Icarus: New Frontiers – Review (PC)

    Nachdem das Sandbox-Survival-Spiel Icarus sich von anfänglich etwas schwachen Bewertungen erholen und inzwischen sogar zum Genre-Tipp mausern konnte, bringt uns Entwickler Rocketwerkz nun das erste richtige Add-On zum Grundspiel. New Frontiers verspricht uns neue Biome, neue Missionskonzepte, neue Bauoptionen und viele neue Kreaturen. Für all dies kann der Spieler eine komplett neue Karte namens Prometheus erkunden.

    Kann die Erweiterung seine Versprechen halten und die Stärken des Grundspiels erweitern, oder werden wir einen ähnlich holprigen Start wie zum Release von Icarus erleben?

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    Im Sternenfluss nach Icarus

    Wer bisher noch keinen Besuch auf Icarus gemacht hat, dem sei hier ein kurzer Überblick vergönnt.

    Es handelt sich dabei nämlich um einen Planeten, auf dem der Terraforming-Prozess ein wenig schiefgelaufen ist. Die Folge ist, dass die Biome auf der Oberfläche instabil sind, was zu häufigen, chaotischen Wetterereignissen geführt hat. Außerdem sind einige der ausgesetzten Tiere mutiert und zu Menschenfleisch-Connaisseuren geworden. Rolle des Spielers ist es, sich in kleinen Landing-Pods auf die Planetenoberfläche absetzen zu lassen, um dort verschiedene Missionen zu erfüllen.

    Für die meisten Missionen ist es jedoch erforderlich, sich vorher ein paar grundlegende Gegenstände, Werkzeuge oder Waffen zu bauen. Und hierfür empfiehlt sich weiterhin eine halbwegs sturmfeste Hütte, oder ein gemütliches Häuschen. Der Crafting-Aspekt funktioniert in Icarus intuitiv und einfach, hatte aber in Missionen immer einen Nachteil: nach dem Ende der Mission und der Abreise im Landing-Pod, wurden alle Bauten und Gegenstände, die man auf dem Planeten errichtet hatte, abgerissen und Icarus verblieb als unberührte Natur.

    Genau hier soll New Frontiers Abhilfe schaffen und verbindet Sandbox-Freiheit, mit missionsbasierten „Leveln“.

    Neue Missionen braucht das Land

    Wer sich in der Vergangenheit nie zwischen den Spielmodi Sandbox (freies Spiel ohne Zeitbeschränkung) und Missionen entscheiden konnte, dem tut Entwickler Rocketwerkz nun einen großen Gefallen: Mithilfe eines orbitalen Kommunikationsgerätes, genannt „CONT4CT“, kann man nun auch während des freien Sandbox-Spiels, Missionen anfordern und erfüllen.

    Hier gibt es noch einmal den Unterschied zwischen sogenannten Quests und Operations.

    Quests sind kleine Aufgaben, die sich meistens in wenigen Minuten lösen lassen und eine kleine Menge Orbitalwährung, sowie Pakete mit Ressourcen- oder Ausrüstungsbelohnungen einbringen.

    Operations hingegen sind die klassischen Missionen, für die Ihr in der Vergangenheit immer eine neue Spielsession, also eine frische Landung auf Icarus, durchführen musstet. Diese können nun in einem laufenden Spiel angefordert und gelöst werden.

    So könnt Ihr zum Beispiel in Ruhe eure Basis ausbauen und eure Tech-Stufe verbessern und dabei ganz nach eigenem Anspruch den Missionsbaum freischalten und abarbeiten.

    Wir finden die Verschmelzung des freien Spiels mit den Missionen großartig und man bekommt dadurch endlich das Gefühl, wirklich auf Icarus zu leben und sich dort etwas aufzubauen.

    Einen kleinen Wermutstropfen bringt die Neuerung aber leider noch mit sich: Derzeit sind die fortlaufenden Missionen nur für die neue Karte Prometheus vorgesehen. Laut Entwickler benötigt es für die Karten Olympus und Styx noch Anpassungen, damit diese gut mit dem neuen Missionskonzept funktionieren. Eine Übernahme der neuen Missionsfeatures für die alten Karten ist aber geplant und soll in den nächsten Monaten implementiert werden.

