Tower of Guns – Test / Review

    Tower of Guns wurde vom Schöpfer Joe Mirabello mal liebevoll als „Shooter für die Mittagspause“ bezeichnet. Dementsprechend haben wir die letzten mittaglichen Mahlzeiten ausgelassen und uns statt dessen mal hinter das Gamepad bemüht.

    Seht den Trailer und ihr wisst genau, um was es geht

    [box_light]Tower of Guns ist digital für PC, Playstation 3, Playstation 4 und Xbox One erschienen und kostet ca. 15€. Unser Test basiert auf der Spielversion für Xbox One.[/box_light]

    Eine ausgeklügelte Story für einen Shooter? Braucht kein Mensch!
    Deckungssystem? Geschenkt!
    Trefferzonen? Unnötig!

    Möchte man Tower of Guns mit wenigen Worten beschreiben, dann fällt unweigerlich ein Adjektiv wie z.B. puristisch. Das Spiel setzt auf nackte Mechanismes, die Shooter längst vergangener Tage einmal ausmachten. Im Grunde benötigt man nicht viel mehr als eine Waffe, ein paar Gegner und eine Levelstruktur. Voilà, willkommen in Tower of Guns.

    Der namensgebende Tower besteht aus mehreren Stockwerken, die jeweils mit einem Aufzug miteinander verbunden sind. Bevor man jedoch zum Lift gelangt, muss man sich vorab durch diverse Räume ballern. Das Grundprinzip bleibt dabei stets gleich: Wir betreten einen Raum, die Tür schließt sich hinter uns und um die Ausgangstür zu öffnen, müssen wir im abgegrenzen Level-Raum alle Gegner ins virtuelle Jenseits befördern. Was dabei herauskam, ist ein Shooter, der an alte Klassiker erinnert und sich mitunter ziemlich schnell spielt.

    Die größte Überlebenschance hat man, wenn man stetig in Bewegung bleibt. Die Projektile unserer Gegner sind nämlich einigermaßen langsam und lassen ausreichend Platz, um ihnen entsprechend auszuweichen. Zeit, um sich eine ausreichende Übersicht über den Raum zu verschaffen, hat man derweilen im Vorfeld nie. Sobald wir die nächste Kammer betreten ist die Tür hinter uns auch schon zu und Sekunden später fliegen uns Kugeln, Blasterschüssen oder Bomben um die Ohren.

    Der Clou dabei ist, dass Tower of Guns keine feste Levelstruktur besitzt. Viel mehr wird jeder Raum neu generiert, was natürlich jedwede Art von Langweile wegpustet. Einzig fest verankert sind Ein- und Ausgang, sowie am Ende jeder Ebene ein gesetzter Endboss. Der Rest, also Gegner, Plattformen, Schweberöhren oder Verstecke, sind mit jedem Betreten eines neuen Raumes eine Überraschung. Gleichsam wird die lose Handlung des Shooters, die ledigleich über einige wenige Texteinblendungen erfolgt, ebenso zufällig fortgesponnen.

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    Überblick haben und in Bewegung bleiben, das ist alles

    Als Neueinsteiger ist die Auswahl an Waffen und Perks, wovon jeweils genau 1 mitgeführt werden darf, sehr übersichtlich. Ledilich eine Pistole und ein Sägeblattwerfer stehen als Ballermänner parat. Die übrigen ausgegrauten Waffen müssen wir erst noch mühsam freispielen, in dem wir kleinere Zwischenziele erreichen (z.B. eine Anzahl X an speziellen Gegnern eliminieren). Gleiches gilt für die Perks, auch hier hat der Neuling nur die Wahl zwischen „Ignoriere Fallschäden“ und „Dreifachsprung“, alle weiteren werden ebenfalls Stück für Stück freigespielt.

    Um nicht zu früh ins Nirvana geschickt zu werden, lassen die Gegner ziemlich üppig Items fallen. Rote Kugeln bringen ein paar HP zurück in die Gesundheitsleiste, während blaue die Waffe langsam erstarken lassen. Beim Tod des Spielers sind diese Upgrades allerdings wieder flöten, nur die fest freigespielten Items haben Bestand und dürfen in der nächsten Partie wieder zum Einsatz kommen.

    Der Schweregrad ist mitunter ziemlich knackig, weshalb man besonders in den ersten Runden ziemlich früh ins Gras beisst. Je mehr Zeit man in den Turm investiert, desto höher ist allerdings auch die Anzahl an neuen Waffen und Perks, weshalb man in höheren Etagen den Gegnern etwas leichter ans Leder kann, als mit den Startitems. So oder so, das Spiel ist zu keinem Zeitpunkt unterfordernd und hält den Spieler permanent bei Laune bzw. in Bewegung.

    Nicht selten fühlt man sich in Tower of Guns an betagte Arenashooter im Stile von Quake 3 oder Unreal Turnament erinnert. Dazu tragen vor allen Dingen die Mehrfachsprünge, das hohe Bewegungstempo (das übrigens gesteigert werden darf) und die simple Mechanik bei. Präzision ist letztlich alles, was über Erfolg und Niederlage entscheidet.

    Uns fehlt eine essentielle Sache: Der Multiplayer. Für ein Spiel wie Tower of Guns liegt es förmlich auf der Hand, dem Game einen Mehrspielermodus zu spendieren. Es wäre so einfach gewesen und dennoch fehlt er leider gänzlich. Das ist extrem Schade, denn trotz hoher Abwechslung und noch höherem Spaßfaktor wäre ein Multiplayer-Modus das I-Tüpfelchen gewesen.

    Beim Sound muss man sich auf eine wenig abwechslungsreiche Kulisse einstellen, was so allerdings auch ziemlich gut in den Retro-Charme des Titels passt. Immerhin passt der fetzige Soundtrack gut und treibt das schnelle Spektakel in voran. Grafisch spielt Tower of Guns in einem undefinierten Steampunk Universum, was besonders dem abgefahrenen Gegnerdesign in die Karten spielt. Optisch erinnert das Shooter-Spektakel ein wenig an Borderlands, ohne jedoch dessen Klasse zu erreichen.

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    Und da soll ich durch?

     

    Fazit

    Wie man mit Tower of Guns merkt, funktionieren nackte Shooter auch noch Jahrzehnte nach ihrer goldenen Ära hervorragend. Besonders spaßig ist das zufällig generierte Prinzip der Turmarchitektur, so dass man eigentlich nie weiß, was hinter der nächsten Türe für Fallen und Gegner warten. Die vielen Sammelitems halten den Spieler geschickt bei Stange und man ist fast immer versucht, noch einen Versuch zu starten. Was eindeutig fehlt ist ein Modus für den Mehrspieler, so dass wir zwar vonen guten Gesamteindruck vom Spiel haben, aber keinen vollendeten.

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    Christoph
    Kind der 70er. Seit '84 Musiker, seit '85 Hobby-Jedi, seit '86 Zocker und seit 2011 hier Redakteur