Tristoy – Test / Review

    Während sich heutzutage fast jedes neue Spiel an einem mehr oder weniger gelungenen Multiplayer-Modus erfreuen darf, konnten reine Koop-Games erst in letzter Zeit einen kleinen Aufschwung verbuchen. Aus diesem Grund waren wir besonders gespannt auf Tristoy, ein Indie-Titel mit obligatorischem Koop-Modus, welcher als Story-bezogener 2D-Platformer beworben wird. Wir haben uns einen Freund geschnappt und für euch getestet, ob das Spiel wirklich hält, was es verspricht:

    Your Princess is in Another Castle…

    Die Story von Tristoy mag einem auf den ersten Blick etwas stereotypisch vorkommen: Ziel ist es eine Prinzessin in Not zu retten. Zugegeben, sie wurde nicht von einer übergroßen Schildkröte in ein majestätisches Schloss entführt, sondern von einer bösartigen Hexe in das modernde, mit Leichen und Skeletten gefüllte und noch dazu namensgebende Gefängnis Tristoy; nichtsdestotrotz ist die Hauptstoryline auf den ersten Blick nicht unbedingt etwas Neues. Zum Glück trügt hier der Anschein, denn die Geschichte wurde nicht nur mit zwei genialen und unterhaltsamen Protagonisten gefüllt, sondern wartet außerdem auch mit unterhaltsamen Dialogen, spannenden Wendungen und interessanten Nebencharakteren auf.

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    Die Gespräche mit den NPCs sind einige der lustigsten Stellen im Spiel!

    Doch kommen wir zuerst zu den beiden Hauptcharakteren: Hier handelt es sich um den jungen (und zeitweise nervtötenden) Prinzen Freedan und den mysteriösen Zauberer Stayn, der sich, aufgrund einiger unglücklicher Wendungen in seinem Leben, zur Zeit ihrer Begegnung als Geist durch Tristoy schlägt. Die Dynamik zwischen den beiden Helden funktioniert perfekt und ihren Dialogen zuzuhören sorgt für einiges an Unterhaltung. Noch besser wird das Ganze dadurch, dass die beiden Spieler meist jeweils selbst bestimmen können, wie der von ihnen gesteuerte Charakter sich verhalten und was er sagen soll. Dazu wirken sich diese Auswahlmöglichkeiten meist sogar auf den Verlauf der Geschichte und die Vergangenheit des ungleichen Paares aus. Das führt nicht selten zu einigen lustigen Unstimmigkeiten zwischen den Spielern selbst, denn mit der Zeit fiebert man mit seinem eigenen Helden mit, der nicht immer das Beste für den jeweils anderen wünscht.

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    An den großzügig verteilten Statuen kann gespeichert werden – praktisch, wenn Freedan wie hier in eine Falle springt.

    Je nachdem, wie oft man optionale Dialoge hält, kann man außerdem mehr oder weniger über die Hintergrundgeschichte zum Vorschein bringen, vorausgesetzt der Mitspieler kooperiert. Mehr über die Handlung verraten wollen wir an dieser Stelle allerdings nicht, denn sie ist mit etwa drei bis vier Stunden Spielzeit doch relativ überschaubar und sie schon im Voraus zu kennen, würde den Spielspaß und Überraschungsmoment unnötig trüben.

    Zusammenarbeit ist alles!

    Das ist eindeutig das Motto des Spiels. Ohne zu kooperieren gibt es in Tristoy kein Weiterkommen, sei es zum Überqueren von Schluchten, Öffnen von Türen oder im Gespräch mit den vielen großartig gestalteten NPCs. Prinz Freedan und Stayn verfügen jeweils über ihre eigenen einzigartigen Fähigkeiten und teilen sich noch dazu ihre Leben. Da gilt es seinem Partner, wie unsympathisch er einem auch erscheinen mag, stets mit helfender Hand zur Seite zu stehen und Gegner, Rätsel und Fallen gemeinsam zu überwinden.
    Während Bossgegner, Puzzles und einige ‚Renn-um-dein-Leben‘-Abschnitte für Abwechslung und kleine Herausforderungen sorgen, ist das Spiel was den Schwierigkeitsgrad betrifft die meiste Zeit leider sehr einfach und die sich wiederholenden Rätsel und Aufgaben nach einiger Zeit etwas langwierig.

