Star Wars: Battlefront 2 – Test / Review

    Selten fiel es mir schwerer, einen Test zu einem Videospiel zu schreiben, wie zu Star Wars: Battlefront 2. Warum das finale Urteil letztlich doch noch glimpflich ausfällt, das verraten die kommenden Zeilen. Hier der Test zu Star Wars: Battlefront 2!

    Kampagne (Einzelspieler)

    Star Wars: Battlefront 2 bietet im Gegensatz zum direkten Vorgänger jetzt endlich eine waschechte Einzelspieler-Kampagne. Die Entwicklung gab man jedoch nicht DICE in die Hände, sondern wandte sich an das hauseigene Studio EA Motive. Die rund 6 Stunden im Solo-Modus spielen auf der Zeitachse von Star Wars zwischen Episode VI „Die Rückkehr der Jedi“ und Episode VII „Das Erwachen der Macht“. Nicht nur für Fans wird somit eine ziemlich große Lücke gestopft, die zwischen beiden genannten Episoden klafft. Denn wie wir wissen, liegen rund 30 Jahre zwischen beiden Ereignissen und so manche Frage tat sich zwangsweise auf. Woher kommt eigentlich die Neue Ordnung? Was passierte mit Luke Skywalker? Einige dieser Themen, besonders den Aufstieg der Neuen Ordnung, werden sehr zufriedenstellend im Spiel beantwortet und man bekommt eine ganze Menge Fragen beantwortet.

    Dreh- und Angelpunkt der Kampagne ist nicht, wie so oft, die Sicht der Guten (Rebellen), sondern man bekommt viel Einsicht in die Reigen des Imperium. Wir verkörpern einen Großteil des Abenteuers die Imperialistin Iden Versio, die als Elite-Agentin des Inferno Trupps spezielle Sondermissionen erledigt. Da, wo Sturmtruppen und große Armeen verzagen, kommt eben dieser kleine Inferno Trupp zum Einsatz und sabotiert, was das Zeug hält. Die Story setzt unmittelbar vor der Schlacht um den Waldmond Endor ein, die in der Zerstörung des zweiten Todessterns mündet. Bis hierhin nimmt uns Star Wars: Battlefront 2 dezent an die Hand und erklärt uns Spielmechaniken, Buttons und den Einsatz der bekannten Fähigkeiten. Neu ist, dass Iden einen Hacker-Droiden mit sich führt, der unterwegs treue Dienste leistet, wenn wir beispielsweise vor einem verschlossenen Terminal stehen. Im weiteren Verlauf der Rahmengeschichte bekommen wir jedoch nicht nur die Sicht von Versio mit, sondern schlüpfen auch in unterschiedliche Helden, wie z.B. Luke Skywalker oder Prinzessin Leia. Der Erzählstrang legt also den Fokus auf das Große Ganze, um die besagte Lücke zwischen den Filmen zu füllen, nicht aber, um Iden Versio als neue Figur im Star Wars Universum zu manifestieren. Ihre Geschichte gehört übrigens zum offiziellen Kanon dazu. Neben den Bodenmissionen sitzen wir auch diverse Male im Raumjäger und unterstützen das Imperium im All mit unseren Flugkünsten.

    In der Summe betrachtet macht die Kampagne sehr viel Spaß, gerade deshalb, weil sie eben unsere Wissenslücken stopft. Auch die Sicht der Imperialen ist eine willkommene Abwechslung, die wir in dieser Form wohl das letzte Mal im Spiel Tie Fighter von 1993 hatten. Etwas schade ist, dass Iden Versio relativ blass bleibt, was den Wechseln zwischen den Spielfiguren geschuldet ist. Auch bleibt die Story leicht vorhersehbar, trotz des bevorstehenden Twists, und bietet so gut wie keine Überraschungen. Ein kleines Highlight der Kampagne sind die Zwischensequenzen, die phänomenal gut aussehen.

    Die Mitglieder des Inferno Trupps stehen vor einer Gewissensfrage

     

    Mehrspieler

    So nett die Kampagne auch ist: Der eigentliche Grund, warum man sich Star Wars: Battlefront 2 zulegt, ist natürlich der, dass man sich in den Mehrspieler stürzen möchte. Erstmals stehen sich hier im Spiel Figuren und Helden aus allen drei Star Wars Epochen gegenüber und dürfen mit in die Schlacht gebracht werden. Diese schöne Mehrauswahl hat einen unschönen Nachteil in der Logik, denn die Helden überschneiden sich innerhalb der Epochen, was gerade bei Fans die Haare zu Berge stehen lassen dürfte. Einen Darth Maul aus den Prequels etwa in einen Einsatz auf die Starkiller Base aus den Sequels spielen zu können, ist im günstigsten Falle etwas befremdlich. Zumal diese Trennung nur bei den Helden bzw. Schurken so daneben läuft, denn die restlichen Truppen sind getreu der Zeitachse vertreten.

