Vampyr – Test / Review

    Noch vor der Jahrtausendwende waren Vampire das große Ding. Das die Kreaturen der Nacht vor den Zombies im Trend waren, hatte man wahrscheinlich Filmen, wie Balde, John Carpenter’s Vampire oder Alucard aus Hellsing zu verdanken. Durch eine furchtbare Filmreihe, welche sich auf fünf Teile erstreckt, wurden Vampire in das Lächerliche gezogen. Von nun an waren Vampire nicht mehr cool, sondern die neuen Glitzerfeen für Mädels. Vampyr könnte den guten finsteren Ruf der Vampire wiederherstellen und zu neuem Rum verhelfen. Im Fokus des Spieles sollen Atmosphäre und Handlung die tragende Rolle spielen.

    Über Vampyr

    In Vampyr spielen wir den erfolgreichen Chirurgen Dr. Jonathan Reid, der in einer Londoner Nacht aufwacht und nicht mehr Herr seiner Sinne ist. Getrieben und blind vom Blutdurst stürzt er sich auf sein erstes Opfer, welches, wie sich herausstellt, seine eigene Schwester ist. Auf der Flucht vor Vampirjägern sucht der Vampir-Doktor für das Erste eine sichere Bleibe.

    Von nun an ist es an Dr. Jonathan Reid herauszufinden, was mit ihm passiert ist. Wie er kurzerhand erfährt, ist er nicht alleine damit betroffen, ein Vampir geworden zu sein. Erschwerend kommt hinzu, dass eine Grippewelle London überfällt und die Stadt damit komplett überfordert ist. Unser Vampir hat also nun neben der Aufgabe zu ergründen, was mit ihm passiert ist, auch seinen Pflichten als Arzt nachzukommen. Fortan ist es an ihm mit Gesprächen Beziehungen zu den Einwohnern und Patienten aufzubauen. Diese helfen ihn nicht nur bei seiner Arbeit, sondern helfen auch, das Wohl der Stadt aufrecht zu halten.

    Wenn die vier Stadtteile durch unser Verlangen nach Blut instabil werden, so sinkt die Hoffnung der Bürger und die Stadt in Chaos. So können wir zwar mit den vielen ausgesaugten Personen unsere Fähigkeiten verbessern und sehr stark werden, nur müssen wir uns auf mehrere Kämpfe gegen finstere Kreaturen und Vampirjäger einstellen, sowie das Missvertrauen der Menschen, die für uns wichtige Informationen bereithalten. Das Spiel selbst versichert euch, dass das Spielgefühl einfacher wird, umso mehr Einwohner wir aussaugen, aber uns stets unseren Handlungen sicher sein sollten.

    Die Einleitung des Spieles verhindert zum Glück die falschen Entscheidungen zu treffen oder ein Verskillen! So müsst ihr eine Person zu einer gewissen Stufe überzeugen euch zu folgen, um sie aussaugen zu können. Seid ihr bei Stufe 2 bei einem NPC und die vorgegebene Stufe zum Aussaugen ist 5, so habt ihr keine Wahl als in Aufgaben und Gespräche euch diese Stufe aufzubauen. Außerdem ist es nicht verkehrt, die Gespräche zu den NPC’s mehrmals aufzusuchen. Umso mehr ihr über sie herausfindet, desto mehr zeigt sich Dr. Reid’s Vorteil als Blutspezialist. Mit jedem Detail über die Person steigt der Wert des Blutes und die Erfahrungspunkte, die per Biss gewonnen werden können. Wichtige Protagonisten liegen schon am Anfang im Tausenderbereich, hier wird die Entscheidung einem besonders schwer.

    Gameplay

    Vampyr bietet eine dichte Atmosphäre im London 1918. Die Spielewelt ist Semi-Open-World. Die vier Stadtteile können zwar frei erkundet werden, doch sind mit langen Ladezeiten voneinander getrennt. Da wir auch Vampir-typisch nur nachts unterwegs sind und in der Stadt ohnehin die Angst herrscht vor einem Massenmörder bekommen wir nur wenigen Menschen zu Gesicht. So wirkt die Stadt weitestgehend menschenleer und lieblos. Der einzige Menschenkontakt, der auf der Reise von Stadtteil zu Stadtteil aufkommt, sind die Vampirjäger, die nach eurem Leben trachten. Die Menge dieser Gegner und Kreaturen fällt je nach Wohl des Stadtteils größer und kleiner aus.