    Heute basteln wir was Neues

    Neben den neuen Features bringt New Frontiers natürlich auch einige neue Rezepte mit. So gibt es zum Beispiel mehrere neue Rüstungssets, passend zu den neuen Biomen. Wenn es besonders heiß wird, kühlt unsere Obsidianrüstung unsere Körpertemperatur herunter und wenn wir lange genug im eisigen Norden umher gestreift sind, finden wir die passenden Ressourcen, um die neuen Kaltstahl-Werkzeuge herzustellen.

    Speziell Häuslebauer dürften sich über neue Materialien für Ihre Häuser und Bauwerke freuen. So lässt sich nun Vulkangestein farmen und in Scoria, bzw. Scoriaziegel umwandeln. Da die nötigen Zutaten hierfür im Lavabiom zu finden sind, überrascht es nicht, dass die Bauteile eine entsprechend hohe Hitzeresistenz mitbringen.

    Für sumpfigere Länder hingegen, empfiehlt es sich vielleicht, einen Blick auf die neuen Lehmbauteile zu werfen. Die neuen Baustile unterscheiden sich teils deutlich im Look von den Bauten des Basisspiels und kreative Köpfe dürften Ihre Freude an den neuen Möglichkeiten haben.

    Ein Traum in Pink

    Ausgerechnet das neue Basis-Biom von New Frontiers enttäuscht. Hier hat Rocketwerkz wohl versucht, durch starkes Screen-Tint den Eindruck einer sehr fremdartigen Welt zu erzeugen. Tatsächlich wirkt es im Spiel leider so, als hätte jemand einen pinken Schleier über die Welt geworfen, der zudem die Sichtweite stark einschränkt. Somit geht der Zauber der bisherigen Biome, die häufig durch ihre überwältigen Weite gewirkt haben, verloren.

    Speziell in der Dämmerung oder im Schatten großer Berge wirkt der pinke Schleier so störend, dass man Probleme bekommt, Dinge wie Mineralvorkommen richtig zu erkennen.

    Icarus hat schon immer vom Spiel mit Licht und Schatten profitiert und den Spieler in der Dunkelheit vor eine echte Hürde gestellt. Während dies in den Basiskarten jedoch zur Atmosphäre beiträgt, verdunkelt und verwischt der pinke Schleier alles nur noch.

    Wenn wir einen Wunsch für das erste Biom hätten, wäre dies, die Intensität des zuständigen Shaders selbst anpassen zu können, oder diesen sogar auszustellen. Weniger wäre hier mehr gewesen.

    Was auch noch auffiel, waren einige Erzvorkommen, die fast gänzlich in einer Wand oder Decke steckten und somit nicht abgebaut werden konnten. Hier fehlt an einigen Stellen noch der Feinschliff.

    Abseits davon hat Rocketwerkz hier durchaus interessante neue Pflanzen und Tiere geschaffen, die man aufgrund der Sichtbeschränkung aber leider selten wirklich genießen kann.

    Nach Dagobah du musst

    Schon besser gefallen hat indes das neue Sumpf-Biom. Zwar wurde auch hier ein Schleier über die Landschaft gelegt, so dass alles in grünlichen Nebel getaucht wirkt, jedoch passt dies viel besser zum Sumpf-Setting.

    Von einem Sumpf erwarten wir ja förmlich einen Nebelschleier und ein diffuses, verwaschenes Sonnenlicht.

    Eine angenehme Herausforderung ist auch, dass fast die gesamte Karte in flachem Wasser steht, was den Spieler dazu nötigt, sich beim Häusle bauen ein paar neue Techniken zu überlegen. So hat es beim Test durchaus Spaß gemacht, mal auf Stelzenbauwerke zu setzen.

    Auch bekommen wir hier eine Menge neuer Tierarten zu sehen, die sich gut in das modrig-nasse Setting integrieren. Seien es nun große Laufschildkröten, amöbenartige Wasserlebewesen, oder eine Mischung aus Sumpfhai und Stachelschwein: Die Fauna wirkt stimmig!

