UnEpic – Test / Review

    Unser Wertungssystem ist zur Zeit defekt. Die eigentliche Total-Wertung beträgt 70%!

    Solltet ihr eine Playstation Vita besitzen und endlich mal wieder nach einem gescheiten Spiel für unterwegs Ausschau halten, dann hätten wir da einen Vorschlag. UnEpic hatte kürzlich den Sprung auf Sonys portable Konsole geschafft und wie das gelang, könnt ihr hier in unserem Test erfahren.

    Es ist schon ein paar Monate her, dass ich UnEpic durchgespielt habe. UnEpic, dieser Mix aus Sicescrolling und RPG, aus Metroid und Castlevania, weshalb dieses Genre mittlerweile auch gerne als Metroidvania tituliert wird. Nachdem das Spiel aus der Hand von Francisco Téllez de Meneses schon eine ganze Weile für PC, Mac und Wii U erhältlich ist, erschien UnEpic erst kürzlich auf der Playstation Vita.

    Und schon nach wenigen Spielminuten wurde mir plötzlich wieder klar, dass UnEpic ein zweischneidiges Schwert ist. Die scharfe (gute) Seite spiegelt dabei das Gameplay wieder, während die stumpfe (blöde) Seite ganz das Geplänkel der Rahmenstory und der Dialoge betrifft.

    Los geht es zunächst noch ganz human. Da sitzt unser Protagonist in einer geselligen Runde und die Jungs spielen gemeinsam ein Pen & Papger Rollenspiel. Während die Mitspieler fleißig ihre W20 kreiseln lassen, muss unsere Hauptperson für kleine Jungs. Und plötzlich findet er sich selbst in seinem eigenen Rollenspiel wieder. Vom Klo in den Dungeon, na wenn das mal keine steile Karriere ist…

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    Angezündete Kerzen helfen uns bei der Orientierung.

     

    Das Problem an dieser Geschichte breitet sich erst in der ersten Stunde so richtig aus, denn spätestens dann, wenn eine finstere Schattengestalt plötzlich in unser Ego schlüpft und dann permanent mit sich selbst und uns Dialoge abspult, dann wird UnEpic etwas anstrengend. Ja, das Spiel versucht geschickt kleine Anspielungen auf andere Videospiele einzuflechten oder mit Humor zu glänzen, aber das gelingt eben nur bedingt. Viele, ich wage zu behaupten die meisten, der textlichen Einspieler klingen einfach viel zu gekünzelt. Außerdem hat man das Gefühl, dass der Entwickler aber auch wirklich alles daran gesetzt hat, bloß keinen Kult-Charakter der 80er und 90er Jahre auszulassen. Von Indiana Jones bis Simon Belmont (Castlevania) ist jedenfalls so ziemlich alles und jeder vertreten, der Rang und Namen hat.

    Außerdem macht die deutsche Textübersetzung etliche Witzchen kaputt bzw. entschärft ihren Humor. Mein persönlicher Favorit im negativen Sinne  ist eine Szene, in der am unteren Bildschirmende die Zeilen „Schlange? Schlange! Schlaaaange!“ eingeblendet wird. Viel dämlicher kann man den running Gag aus Metal Gear Solid, der im Original „Snake? Snake! Snaaaake!“ lautet nicht verhunzen.  Ein Glück, dass UnEpic über keinerlei Vertonung verfügt. Nicht auszudenken, wie schrecklich diese geworden wäre.

    Viel besser ist es da, wenn man sich rein auf das Spiel fokussiert. Dann nämlich erhält man im Grunde ein recht knackiges RPG, in dem man sich aus der Seitenansicht durch Räume bewegt und dabei immer neue Wege in einem riesigen Schloss offenlegt. Erkundung ist hier ein großer Faktor und zum Glück ist die Übersichtskarte nur einen Buttendruck weit entfernt, denn ohne diese wäre man nach wenigen Stunden Spielzeit ziemlich verloren. Sie bietet nicht nur eine Übersicht über die bereits erkundeten Orte, sondern zeigt auch alle Wegmöglichkeiten an und markiert alle bereits gefundenen Händler, Geschäfte und Portale.