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    Hier müssen Freedan und Stayn gemeinsam um ihr Leben rennen!

    Hier wäre es schön gewesen, das Ganze etwas schwieriger zu gestalten, was mit der ansonsten simplen, aber soliden Spielmechanik bestimmt kein Problem dargestellt hätte.
    Einen weiteren Frustfaktor gibt es dann doch noch, denn an manchen Stellen ist nicht absehbar, dass beispielsweise der Boden im Vordergrund aufhört oder es sich bei einem Objekt um eine sich auf der gleichen Ebene befindliche Flamme handelt, und man stürzt schon mal grundlos in den Tod oder verbrennt urplötzlich. Ansonsten ist das Gameplay überaus angenehm gestaltet, die Anzahl an Fähigkeiten ist sehr übersichtlich und die Steuerung ist in wenigen Minuten erlernt.

    Sieht aus wie früher.

    Über die Grafik und den Sound des Spiels gibt es nicht viel zu sagen: Beide passen perfekt zur gewünschten Atmosphäre, und auch wenn das Design einiger Charaktere manchmal etwas kantig wirkt, waren wir vom Gesamteindruck vollends überzeugt. Der Stil erinnert uns an den ein oder anderen Platformer von früher, was in diesem Fall einen nostalgischen Pluspunkt darstellt.
    Ein besonderes Lob verdient hier übrigens auch die Vertonung der Dialoge, denn diese ist für ein Indie-Spiel wie dieses wunderbar gelungen und die Charaktere können dadurch umso mehr überzeugen. Die Steuerung ist wie schon gesagt simpel, und wenn man das Spiel – wie von den Entwicklern empfohlen – zusammen an einem PC spielt, gibt es gleich eine ganze Reihe an Steuerungsmöglichkeiten. Zur Auswahl stehen hier in allen möglichen Kombinationen die klassische Steuerung mit Tastatur (auch von beiden Spielern gleichzeitig), mit Controller oder mit dem Smartphone (mit Hilfe einer kostenlosen App namens Uniplay). Wir testeten Tristoy mit zwei Controllern an einem Computer, was problemlos funktionierte.

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    Gut gelungen: Entfernt man sich zu weit von seinem Partner, geht der Bildschirm fließend in einen praktischen Splitscreen über.

    Unglücklicherweise störte uns zum Schluss doch noch eine Sache: Die erreichte Framerate während dem Spielen ist auch mit einem PC, der weit über den empfohlenen Anforderungen liegt, extrem niedrig, was teilweise doch etwas negativ auffällt.

    Fazit:

    Alles in allem ist Tristoy eines der besten Koop-Spiele, die wir bisher testen durften. Das Zusammenspiel mit dem Partner funktioniert reibungslos und die Story ist unglaublich unterhaltsam und spannend. Allerdings ist den Entwicklern wohl zuzustimmen, dass das Spiel am meisten Spaß macht, wenn man direkt neben seinem Mitspieler am PC sitzt, oder sich zumindest während des Spielens unterhalten kann. Außerdem ist die Spielzeit von nur vier Stunden zum Preis von 19,99€ doch recht gering, auch wenn man mit dem Kauf immerhin gleich zwei Keys erhält. Uniworlds Game Studios, um das Entwicklerstudio mal beim Namen zu nennen, trafen eindeutig eine sehr mutige Entscheidung damit, das Spiel ausschließlich zu zweit spielbar zu machen und völlig auf einen Singleplayer-Modus zu verzichten.
    Das hat sich gelohnt, und so sprechen wir eine klare Kaufempfehlung für jeden aus, der vom simplen Gameplay und dem niedrigen Schwierigkeitsgrad absehen kann, um stattdessen zwei grandiose Hauptcharaktere und eine interessante Story gemeinsam mit einem Freund zu erleben.

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    Kathrin Müller
    Hallo, ich heiße Kathrin und bin 23 Jahre alt. Zu Game2Gether brachte mich sowohl mein Interesse am Schreiben, als auch Begeisterung fürs Gaming. Ich bin offen für alle möglichen Spielegenres, besonders gerne spiele ich aber (Fantasy)RPGs, Puzzle-Games, Survivalspiele und Sidescroller.