Rive – Test / Review

    Rive ist der neue Platformer der Spieleschmiede Two Tribes, die mit Toki-Tori ihren Durchbruch schafften. Wie sich das Spiel mit viel Kawumm schlägt, verraten wir Euch in unserem Test.

     

    Das Genre der Platformer scheint irgendwie ein kleines Revival zu erleben. Oft stehen hinter den schnellen Spielen unbekannte Entwickler, die gerne dem Indie-Genre zugeteilt werden. Im Falle von Rive jedoch hatten die Jungs und Mädels der Two Tribes Studios ihre Hände im Spiel und diese sind kein unbeschriebenes Blatt, spätestens mit dem respektablen Erfolg von Toki-Tori.

    Ferner steht bei Platformern glasklar das knackige Gameplay im Vordergrund. Grafik, inhaltsschwere Geschichten und ausgeklügelte Kampfsysteme spielen eine untergeordnete Rolle oder sogar gar keine. Daher ist die Portierung solcher Spiele erheblich leichter, als bei so manch anderem Genre. Das und die leichte Zugänglichkeit sind zwei gewichtige Punkte, warum Platformer wieder auf dem aufsteigenden Ast sind. Und Rive will sich seinen Platz im namhaften Ranking sichern.

    Bei Rive schlüpfen wir in die Rolle von Roughshod, einem ziemlich stümperhaften Schrottsammler. In seinem jüngsten Auftrag verschlägt es ihn ins Weltall, wo er mithilfe seines flinken Kampfroboters, so allerhand Gegner erledigen muss, um an die wertvollen Schrottteile zu gelangen. Viel mehr an Hintergrundwissen bzw. Story braucht es gar nicht, um Rive seine Daseinsberechtigung zu geben.

    Wer eine geringe Fehlertoleranz besitzt, der sollte um Rive einen ganz großen Bogen machen. Zwar hält sich der Frustfaktor noch deutlich unter dem eines Super Meat Boys, aber Rive ist – um es mal so zu formulieren – bockschwer. Und das Spiel macht auch von Anfang an keinen Hehl daraus. Timing und präzises Handling beider Sticks am Controller sind das A und O in Rive. Dazu sollte man noch schnelle Reflexe besitzen, denn dann kann man deutlich entspannter an das Spiel rangehen. Wer keine dieser Eigenschaften besitzt, wird spätestens nach 5 Minuten Spielzeit den Controller frustriert in die Ecke pfeffern. Natürlich gibt es je nach Level hier und da auch Passagen, die etwas entschleunigt sind und mal kurz Zeit zum Durchatmen lassen, aber diese kann man fast an einer Hand abzählen. Andere Abschnitte hingegen erlauben Euch noch nicht einmal den kleinsten Fehltritt, um im virtuellen Nirvana zu landen. Oft hatten wir am Ende eines Spielabschnittes ein Gefühl der Erleichterung, weil wir endlich am Ziel angekommen waren. Dabei wäre ein Gefühl des Triumphs irgendwie schöner gewesen. Soviel dann zum Thema Schwierigkeit…

    Richtig cool fanden wir die Abwechslung hin zu einem Vertical-Scrolling-Shooter ala Raptor. Weg vom 2,5D in der seitlichen Ansicht und hin zu einer Draufsicht, wo natürlich dann auch knifflige Rätsel und massig Fallen und Gegner auf den Spieler warten. Aber der Wechsel des Gameplays ist im Spiel unheimlich erfrischend und ziemlich gut durchdacht.

    Der Look des Spiels ist ganz cool und im Comic-Stil gehalten. Kanten, Abgrenzungen und alle sonstigen Objekte sind klar voneinander differenzierbar dank der knackigen Grafik, was auch bei diesem hohen Spieltempo absolut notwendig ist. Weniger gelungen ist der angedeutete Humor der Spielfigur Roughshod, die irgendwie so gar nicht zünden mag. Viel mehr bleiben die Gags oberflächlich und animieren nur selten zum Schmunzeln.

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    Fazit

    Rive ist ein kerniger und schwerer Twinstick-Platformer. Einsteiger und Laien des Genres werden verführt, den Controller schnell gegen die Wand zu schmeißen, wohingegen Freunde solcher Spieler in Rive einen kleinen Meister finden werden. Die Geschwindigkeit wird nur selten gedrosselt und meist bleibt der gefühlte Puls bei Tempo 200 und will noch höher hinaus. Uns hätten ein paar mehr Rätsel und Hacking-Passagen gefallen, auch der Perspektivenwechsel von Seite auf Draufsicht macht Spaß, aber von diesen Stellen gibt es uns insgesamt zu wenige. Rive bietet rund 6 Stunden lang supersolides Gameplay mit insgesamt 42 Trophäen. Leider wurde etwas Potenzial verschenkt.

    Unsere Wertung: 3 von 5 Sternen
    Unsere Wertung:
    3 von 5 Sternen
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    Christoph
    Kind der 70er. Seit '84 Musiker, seit '85 Hobby-Jedi, seit '86 Zocker und seit 2011 hier Redakteur