürger. Hier baut man nicht einfach nur Häuser und die Bewohner sind da, man muss sie auch entsprechend versorgen. Schaffen wir es, die Bedürfnisse zu erfüllen, können unsere Bürger aufsteigen. So werden im ersten Schritt aus Bauern Arbeiter. Der Aufstieg unserer Bürger bringt uns nicht nur bessere Steuereinnahmen, er ermöglicht uns auch neue Wege mit Blick auf die Produktion. So brauchen wir für eine Getreidefarm zum Beispiel Bauern, für die Gießerei jedoch Arbeiter. Somit müssen wir nicht nur die Gesamtzahl unserer Bürger im Auge behalten, wir müssen auch darauf achten, dass wir genügend Bürger aus jeder Kategorie besitzen. Ein Vorteil ist jedoch, dass die Gebäude auch mit weniger Personal klarkommen, jedoch verlieren sie dann natürlich an Produktivität. Sehr hilfreich, wenn wir schnell expandieren wollen, aber noch auf den Aufstieg der Bürger warten.

    Je nach Art der Produkte und Rohstoffe besitzen unsere Produktionsketten unterschiedlich viele Stufen oder Verzweigungen. Möchten wir zum Beispiel Stahlträger produzieren, brauchen wir zunächst eine Erzmine und eine Kohlemine, statt letzter geht alternativ auch eine Köhlerei, diese braucht Holz als Rohstoff, kein Kohlevorkommen. Beide Gebäude versorgen dann die Gießerei und diese schließlich die Stahlträger-Produktion. Wir können mit dem Stahl jedoch auch Kanonen herstellen, so bekommen wir hier auf der Produktionsseite eine mögliche Verzweigung. Je komplexer unsere Produktionsgüter werden, desto mehr Anforderungen können hier natürlich auftreten.

    Gameplay und Steuerung:

    Doch genug Ausflug in die Geschichte und da Anno 1800 schon seit nunmehr vier Jahren auf dem PC verfügbar ist, ist die wohl spannendste Frage, wie sich der Titel auf der Konsole schlägt. Vor einigen Wochen hatten wir bereits Age of Empires 2 auf der Konsole getestet und dabei gesehen, dass sich auch Echtzeitstrategie- oder Aufbauspiele gut auf der Konsole spielbar gestalten lassen können. Besonders dann, wenn man die Konsole mit einer Leinwand oder einem sehr großen Fernseher nutzt, bieten sich hier auch interessante Möglichkeiten, mit Blick auf die Übersichtlichkeit der Spielwelt. Entscheidend ist aber natürlich die Umsetzung der Steuerung.

    Am Computer hat man mit Tastatur und Maus bei Strategiespielen viele Möglichkeiten, denn die Maus ermöglicht eine präzise und schnelle Auswahl von Objekten, während die Tastatur einem ermöglicht parallel die Karte zu schieben und mittels Tastenkombinationen weitere Aktionen abzurufen. Besonders in Menüs hat die Maus durch Präzision und Geschwindigkeit durchaus ihre Vorteile. Die Umsetzung auf der Konsole gelingt Anno 1800 hier überraschend gut. Dank der beiden Sticks ist es schon mal kein Problem gleichzeitig die Karte zu verschieben und den Auswahlcursor zu bewegen. Für das Aufrufen und Durchschalten von Menüs kommen dann die Trigger- und Schultertasten zum Einsatz. So bleiben die vier Haupttasten für das Drehen von Objekten, Bestätigen der Bauaufträge und weiteres frei. Das Steuerkreuz dient darüber hinaus dazu, durch wichtige Mitteilungen zu navigieren. Sehr gut gelungen ist dabei auch, dass hier überschaubar viele Ebenen und wenig Mehrfachbelegungen zum Einsatz kommen.

