The Elder Scrolls Online: Tamriel Unlimited – Test / Review

    Einst galten MMORPG als ausschließlich am PC spielbar. Die Menüs, die vielschichtigen Kommandos, die enorme Spielwelt und und und waren einfach zu ausufernd, um sie anständig auf eine Konsole portieren zu können. Mit der neuen Generation der Heimkonsolen hat sich dieses Bild etwas gewandelt und langsam, aber stetig, wächst die Zahl an MMOs für Couch und Gamepad. Nachdem Final Fantasy: A Realm Reborn, DC Universe und jüngst auch Neverwinter den Sprung auf die neusten Konsolen geschafft haben, versuchte sich vor wenigen Wochen ein bekanntes Schwergewicht ebenfalls am neuen Hardware-Gewässer: The Elder Scrolls Online. In der Konsolenversion zur Vollständigkeit mit dem Beinamen Tamriel Unlimited.

    Seit genau 4 Wochen spielen wir jetzt The Elder Scrolls Online, kurz TESO, und haben uns durch alle Rassen, Klassen und Fraktionen gewuselt. Trotz des immens hohen Zeitaufkommens kann unsere Review hier natürlich nicht restlos alle Aspekte des Spiels beleuchten, denn dafür ist der Umfang bei Weitem zu groß. Außerdem wird jedes MMORPG ständig erweitert und durch Patches verbessert, so dass wir uns an dieser Stelle auf einen Einblick unsererseits beschränken, der auf der aktuellen Spielerfahrung basiert. Für diese Rezension haben wir TESO auf der Xbox One gespielt.

    Auf der E3 hat Bethesda Softworks die kommenden Änderungen in TESO vorgestellt

    Vor jedem gemütlichen Zockerabend stehen drei Dinge: Der Kauf des Spiels, die Installation und eine kleine Patch-Orgie. All diese Dinge bleiben dem Spieler auch bei TESO nicht erspart, das vorweg als kleine Warnung, falls ihr euch das Spiel zulegt und kurz drauf schon mit dem Spielen loslegen wollt. Etwas Geduld ist in jedem Fall nötig, denn mittlerweile sind nach dem Day One Patch schon ein paar weitere gefolgt, die gröbere Fehler aus dem Spiel entfernen. Für die reine Downloadversion fallen gut 55 GB an Daten an, die zunächst aus dem Netz geladen werden müssen. In der Standardversion schlagen Disc- und Downloadversion mit rund 60€ zu Buche, während diverse höherwertige Versionen, etwa die Imperial Edition, einen entsprechenden Aufpreis kosten. Das war es dann aber auch mit den Kosten. TESO ist somit also irgendwo zwischen free2play und Abo-Modell anzusiedeln: Einmal gekauft, kann man jederzeit ohne zusätzliche Abos, abgesehen von Playstation Plus bzw. Xbox Gold, zocken. Zusätzlich dazu bietet das Spiel eine optionale ESO-Plus-Mitgliedschaft, die pro Monat knapp 13€ kostet. Wer diesen Zusatzdienst bucht, dem winken zusätzliche Kronen (ingame-Währung), exklusive Items und Boni auf den Charakter. Im Grunde ein Dienst also, der sich an die Ungeduldigen richtet, da mit dem ESO-Abo das Charakterleveln deutlich schneller vorangeht.

    Da TESO bereits vor rund einem Jahr für den PC erschienen ist, stellte sich uns vorab die Frage: Was wird sich zur Konsolenversion wohl ändern? Die Antwort ist simpel, denn abgesehen von der Steuerung hat sich inhaltlich rein gar nichts verändert. Beide Spielversionen sind absolut identisch und bieten also den gleichen Spielspaß.

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    Unser Khajiit mit passendem Mount – yeah!

     

    Nachdem man sich für den EU oder den US Server entschieden hat, geht es an die Charaktererstellung. Wer will, kann sich in diesem umfangreichen Editor förmlich suhlen, denn die Einstellungsmöglichkeiten sind so detailverliebt, dass man hier locker weit über eine Stunde verbringen kann. Neben den Fraktionen, Rassen und Klassen kann optisch an unserem Recken jede Kleinigeit variiert werden. Veränderungen an Stimme, Geschlecht und in erster Linie dem Aussehen sind waschechte Zeitkiller. Maximal 16 Charakter dürfen wir speichern und mit jeweils einem dann zu Felde ziehen. Tut euch selbst einen Gefallen und experimentiert besonders am Anfang mit unterschiedlichen Klassen. Die verschiedenen Figuren spielen sich nämlich zum Teil extremst unterschiedlich und nur durch Ausprobieren kann man herausfinden, welcher Spielstil einem liegt. Wir haben uns im Verlauf des Spiels ziemlich gut mit dem Templer angefreundet, der die Rolle eines Paladiens einnimmt. Ja, wir wissen, dass diese Klasse nicht sonderlich beliebt ist, aber sie spielt sich nunmal sehr rund und war für uns ein guter Kompromiss, um sowohl in der Gruppe, als auch im Soloplay möglichst lange zu bestehen.