    Besuch im Hades

    Ausgerechnet die trockene Feuerhölle des Lavabioms hat beim Test am meisten Eindruck hinterlassen. Denn obwohl die Farbwahl hier eher gering ausgefallen ist, hat gerade diese minimalistische Komposition aus kargem Boden, glühenden Lavafeldern und wenigen bunten Pflanzen, am weitesten weg in eine fremde Welt entführt.

    Die schroffen Felsen und die rötliche Sonne erinnern dabei wahrscheinlich nicht ganz ungewollt an Aufnahmen vom Mars.

    Spannend wird das Gebiet nicht nur durch die neuen, wilden Tiere (und die sind ganz schön zäh!), sondern auch dadurch, dass bestimmte Ressourcen nicht einfach sammelbar sind. So gibt es zum Beispiel keine Oxidvorkommen, die man abbauen könnte. Stattdessen fliegen quallenartige Lebewesen über die Vulkanlandschaft, die bei Beschuss explodieren. Dabei hinterlassen Sie ein paar Brocken Oxid am Ort des Aufschlages. Der Spieler wird somit gezwungen, immer wieder auf die Jagd zu gehen, um genug Sauerstoff zu bevorraten.

    Auch sind Fasern, Stöcke und Holz sehr rar, was den Spieler zum Umdenken bei den üblichen Bauplänen zwingt. Zudem ist die Hitze und wiederkehrende Feuerstürme ein Problem für uns und unsere Bauten.

    Holprig in der Hölle

    Die meisten dieser Hürden lassen sich nach Anpassung der eigenen Strategie bewältigen, lediglich die Suche nach Holz bleibt dauerhaft ein Problem. Leider ist der Rohstoff so rar, dass die dort gefundene Menge nicht einmal ausreicht, um die ersten Handwerksstationen zu errichten. Der Spieler wird somit gezwungen, sich seinen Holzbedarf aus einem anderen Biom heranzuholen. Das ist ein wenig schade, weil es die Herausforderung im Lavabiom zu überleben, irgendwie aushebelt. Und wenn ich sowieso in ein anderes Gebiet wechseln muss, um mir Holz zu holen, kann ich mir auch gleich Oxid mitbringen.

    Bedauerlicherweise gibt es noch keine Möglichkeit im Spiel, Holz selbst anzubauen. Dabei könnte man dies grade im Lavabiom mit anspruchsvollen Hürden verbinden, die den Spieler eine Weile beschäftigen.

    Auch gibt es leider noch ein paar Probleme mit der neuen Ressource Lavastein. Diese schlägt man mit einer Art Vorschlaghammer aus einem Vorkommen am Boden. Dabei kam es in gut der Hälfte aller Fälle vor, dass der herausgeschlagene Lavabrocken durch den Boden fiel und nicht mehr sammelbar war. Sicherlich kein Gamebreaking Bug, aber doch zumindest ärgerlich.

    Fazit

    Rocketwerkz hat auf die Community gehört und einige großartigen Neuerungen, wie zum Beispiel die Sandbox-Missionen, in New Frontiers integriert. Besonders toll: In Co-Op-Spielen braucht nur der Hoster das Add-On. Andere Spieler können auch ohne New Frontiers beitreten.

    Auch bereichern neue Mechaniken, Bauoptionen und Materialien das Spiel.

    Ausgerechnet bei den Biomen gibt es an einigen Stellen noch Feinschliffbedarf, um die Spielbarkeit und den Look zu verbessern. So könnte ein tendenziell gutes Add-On mit ein paar Patches noch zu einem sehr guten heranreifen.

    Icarus: New Frontiers könnt ihr ab sofort für 29€ im Steam-Shop erwerben.

    Goetenklott
    MS-DOS-Veteran und Pixel-Nostalgiker. Windows hat nur einzug gehalten, damit Diablo gespielt werden konnte. Aufbauspieler und selber Bastler. Katzen-von-der-Tastatur-schieber. Warnung vor Tieffliegenden Wortspielen ist hiermit ausgegeben!