Halo: The Master Chief Collection – Test / Review

    Shooter an der Konsole funktionieren nicht. Tun sie doch! Wir verdanken es einzig und allein einem Titel, dass man seit 2001 einfach nicht mehr davon sprechen kann, dass 1st Person Shooter auf einer Spielkonsole mit Controller nicht spielbar sind: Halo. Der Master Chief bekommt zur Feier seine eigene Spielesammlung gewidmet und die Halo: The Master Chief Collection hat sich so richtig gewaschen, wie ihr in unserem Test erfahren werdet.

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    [box_light]Halo: The Master Chief Collection wurde am 11. November exklusiv für Xbox One veröffentlicht.[/box_light]

     

    Tja, wo fängt man mit solch einen Mammutwerk eigentlich an? Die Halo: The Master Chief Collection bietet einen so enormen Umfang, dass man sich gar nicht so recht entscheiden kann, womit man loslegt. Starten wir einfach mal mit den Inhalten:

    • Halo: Combat Evolved Anniversary
    • Halo 2 Anniversary
    • Halo 3
    • Halo 4
    • Halo 5: Guardians Beta
    • Halo: Nightfall
    • Halo Channel App

    Anhand der Inhalte erkennt man sehr schnell, dass die Collection einen Mix aus bekannten Inhalten mit neuen bietet. Das macht die Halo: The Master Chief Collection zu einem waschechten Multitalent. Auf der einen Seite bekommen Neueinsteiger in die große Welt des Master Chiefs direkt die volle Packung aller Abenteuer und können die weitläufige Story mit all ihren Überraschungen von Anfang bis zum derzeitigen Ende erleben. Auf der anderen Seite dürfen Veteranen der Serie ihre liebsten Momente nochmals völlig neu erleben – dank überarbeiteter Visualität erstrahlen die Halo Spiele in einer nie dagewesenen Schönheit und Pracht.

    Ganz Allgemein für die Halo: The Master Chief Collection gilt: Alter Inhalt im neuen Gewand. Vorbei die Zeit stumpfer und blasser Grafiken. 343 Industries haben sich ordentlich ins Zeug gelegt und an allen Ecken und Kanten den Polierstift angesetzt. Das bemerkt man besonders stark an den vielen, phantastischen Lichteffekten. Darüber hinaus wurden natürlich auch Auflösung und Framerate zünftig nach oben geschraubt. Zwar erleben wir nicht in jedem Abenteuer die vollen und nativen 1080p, aber die nahezu konstanten 60 Frames und die mehr als gelungene optische Kur sind eine einzige Augenweide für Alt-Zocker, die Halo seit dem Start verfolgen.

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    Zwischen Original und Remake liegen Welten

     

    Als besonderes Gimmik wurde jedes Spiel mit einem „Alt vs. Neu“ Modus ausgestattet: Per Knopfdruck wechselt man on-the-fly zwischen originaler und neuer Grafik hin und her. Fast noch cooler finden wir die neuen Cutscenes, die restlos alle überarbeitet und erweitert wurden und in ihrer Gesamtheit die logische Brücke zum kommenden Halo 5: Guardians schlagen.

    Mit Halo: Combat Evolved ging der Kampf seinerzeit los, dieser Moment liegt jetzt schon stolze 15 Jahre zurück. Damals noch belächelt, mauserte sich der Shooter zu einem Titel, der nicht mehr aus der Spielewelt wegzudenken ist. Abgesehen von den grafischen Neuakzenten bemerkt der aufmerksame Zocker ein paar Anpassungen der Gegner und der Struktur. Beispielsweise sind Glasflächen jetzt zerstörbar, was früher mangels leistungsstarker Engine so nicht möglich war. Der erste Teil der Saga läuft in der Neuauflage mit 60 Frames und in Full HD.