    Nach der Entwicklung des Spielcharakters wird ziemlich schnell ein entscheidender Unterschied zu anderen MMORPGs deutlich. TESO beschränkt sich trotz unterschiedlicher Klassen nicht auf eine zugehörige Waffenbeschränkung. Demnach kann also auch ein Magier problemlos mit den entsprechenden Skills mit einem mörderischen Zweihänder durch die Spielwelt schnetzeln.

    Natürlich wirft uns TESO nicht einfach so auftragslos in die Welt, sondern bietet uns einen Grund, warum ausgerechnet wir hier sind und auch nur wir die Welt vor dem Abgrund retten können. Das gilt es aber zunächst erstmal rauszufinden, denn auch nach dem Intro bleiben noch viele offene Fragen. Wieso, weshalb und warum wir niedergeschmettert in einer kargen Gefängniszelle im finsteren Kalthafen erwachen, bleibt zunächst ebenso mysteriös wie die Tatsache, warum uns der Dämon Malog Bal die Seele geraubt hat. Rettung naht, als wir von einer ebenso geheimnisvollen, aber scheinbar ehrbaren Dame namens Lyris befreit werden. Die nun folgende Flucht aus den Verliesen dient gleichzeitig als spielbare Einführung in die Grundsteuerung von TESO. An kleineren Gegnertruppen erlernt man die verschiedenen Angriffsarten, wehrt Konter ab und übt die Steuerung. Hat man den letzten Boss besiegt, verschlägt es uns nach Tamriel und fortan befinden wir uns in einer schier unendlich großen Welt.

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    Auch aus der Ego-Perspektive hat man alles im Griff. Sieht aus wie Skyrim, spielt sich aber völlig anders.

     

    Und damit fiel uns der dickste Brocken vom Herzen, denn die Steuerung funktioniert. Sicherlich bedarf es etwas Übung, bis alle Kniffe und Buttons locker von der Hand gehen. Aber allein die Tatsache, dass die Entwickler eine normalerweise sehr tastenlastige Steuerung, wie es in MMORPGs nunmal üblich ist, logisch und zielsicher auf ein Gamepad mit wenigen Buttons zu zaubern, ist schon erstaunlich. Das dürfte vor Allem für Spieler begrüßenswert sein, die keinen leistungsstarken Rechner daheim haben und Sorge hatten, dadurch nicht in den vollen Genuss von TESO zu kommen. Seid beruhigt, es fühlt sich anfangs etwas ungewohnt an, aber nach der ersten Hand voll Quests seid ihr Herr der Buttons.

    Nach dem Intro landen wir wie erwähnt in der „richtigen“ Spielwelt, wobei unser Startgebiet davon abhängig ist, welche Fraktion wir gewählt haben.  Spieler des Ebensherz Paktes landen im Nordosten, Aldmeri Dominions im Südwesten und Dolchsturz Bündnisser im Nordwesten. Egal, wo wir letztlich beginnen, das Startgebiet bietet vorerst die einfachsten Quests, führt euch ein wenig herum und macht euch mit den Spielmechaniken vertraut. Nach und nach öffnen wir somit neue Bereiche und können diese später zu Fuß, per Mount oder via Schnellreisefunktion bereisen. In niedrigen Leveln muss man auch keinerlei Nöte haben, zu schnell in die Gebiete verfeindeter Fraktionen zu gelangen, denn diese stehen erst ab Level 50 offen.

    Kernelement in TESO ist das gleiche, wie in jedem anderen MMO: Das Leveln des Charakters. Jedes erlegte Monster gibt XP und jede vollendete Quest lohnt sich für den Erfahrungsbalken. Dabei nimmt die Schwierigkeit natürlich stetig zu, je weiter wir im Fortschritt kommen. Die anfänglichen Quests sind dabei recht unspektakulär, machen aber klar, dass es viele mehrstufige Aufträge gibt. Erledige A, gehe dann nach B und löse C, um ein loses Beispiel zu nennen. Diese spinnen dann auch gerne mal die große Rahmengeschichte für uns weiter, die alles in allem durchaus spannend erzählt wird und für gelegentliche Twists zu haben ist. Das tolle an den Quests ist, dass alle Texte vertont sind und damit einen ähnlich hohen Stellenwert erhalten, wie zuletzt in Knights of the Old Republic. Dadurch bleiben dem Spieler schnöde Texte erspart, gleichzeit sorgen die Sprecher, die übrigens durch die Bank alle einen sehr guten Job machen, für mehr Authentizität und einen enormen Pluspunkt an Spielerfahrung. Tamriel wirkt nicht nur wegen seiner vielen NPCs, Monster und herrlichen Landschaften lebendig, sondern die Vertonung verleiht dem Ganzen ein Sahnehäubchen.