    Hat man euch entdeckt, kommt es zu einer Auseinandersetzung und zu einem größeren Problem des Spieles – die Steuerung. Diese ist nämlich ziemlich sperrig und eine Eingewöhnung kommt auch nicht auf. Zum Verteidigen bietet Vampyr Waffen für die linke und rechte Hand oder sogar Zweihand-Waffen. Diese unterscheiden sich von Stumpfen-, Scharfen-, und Feuerwaffen. Eine bunte Mischung ist für einen Sieg essenziell entscheidend, da einige NPC’s resistent gegen bestimmte Waffentypen sind. Als Bonus haben wir noch unsere Vampir-Fähigkeiten zur Verfügung. Mit diesen können wir uns auch zur Wehr setzen. Ob wir unser Opfer Blutentziehen oder mit Blutklauen verletzen, hängt ganz davon ab, für welche Fähigkeiten wir uns vorab entschieden haben. Einige passive Fähigkeiten lassen den Gegner beispielsweise beim Aussagen länger gelähmt, da beim Einsetzen für kurze Zeit das Blut gerinnt. Die taktische Komponente ist der beste Freund in einem Kampfsystem, welches mehr schlecht als recht ist.

    Um von Stadt zu Stadt zu gelangen, ist es wichtig, die richtigen Fähigkeiten gelernt zu haben. Um diese aufzubauen, muss Dr. Jonathan Reid eins seiner Unterschlupfe aufsuchen, welche in der ganzen Stadt verteilt sind. In den eigenen vier Wänden habt ihr die Möglichkeit Heilmittel für die Bewohner zu erstellen und eure Waffen zu verbessern. Kurz vor dem Schlafen gehen hat man die Möglichkeit seine gesammelten Blut-EP in Talente umzuwandeln, die einen echten Vampir ausmachen. Solltet ihr euch mal verskillt haben, ist das kein Problem, da das Spiel ein Zurücksetzen der Blut-EP möglich macht. Seit jedoch sparsam mit euren Bettbesuchen. Jedes Mal, wenn die Fähigkeiten verbessert werden, legt sich unser Vampir Doctor schlafen und es vergeht ein Tag. In dieser Zeit kann viel passieren, wie das Ableben eines Patienten, die in jener Nacht keine Hilfe bekamen.

    Eine tiefere Gameplay-Mechanik rollt auf durch das detektivische Element, wie dem Untersuchen von Leichen oder Tatorten. Wer gründlich ist, schaltet neuen Gesprächsoptionen frei, welche wiederum andere Gesprächsoptionen zu anderen Personen freischaltet. Da auch viele NPC’s miteinander verbunden sind, kommt es zu öfteren Gesprächen mit denselben Figuren.

    Fazit

    Es mag vielleicht daran liegen, dass ich übersättigt bin von den Zombies, aber das Spiel über einen Vampir-Doktor im alten England hat mich schlagartig abgeholt. Als dialogreiches Spiel, das viel Wert auf die Emotionen und Beweggründe der Personen legt, hat Vampyr die richtigen Ansätze gefunden und als emotional mitreißende Vampir Geschichte umgesetzt. Die Bürger wirken durch ihre persönliche Geschichte und den britischen Dialekt lebendig und echt. Leider holen fehlende Interaktionen innerhalb der vier Stadtteile einen aus der Welt von Vampyr. Zwar ist es durch die Angst vor den Kreaturen und Mördern plausibel erklärt, dass wir kaum Leute außerhalb von Gebäuden zu Gesicht bekommen, doch ein wenig mehr Trubel und begehbare Geschäfte hätte dem Spiel gutgetan.

    Die Ladezeiten zwischen den Stadtteilen machen nur noch deutlicher, dass wir es mit einem Semi-Open-World Spiel zu tun haben. Den größten Kritikpunkt hat sich wohl das sperrige Kampfsystem verdient. Es war keine Seltenheit, dass ich durch das Festlegen des Zieles und der Steuerung bestimmte Abschnitte zweimal probieren musste. Manchmal wurde eine Attacke nicht ausgeführt oder in die falsche Richtung. Andere Male konnten die Vampirjäger pausenlose Attacken bis zu meinem Tod hinlegen. Mit den zusätzlichen Major-Bugs und das T-Posing der Figuren wird einem zusätzlich die Illusion genommen.

    Ein schwerwiegender Bug verhinderte letztlich das Vorankommen im Spiel. Bekannt unter dem Namen: „Blackmail in Whitechapel Quest Bug“, sollte nach einem Gespräch über eine Ärztin mit Darius Petrescu eine Cutscene folgen, welche nicht ausgelöst wurde. Hinter dem Zaun sah man Ihn immer wiederholt zur Türklinge greifen. Somit waren ca. 4 Spielstunden für die Katz und die Motivation für einen Neustart fehlte. Positiv in Erinnerung sind mir kleine Feinheiten geblieben. Zum Beispiel sieht man nur seine Kleidung schweben, wenn man vor dem Spiegel steht, da Vampire kein Spiegelbild haben. An dieser Stelle überlasse ich euch die Entscheidung, ob Vampyr für euch eine Anschaffung wert ist. Ich kann nur hoffen, dass demnächst mit Patches die größten Fehler behoben werden.

    *Getestet wurde die Xbox One Version auf Xbox One X.