    Möchte man nun ein Gebäude bauen, ruft man zuerst das Baumenü auf und kann hier in der ersten Ebene durch verschiedene Reiter blättern, in denen die Gebäude je nach Bürger-Klasse sortiert sind. In der nächsten Stufe sind die Gebäude in einer Kreisauswahl angeordnet, was sich für einen Controllerstick sehr gut eignet und eine schnelle sowie präzise Auswahl ermöglicht. Um die Übersichtlichkeit zu steigern, finden sich die Gebäude hier nicht einzeln, sondern sie sind nach der jeweiligen Produktionskette zusammengefasst. Unter dem Menüpunkt Brot findet man so die Getreidefarm, die Mühle und die Bäckerei. Hat man eine Produktionskette ausgewählt, muss man somit noch das jeweils gewünschte Gebäude auswählen. Insgesamt ein wirklich durchdachtes Steuerungskonzept. Egal ob Gebäude oder Straßen, jeder Bau geht schnell von der Hand und kann durchaus mit dem PC mithalten.

    Grafik:

    Optisch kann Anno 1800 auch auf der Konsole glänzen. Schon aus der Distanzansicht zeigt sich die hohe Detaillierung der Landschaft, die sich beim weiteren Hereinzoomen noch verstärkt. Bei allen Gebäuden gibt es Bewegungen, wir sehen die Arbeiter, laufende Maschinen und noch vieles mehr. Das ist natürlich nichts Neues, denn auch auf dem PC ist Anno 1800 entsprechend hoch detailliert.

    Unterschiede zur PC-Version:

    Das Kernspiel von Anno 1800 ist auf PC und Konsole gleich. Der Hauptunterschied ist natürlich die für die Controller-Steuerung angepasste Oberfläche und auch ein ausführlicheres Tutorial. Eine Steuerung der Anno 1800 Console Edition mittels Tastatur und Maus ist nicht vorgesehen, ebenso eine Steuerung via Gamepad am PC, aufgrund der unterschiedlichen Oberflächen. Ein weiterer wichtiger Unterschied findet sich in der DLC-Politik. Für den PC gibt es neben kosmetischen DLCs auch DLCs mit Erweiterungen, die als Season Pass erhältlich sind, da der Release der PC-Version nun schon ein paar Jahre zurückliegt, befindet sich diese bereits in Season 4. Eine Veröffentlichung der Season-Pässe ist daher für die Konsole bislang nicht vorgesehen. Wichtig mit Blick auf den Multiplayer ist das Fehlen einer Crossplay-Funktion, somit bleiben PC-, PlayStation- und Xbox-Spielende stets unter sich. Durchaus relevant, wenn man mit Freunden zusammen spielen möchte.

    Fazit:

    Die Anno 1800 Console Edition hat uns im Test mit einem wirklich gut durchdachten Steuerungskonzept davon überzeugt, dass man Strategie-Titel durchaus sehr gut auf der Konsole spielen kann. Die Steuerung erfolgt intuitiv und ist leicht zu erlernen. Dank eines ausführlichen Tutorials findet man sowohl in die Steuerung als auch in die Spielmechanik sehr gut hinein. Neben der Grafik ist auch die gesamte Spielmechanik auf der Konsole sehr gut, hier profitiert ein Strategietitel natürlich durchaus davon, dass man nicht unbedingt sehr hohe FPS benötigt. Echte PC-Puristen werden sich wahrscheinlich nicht mit der Konsolen-Edition anfreunden können, dennoch wird hier allen Konsolen-Spielenden endlich eine neue Spielerfahrung zugänglich gemacht. Darüber hinaus muss man aber auch durchaus zugeben, dass sich ein Titel wie Anno auch wunderbar für eine entspannte Spielrunde auf dem Sofa eignet und dazu bedarf es einfach eines Controllers.

    Die PS5-Version von Anno 1800 Console Edition wurde Game2Gether für den Test zur Verfügung gestellt. Eine Einflussnahme des Publishers oder Entwicklers auf den Testbericht hat nicht stattgefunden.

    Seit der Jugend bin ich von PC-Hardware begeistert und habe Systeme in den verschiedensten Hardware-Generationen gebaut. Mit der Zeit kamen dann auch Videokonsolen dazu. Ich bin hier eigentlich in allen Bereich aktiv. Mit einem Schwerpunkt auf Hardware.