    Gut gefallen hat uns die Gestaltung der Quests. Nur all zu oft haben wir MMORPGs gespielt, wo sich Sammel- an Sammelquest reihte. TESO bietet einen guten Mix aus allerhand verschiedener Aufträge, die, wie erwähnt, manchmal mehrkettig sind, manchmal aber auch nur ein einziges Ziel verfolgen. In diversen Aufträgen kommt die Phasing-Technologie zum Zuge. Diese sorgt dafür, dass sich die Spielwelt für unseren Charakter nach erfolgreichem Abschluss nachhaltig verändern kann, während sie für solche, die den Auftrag noch nicht beendet haben, keinerlei Effekt zeigt. Ein frühes Beispiel dafür wäre eine Quest, bei der wir tapferen Soldaten bei der Belagerung einer Burg in der Verteidigung helfen. Schaffen wir die Mission, flüchten die Feinde und die Burg hat ihren Frieden. Für andere Spieler, denen dieser Auftrag noch bevorsteht, erscheint die gleiche Burg allerdings noch von Feinden umzingelt.

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    Die Steuerung ist erstaunlich schnell erlernt

     

    Die gesammelten Erfahrungspunkte stecken wir dann alle in unser alter ego und bringen ihn so langsam vorwärts. Während Waffenskills wie in Skyrim durch das bloße Benutzen stetig verbessert werden, können wir mit jedem neu erreichten Level weitere Punkte verpulvern. Attribute und Fertigkeiten werden so höhergestuft oder gänzlich neu erlernt. Neben den üblichen Werten wie Stärke, Mana und Ausdauer können auch völkerspezifische Vorteile und sonstige Anpassungen gelevelt werden. Ferner stehen natürlich auch Berufe zum Erlernen in den Startlöchern: Versorgen, Schmieden, Alchemie, Verzaubern, Schreinerei und Schneiderei. Auch hier gibt es vornehmliche die übliche MMO-Kost, was letztlich soviel bedeutet wie das Sammeln von Materialien, deren Zerlegen und Verarbeiten und letztlich das Herstellen von neuen Items.

    Nach den vielen Stunden in TESO können wir sagen, dass das Spiel nicht nur für gesellige Rollenspieler eine kleine Offenbarung an der Konsole ist. Wer lieber alleine statt im Rudel zockt, der kann dies ebenfalls gediegen anpacken. Die allermeisten Quests sind problemlos im Alleingang lösbar. Einzig in diversen Welt-Events und speziellen Dungeons wird eine Gruppe von vier Spielern vorausgesetzt, Kriegszüge benötigen derer sechs. Und wer bei einem solchen Gruppenevent merkt, dass der gepflegte und organisierte Zock vielleicht doch gar keine so schlechte Idee ist, der darf sich auch einer Gilde anschließen. Denn natürlich verfügt TESO über ein ausgereiftes Gildensystem und entsprechende Gruppenbildungen sind seit dem Start im vollen Gange.

    Auf der technischen Seite haben wir befürchtet, dass die Größe von Tamriel einer gescheiten Grafik im Wege steht. Dem ist größtenteils nicht so, Glück gehabt. Die Spielwelt wirkt echt, lebhaft und die unterschiedlichen Gebiete sind teils wunderschön in Szene gesetzt. Der Knackpunkt an der Grafik sind eher die Nahansichten, die streckenweise gruselig grobpixelige Texturen offenbart. Das und die Tatsache der recht holprigen Bewegungen finden wir aber verschmerzbar, zumal man TESO auch komplett aus der Ego-Perspektive spielen kann und einem mit diesem Blickwinkel die eigenen Laufbewegungen nicht unliebsam auffallen. Untermalt wird das muntere Rollenspiel von einem sehr schicken Soundtrack, der nur bei genauerem Hinhören auffällt. Die Musik bleibt die meiste Zeit unauffällig im Hintergrund, nur um dann in einem Kampf aus vollem Rohr zu dröhnen.

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    Der Itemshop gegen Echtgeld ist rein optional

     

     

    Fazit

    All unsere Zweifel waren völlig umsonst – welch ein Glück! The Elder Scrolls Online: Tamriel Unlimited spielt sich phantastisch gut auf der Konsole und das ist alles andere als selbstverständlich. Das Genre MMORPG ist am PC zu Hause und doch zeigt das Entwicklerteam von Bethesda Softworks, dass es auch vom Sofa aus mit einem Controller in der Hand sehr viel Spaß machen kann. Das gelingt besonders durch die geschickte Buttonbelegung, die mit kurzer Eingewöhnungszeit flink von der Hand geht und nur selten Fehlgriffe verursacht. Das Vertriebsmodell hat uns überzeugt: Ein einmaliger Kauf und man erhält das volle Programm. Kein free2play, was letztlich wohl in ein pay2win gemündet wäre. Zwar gibt es einen Itemshop, hier findet man jedoch nur Dinge, die zum aller größten Teil keinen spielerischen Vorteil mit sich bringen und dadurch andere Mitstreiter benachteiligt. Halten wir also fest: TESO ist für Konsoleros eine wunderbare MMO-Erfahrung und kein Jünger weitläufiger Rollenspiele sollte sich dieses Spektakel entgehen lassen!

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    Christoph
    Kind der 70er. Seit '84 Musiker, seit '85 Hobby-Jedi, seit '86 Zocker und seit 2011 hier Redakteur