    Die Aufarbeitung der alten Spiele wird in Halo 2 vielleicht am deutlichsten, das gleichsam mit der Collection seinen 10ten Geburtstag feiert. Auch hier ist ein Wechsel zwischen alter und neuer Grafik möglich, als Schmankerl darf obendrein auch noch der alte Soundtrack gegen eine Neuvertonung getauscht werden. Nicht nur die Musik wurde neu eingespielt, auch alle Soundclips der Waffen und Co. wurden re-sampled und re-implementiert. Die eben erwähnten neuen Zwischensequenzen sind unglaublich stark im zweiten Teil der Geschichte. Dank neuer Renderings bringen diese ein Vielfaches mehr Flair und dichte Atmosphäre rüber, wie man es noch nie erlebt hat. In einem ruhigen Moment sollte man in Halo 2 unbedingt zwischen alter und neuer Grafik wechseln, denn dann wird die Polierung noch deutlicher. Lichtpartikel, Schattenwürfe, ja sogar die Effekte der Waffen sind allesamt großartig. Man kommt fast zu dem Gedanken, dass man ein völlig anderes Spiel spielt. Nur die Levelstruktur und die Story halten den Spieler auf dem Boden der Tatsache, dass der Titel bereits 10 Jahre auf der Hüfte hat.

    Dagegen ist Halo 3 relativ unspektakulär geblieben. Das heißt nicht, dass der Titel schlecht aussieht, im Gegenteil sogar. Aber die Aufhübschungen machen sich hier nicht so stark bemerkbar, wie in Teil 1 und 2. Mit 60 Frames in 1080p läuft die dritte Phase ebenfalls mehr als rund. Ein ganz ähnliches Bild liefert Halo 4 ab. Auch hier bemerkt man die deutliche Aufarbeitung in Optik und Technik, aber der große Quantensprung bleibt aus. Das liegt auch einfach in der Natur der Dinge, denn Halo 3 und besonders Halo 4 sahen schon auf der alten Konsolengeneration sehr schick aus.

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    Aus dem Menü heraus kann jede einzelne Mission direkt frei ausgewählt werden

     

    Für Mitte Dezember ist der Start zu „Spartan Ops“ geplant, das dann in Halo 4 Einzug halten wird. 10 Episoden lang darf sich im Koop oder im Soloplay in kleines Stelldichein gegeben werden. Ebenfalls nachgeliefert wird die Halo 5: Guardians Multiplayer Beta, die zum Zeitpunkt unseres Tests noch nicht zugänglich war. Käufer der Halo: The Master Chief Collection erhalten ab dem 29. Dezember, also pünktlich zur nachweihnachtlichen Chillsaison auf der Couch den Zugang zur Beta des Multiplayers und dürfen einen ersten Blick erhaschen, was uns in Teil 5 erwarten wird. Guardians ist damit auch zeitgleich der erste Halo-Titel, der exklusiv für Xbox One entwickelt wird.

    Halo: Nightfall ist ebenfalls auf der Disc enthalten. Die Miniserie rund um Agent Locke, der uns in Halo 5: Guardians begegnen wird, wurde im November gestartet und läuft als Fünfteiler über die Mattscheibe. Unter der Regie von Ridley Scott verknüpft die Serie die Ereignisse bisheriger Halo Spiele mit denen, die uns in Halo 5: Guardians erwarten. Die Halo App ist eine nette Beigabe und wird wohl in zukünftigen Abenteuern der Serie eine Rolle spielen. Darüber hinaus bietet die interaktive App eine farbenfrohe und inhaltsschwere Enzyklopädie des Spieleuniversums. Ihr verpasst keine News, kein Live-Event und keine Ankündigung rund um den Master Chief mehr. Sehr praktisch ist die Integration von Twitch, das natürlich auch rein auf die Halo-spezifischen Kanäle abgestimmt wurde. Schaut euch ruhig mal um, denn es warten nicht nur viele Infos auf euch, es werden auch eine ganze Reihe an Errungenschaften und Items in der App freigeschaltet. Mit Achivements geizt man sowiso nicht, wie ein Blick in die Liste offenbart. Wer jede einzelne Errungenschaft der Collection freispielt, landet im Endeffekt auf einem Gamerscore von sagenhaften 4000 Punkten.

