FIFA 21 – Test

    Während die Fußballligen weltweit mit den Auswirkungen der Corona Pandemie kämpfen, können wir daheim ganz kontaktlos dem gepflegten Kick in FIFA 21 frönen. Wie sich der virtuelle Ball in diesem Jahr spielt, das könnt ihr hier in unserem Test erfahren.

    Für diesen Test spielten wir FIFA 21 auf Playstation 4

     

    Buschi an Wolfi

    Eine Grundfrage beim Erscheinen des neuen FIFAs ist immer, was es an Neuerungen gibt. Ist es mehr ein Update zum Vorjahr oder gibt es handfeste Dinge, die neu ins Spiel einflossen? EA hat für FIFA 21 etliche Details angepasst und hier und da am Feintuning justiert. Im Grunde gibt es das Momentum auch genau so her, denn wenn man sich an den letzten Konsolensprung von Xbox 360 auf One bzw. PS3 auf PS4 erinnert, dann haben wir es jetzt mit genau der gleichen Situation zu tun. Es ist eine Art Vorbereitung auf die nächste Generation, die den Entwicklern deutlich mehr Potential zur Verfügung stellen wird.

    Sehr verlässlich ist die Präsentation des Spiels, hier lässt man nichts anbrennen. Gleich zum Start wird man mit Pauken und Trompeten empfangen, während sich die Spitzenclubs PSG und Liverpool auf den Rasen begeben. Und wenn dann noch die CL-Hymne erklingt, das Publikum tobt und der Schiedsrichter die Partie anpfeift, dann weiß man, dass man mittendrin in etwas Großem ist.

    Die Spiele werden in diesem Jahr übrigens von den beiden Urgesteinen Wolff Fuß und Frank „Buschi“ Buschmann kommentiert. Bestens bekannt durch Sky werden die beiden Herren durch Esther Sedlaczek unterstützt, die sich zwischendurch immer mal wieder vom Seitenrand einblendet. Die eingespielten Kommentare passen weitestgehend immer, bieten aber im Vergleich zum Vorgänger kaum neue Sprüche. Wobei es beim Fußball ja auch irgendwo Sinn macht, denn wohl nirgends wird mehr gefloskelt, als beim Rasensport.

    Das Runde muss ins Eckige

    Entscheidens ist, was auf dem Platz passiert und hier bemerkt man eben am deutlichsten das oben genannte Feintuning. Die Bewegungsabläuft, Pässe und Dribblings kennt man natürlich bereits alle zu genüge. Alle Aktionen wirken in FIFA 21 noch ein klein wenig runder und flüssiger, verglichen mit dem letztjährigen Teil der Serie. Neu dabei ist der „kreative Lauf“, wodurch wir mit dem rechten Stick des Controllers den Laufweg eines Mitspielers festlegen können. Hiermit kann man wunderbare Doppelpässe oder Sprints hinter die Abwehrlinie erzielen, die dem realen Sport schon sehr nahe kommen. Allerdings muss man diese Läufe üben, sie gehen nicht all zu leicht von der Hand. Aber genau das unterscheidet eben den Gelegenheitsspieler vom Profizocker und wer seine Fingerchen fleißig trainiert, der wird mit großartigen Momenten belohnt. Das kann man machen, muss man aber natürlich nicht. Auch normale Pässe und Flanken funktionieren per Knopfdruck, nur lassen diese dann eben weniger Vielfältigkeit zu.

    Das Spieltempo wirkt insgesamt eine Spur langsamer, ohne jedoch wirklich langsam zu sein. Dennoch haben wir das Gefühl, dass wir etwas mehr Zeit genehmigt bekommen, um einen besseren Überblick zu unseren Mitspielern erhaschen zu können. Die KI ist in der Defensive weniger selbstständig und erfordert mehr Aufmerksamkeit. Im Gegenzug erstaunt die Offensive mit erstaunlicher Effektivität. Es ist keine Seltenheit, dass selbst in kurzen Partien 5 oder mehr Tore fallen. Dribblings im Strafraum, Kopfbälle nach Flanken und selbst Distanzschüsse landen oft im Tor und eröffnen viel Varianz im Offensivspiel. Die Torflut hat jedoch auch einen Nachteil: Nach einem Dutzend Spielen ist die Freude ob des Torregens dann leider schnell erloschen und ein grandioser 6:0 Erfolg fühlt sich irgendwie nicht mehr so bombastisch an.