    Etliche bekannte Orte, wie z.B. die Wälder von Kashyyyk oder die Eisflächen von Hoth, stehen als Maps parat. Abstriche muss man bei den unterschiedlichen Modi machen, denn gab es im Vorgänger noch neun Spielmodi, gibt es jetzt nur noch fünf. Das klingt nach einer Einschränkung, ist es aber nicht. Denn man hat sich klar auf die Modi fokussiert, die in der Vergangenheit am beliebtesten waren. Je nach Modus stehen sich dann unterschiedlich viele Spieler gegenüber. Die Modi sind Sternenjäger Angriff, Helden vs. Schurken, Deathmatch, Galaktischer Angriff und Angriff.

    Pro Fraktion darf man zwischen den üblichen Spielklassen wählen. Man kennt es bereits aus Battlefront: Klasse wählen, dazu einen passenden Blaster und noch drei Spezialfähigkeiten via Karte, und ab gehts. Gelevelt wird jetzt ausschließlich über das Erhalten von Sternenkarten, die man über Lootboxen erhält. Über die reden wir übrigens gleich noch in einem separaten Abschnitt. Somit hat man in puncto Levelfortschritt also keinerlei Vorteile, wenn man sich auf eine Klasse spezialisiert, da die Karten aus den Boxen per Zufallsprinzip rausgerückt werden. Das mag auf der einen Seite ziemlich blöd sein, andererseits hat es bei uns aber auch dazu geführt, dass man sich auch mal mit weniger beliebten Klassen in ein Gefecht stürzt. Und das kann gar nicht mal so uncool sein, denn man entdeckt plötzlich Aspekte und Taktiken, die man sonst vielleicht gar nicht so wahrgenommen hätte. Das unkomplizierte Matchmaking wird dadurch etwas getrübt, da das Spiel keine Rücksicht auf bereits bestehende Partys macht (zumindest auf der von uns getesteten Version für Playstation 4 nicht). Sich mit Freunden im Chat zu verabreden und dann gemeinsam ein Spiel zu starten, wäre sicherlich eine feine und auch notwendige Sachen für den Bereich der Team-Shooter.

    Eine sehr gelungene Änderung ist das Spawn-System von Helden und Fahrzeugen. Man kannte diese bislang durch das Einsammeln von Tokens, die an vordefinierten Punkten auf den Maps verstreut waren. In Battlefront 2 wurde dies dahingehend geändert, dass man sie jetzt mit dem Erreichen von Punktzahlen innerhalb der Matches spawnen kann. Das führt zu unerwarteten Wendungen innerhalb eines Matches und kann faktisch über Sieg und Niederlage in letzter Sekunde entscheiden.

    Schön, dass der lokale Mehrspieler-Modus wieder mit dabei ist

     

    Lootboxen

    Star Wars: Battlefront 2 wurde bei seiner Vorstellung weltweit gefeiert, bevor der große Fall kam. Der Grund für den rasanten Stimmungsumschwung waren die Lootboxen. Dass selbst Vollpreisspiele mittlerweile mit kostenpflichtigen, neuen Inhalten locken, ist mittlerweile (trauriger) Standard. Damit kann man sich abfinden, wenn es um kosmetische Upgrades geht, die zu keiner unfairen Spielweise führen. Das System von Battlefront 2 jedoch ist so in seiner Form jedoch unerträglich. Beziehungsweise „war“ es das, denn mittlerweile hat EA reagiert.

    Das Problem war, dass das Levelsystem auf den Zufall zugeschustert war. Man benötigte zwingend diese verdammten Lootboxen, um in irgendeiner Weise vorwärts zu kommen. Dadurch, dass es aber eben nur zufällige Karten gab, konnte man gar nicht gezielt leveln. Das System erinnerte stark an ein einfaches Glücksspiel. Wollte man also einen bestimmten Helden freispielen, so half nichts anderes, als Lootbox um Lootbox zu öffnen und darauf zu hoffen, dass dieses eine Kartenfragment, was einem noch fehlt, mit dabei ist. Zwar gab bzw. gibt es Lootboxen für absolvierte Spiele, aber eben viel zu wenige, um auch nur einigermaßen zeitnah an einen ordentlichen Pool von Karten zu kommen. Also bleibt nocht der Kauf mittels Echtgeld.