    Der aufmerksame Leser wird sich jetzt fragen, welche Mehrspielererfahrungen in der Halo: The Master Chief Collection stecken. Kurz: Die ganze Dröhnung natürlich. Mit bis zu 4 Spielern darf sich – und jetzt haltet euch fest – auf 100 Karten ausgetobt werden. Nochmal zum Mitschreiben: EIN-HUN-DERT Maps. Halo 1 und 2 sind im kooperativen Multiplayer zu zweit spielbar, wogegen Halo 3 und 4 auch zu viert taugen. Bei Halo 1 setzen die Entwickler auf die bewährten Maps im alten Look. Halo 2 ist da schon etwas flexibler, denn neben den klassischen Karten gibt es auch einen weiteren Kartensatz, der neue und extra für die Xbox One überarbeitete Spielflächen mit sich bringt. Packt euch einfach einen der vielfältigen Modi und eine Karte aus dem riesigen Pool und hinein ins Vergnügen mit bis zu 16 Spielern weltweit. Und das alles in audio-visueller Überarbeitung, herrlich. Wir übertreiben an dieser Stelle in keinster Weise, wenn wir behaupten, dass die Möglichkeiten enorm sind. Deathmatch, Capture The Flag, Time Limit sind nur drei prominente und gern gespielte Varianten. Besitzer der Collection können obendrein jedem Call of Duty Fan dieser Welt eine lange Nase machen. Der Multiplayer läuft nämlich über Dedizierte Server! Kein Host Bonus, keine langen Warteschleifen, einfach starten und loslegen. Einziger Wehrmutstropfen ist, dass der komplette Multiplayer per Download nachinstalliert werden muss. Bei der Menge an Inhalt ist der DLC auf stolze 15 GB gewachsen. Plant also eure Multiplayerschlacht erst frühestens für den Tag nach dem Kauf.

    Auch am besten Spiel findet man etwas zu meckern. Im Falle der Halo: The Master Chief Collection ist das teilweise Meckern auf dem vielzitierten hohen Niveau, teilweise aber auch im Essentiellen. So stellten wir in Halo: Combat Evolved gleich mehrfach einen kurzen Einbruch der Framerate fest. Nichts, was man nicht verschmerzen könnte, aber es waren eine Hand voll Stellen, an denen das Geschehen auf dem Bildschirm kurz in die Knie sackte. Auch gelegentliche Mikroruckler in den ansonsten so schicken neuen Cutscenes waren spürbar und haben dem Gesamtwerk einen Hauch an Dichte genommen. Der größte Knackpunkt aber ist der technische Einbruch im Koop, besonders in Halo 1 und 2. Vermutlich (aber das ist reine Spekulation) liegt es daran, dass das Spiel zeitgleich doppelt berechnet wird für die alte und die neue Spielegrafik, die ja wie erwähnt direkt im Spiel geswitcht werden darf. Im Koop wird daher wohl der Xbox One etwas zu viel an Rechenleistung abverlangt, was sich in einem deutlichen Nachladen von Texturen oder aber eben in Rucklern und Einbrüchen der Framerate bemerkbar macht.

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    Man sieht ihm sein Alter kaum an

     

    Fazit

    Was soll man nach solch einem Hammer eigentlich noch als Fazit schreiben? Kauft euch die Halo: The Master Chief Collection, wenn ihr noch nie ein Halo gespielt habt und eine Xbox One besitzt. Kauft euch die Halo: The Master Chief Collection, wenn ihr Fan vom Master Chief seid und ihn nochmal in all seiner Pracht erleben wollt. Ach was sage ich, so schön habt ihr noch kein Halo erlebt! Einzig die technischen Probleme in Koop und Multiplayer kratzen ein klein wenig am Spaßfaktor. Sobald hier die nötigen Patches nachgereicht wurden, teilweise wurden sie bereits schon ausgeliefert, ja spätestens dann ist die Sammlung ein absolutes Muss für jeden Besitzer der Xbox One.

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    Christoph
    Kind der 70er. Seit '84 Musiker, seit '85 Hobby-Jedi, seit '86 Zocker und seit 2011 hier Redakteur