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    Das Inventar wirkt nur beim ersten Blick überladen.

     

    Natürlich wimmelt es in diesem Schloss nur so von Feinden. UnEpic zeigt hier seine Handschrift als Rollenspiel, denn je nach Feindart muss man gezielt auf eine Waffenklasse switchen, um effektive Treffer zu landen. Schwer gepanzerten Kämpfern kann eine schrafe Klinge kaum Hitpoints abziehen, während stumpfe Hauwaffen hier wahre Wunder verrichten. Umgekehrt ist es bei ungepanzerten Kreaturen, bei denen natürlich ein gezielter Hieb mit dem Schwert schnell ihr Ende bedeutet. Weiterhin gibt es Pfeil und Bogen, um natürlich auch die Gemüter der Fernkämpfer zu beruhigen. Ergänzt wird das ganze dann noch durch Speere, Äxte und sonstige Kloppgegenstände. Neben den Waffen finden wir später dann auch bessere Kleidungsstücke und Rüstungsteile, während wir mit Tränken unsere HP regenerieren oder uns sonstige temporäre Boni gönnen.

    Damit der Spielfluss bestehen bleibt, haben die Entwickler die Buttonbelegung ziemlich clever gemeistert. UnEpic benötigt kein Pausieren des Spiels, um beispielsweise mal kurz vom Bogen aufs Schwert zu wechseln. Viel mehr kann man im Charaktermenü diverse Shortcuts erstellen, die sich dann direkt im Spiel abrufen lassen. Die Schultertasten in Kombination mit den rechten Aktionsbuttons sind hier das Rezept. Durch die freie Belegungs lassen sich so bis zu 12 Objekte ablegen und on demand dann wieder abrufen. Und genau das macht UnEpic zu einem flotten Spiel für Zwischendurch, wobei das Spiel selbst ein eher gemächliches Tempo anschlägt.

    Im späteren Verlauf findet man natürlich nicht nur neue Räume, Abzweigungen und Gegner, sondern auch ziemlich mächtige Waffen und Rüstungen. Profis kommen ab einem gewissen Punkt in den Genuss, selbst Tränke brauen zu dürfen. Noch spannender ist der Einsatz von magischen Angriffen, die besonders bei den Bosskämpfen zum Tragen kommen. All diese neuen Items und Ausrüstungen sind auch bitter nötig, denn UnEpic schlägt vom Start weg einen recht zünftigen Schweregrad an. Wer hier einfach mal drauf los rennt, der wird nicht lange unter den Lebenden wandeln, denn dafür verschlingen feindliche Treffer zu viele Hitpoints.

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    Ach ja: Zwischenbosse stehen natürlich auch an.

     

    Fazit

    Wären da nicht diese aufgesetzen Dialoge, dann wäre UnEpic ein ziemlich cooles Spiel. Durch die Speicherpunkte im Spiel und dem flotten Voranschreiten eigentlich sogar sehr cool für unterwegs. Aber sie sind nunmal eben mit drin, diese halbgaren Späßchen, die nur all zu oft überhaupt nicht zünden. Die einzige Abhilfe ist also das Überspringen der Dialoge und schon erhält man ein sehr unterhaltsames, wenn auch sehr seichtes, RPG im Sicescroll-Look. Schlussendlich wird UnEpic aber durch keinen Faktor aus der Masse herausstechen, dafür ist das Spiel einfach zu generisch. Und dennoch ist UnEpic auf seine Weise ssehr unterhaltsam und kann sehr entspannt einige Abende füllen. In seiner digitalen Form kann man Besitzern einer Vita, die nach neuem Futter hungern, UnEpic getrost weiterempfehlen.

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    Christoph
    Kind der 70er. Seit '84 Musiker, seit '85 Hobby-Jedi, seit '86 Zocker und seit 2011 hier Redakteur