    Eine Reaktion der Zocker ließ natürlich nicht lange auf sich warten und EA erntete für dieses Vorgehen wohl seinen bislang größten Shitstorm. Ausgetragen wurde dieser vorzugsweise auf der Plattform reddit (hier nachzulesen). Nach einem AMA (Ask me anything) eben dort reagierte Electronic Arts und ruderte zurück und man schrieb auf Twitter:

    Den vollständigen Tweet findet ihr hier: Link. Kurz vor dem weltweiten Verkaufsstart hat man also dieses System zurückgezogen und man wird es überarbeiten. Bevor wir jedoch in Jubelstürmen ausbrechen, warten wir erst einmal ab. Denn es ist ziemlich sicher, dass das System in einer abgeänderten Form wieder zurück ins Spiel findet, da viel Spielmechanik rund um eben jenes gebaut wurde. Wie eine Abschwächung aussehen wird, das wird die Zukunft zeigen. EA wird sich Mikrotransaktionen in einem solch schwergewichtigen Spiel mit Sicherheit nicht komplett entgehen lassen.

    Der berühmteste Kopfgeldjäger darf natürlich nicht fehlen

     

    Grafik

    Für die grafische und atmosphärische Gestaltung von Star Wars: Battlefront 2 kann man den Entwicklern von DICE nur applaudieren. Das ist schon extrem schick und dicht, was man uns hier präsentiert. Besonders beeindruckend sind die schweren Maschinen des Imperiums, wie AT-AT oder AT-ST, die einem ein absolutes Gefühl von Erhabenheit und Hochmut geben, wenn man als Imperialist unterwegs ist. Und genau dieser störrische Hochmut passt wunderbar zur dunklen Seite der Macht. Auf der anderen Seite sucht man als Rebell beim ersten Anzeichen des dröhnenden Stampfens fast schon reflexartig Deckung, um nicht direkt bei der nächsten Feuersalve in den virtuellen Tod geschickt zu werden. Licht- und Schatteneffekte sind wunderbar stimmig. Besonders Explosionen und Brände sind erste Sahne.

    Zum Sound muss man eigentlich keine großen Worte verlieren. JEder von uns kennt die bekannten Akkorde im Hintergrund, die zur dichten Atmosphäre beitragen. Und egal ob Blasterfeuer und Antriebsgeräusche: Hier steckt die volle Packung Star Wars drin. Selbst die Synchronsprecher, die in der deutschen Übersetzung ja gerne mal nach unten hin ausreißen, machen hier einen richtig tollen Job und bringen Emotionen und Gefühlslagen, gerade in der Kampagne, überzeugend rüber.

    Bemerkenswert finden wir noch eine Sache. Im Vorfeld zu AAA-Titeln werden uns gerne mal lupenreine Trailer präsentiert und nicht selten mussten wir dann im fertigen Spiel grafische Abstriche feststellen. Einen Gruß schicken wir an dieser Stelle Richtung Ubisoft. Star Wars: Battlefront 2 ist quasi das Gegenteil, denn die finale Version sieht sogar noch ein klein weniger schicker aus, wie man beispielsweise an folgendem Video aus den Tiefen von Youtube gut erkennen kann:

     

    Fazit

    Fakt ist, dass Star Wars: Battlefront 2 ein verdammt unterhaltsames Spiel ist. Man kann das System rund um die Lootboxen dabei auch gerne hassen, es bleibt aber eben dabei, dass es schnelle und actionreiche Unterhaltung bietet. In wie weit EA später wieder mit den Mikrotransaktionen einsteigt, bleibt derzeit völlig offen. Und so, wie das Battlefront 2 in seiner jetzigen Form ist, also eben ohne all diese schwer ins Gameplay eingreifenden Mikrotransaktionen, ist es ein richtig tolles Spiel geworden. Ohne Grind geht es im Multiplayer aber nach wie vor nicht und die Lootboxen sind ja auch noch mit dabei. Das Prinzip des Zufalls macht hier dem eigentlich so großartigen Spiel einen kleinen Strich durch die Rechnung. Man möchte Star Wars Battlefront 2 lieben, aber zu 100% ist man nie davon überzeugt. Ein „ganz mieses Gefühl“, wie man es bekanntlich in jedem Star Wars Film hört, ist es aber noch lange nicht.

    Endwertung: 75%

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    Christoph

    Kind der 70er. Seit ’84 Musiker, seit ’85 Hobby-Jedi, seit ’86 Zocker und seit 2011 hier Redakteur