    Einzelspiel, Karriere und mehr

    Den im vergangenen Jahr eingeführte Volta Modus findet ihr auch in FIFA 21, allerdings in etwas abgespeckter Form. Rechnet mit gut 2h Unterhaltung, viel mehr wird euch hier nicht geboten.

    Anders sieht es da schon beim Karrieremodus aus, der in diesem Jahr deutlich besser daher kommt. Cool finden wir die Spielsimulation aus der Vogelperspektive, die an einen klassischen Manager erinnert. Auf Wunsch kann man sogar per Knopfdruck mitten rein ins Geschehen wechseln und dann die Kontrolle übers Spiel übernehmen. Zwischen den Matches geht es dann in den Trainingsbereich, wo man mittlerweile auch gezielte Skills auf- und ausbauen darf. Selbst eine ganz andere Spielerposition kann man auf diese Art erarbeiten.

     

    FUT – Pay-To-Win oder doch mehr?

    FIFA war und ist auch immer ein Spiegelbild dessen, was im realen Leben auf den Plätzen passiert. Gerade die letzten Jahre vergrößerte sich der Gap zwischen Dominanzclubs (bei uns in Deutschland in erster Instanz der FC Bayern München) und all denen, die mit deutlich weniger Mitteln um den Klassenerhalt bangen. Betrachtet man es so, herrscht auch in der Bundesliga das Prinzip des Pay-To-Win und da ist er, der Spiegel zum Spiel. Während sich in den Ligen die Topclubs, zumindest vor Corona, relativ wenig Gedanken um Spielergehälter, Ablösesummen und Co. machen mussten, gilt gleiches Prinzip auch in FIFA 21. Wer genügend Kohle hat, der kann sich damit problemlos 11 Kicker auf den Platz zaubern, die zur creme de la creme des Fußballs zählen.

    Im Grunde muss man nur genügend Echtgeld in Lootboxen bzw. hier eben Kartenpacks stecken und früher oder später hat man dann genügend potente Kicker mit Werten jenseits der 90. Das kann man mögen, muss man aber eben nicht und EA führt hierbei eine schmale Gradwanderung durch. In einigen Ländern fallen besagte Mechaniken mittlerweile ins Glücksspielgesetz oder wurden gar verboten. Andererseits feiern sich betuchte Jugendliche im Netz, wie sie drei- oder gar vierstellige Summen bereits ins Spiel investiert haben und jubeln pseudohaft, wenn Ronaldo oder Messi im Kartenpack auftauchen. Wie auch immer man zu FUT steht, es hinterlässt mindestens einen faden Beigeschmack.

    Fazit

    FIFA 21 spielt sich wie ein mehr oder minder großes Update des Vorgängers. Spieler wurden angepasst, die Teams mit entsprechenden Wertungen spiegeln die aktuellen Kader der Vereine wider. Auch spielerisch gibt es ein paar neue Finessen, die sich nüchtern betrachtet in Grenzen halten. Was nicht heißen soll, dass sie nicht sinnvoll wären. Gerade beim ohnehin kritisch zu betrachtenden FUT fallen die nervigen Fitnesskarten weg, was allein für sich genommen schon ein großer Fortschritt ist. FIFA 21 ist ein Spektakel auf dem Platz, das rundum viel Spaß macht. Der ganz große Wurf ist es allerdings nicht und so muss jeder für sich die Frage beantworten, ob ihm aktuelle Kader und ein paar marginale Veränderungen den Vollpreis wert ist.

    Lobend möchten wir noch abschließend erwähnwenige neue Featuresen, dass Käufer von FIFA 21 ein kostenloses Next-Gen-Upgrade auf Xbox Series X und/oder Playstation 5 spendiert bekommen.

     

    Christoph
    Kind der 70er. Seit '84 Musiker, seit '85 Hobby-Jedi, seit '86 Zocker und seit 2011 hier Redakteur