Rage 2 – Test

    Pausenlose Action in einer offenen Spielwelt – Willkommen zu unserem Test zu Rage 2. Ob es id Software gelungen ist, das abgefahrene Flair in die Fortsetzung Rage 2 zu transportieren, das erfahrt ihr hier in unserem Test.

    Für diesen Test spielten wir Rage 2 an der Playstation 4

    Schon der Blick auf die Köpfe hinter Rage 2 lässt Spielerherzen höher schlagen: Avalanche Studios (Just Cause), id Software (Doom) und Bethesda (Fallout) haben an diesem Spiel mitgewerkelt. Da MUSS doch was Gescheites bei rumkommen. Und soviel können wir vorweg nehmen, ja, das ist es auch. Perfekt ist Rage 2 nicht, aber das muss es auch nicht sein. Der Spaß steht im Vordergrund und davon bietet Rage 2 eine ganze Menge. Aber schön der Reihe nach…

     

     

    Es wird schmutzig

    Der Start von Rage 2 verläuft etwas holprig und definitiv uninspiriert. Es ist diese typische Geschichte von fiesen Aliens, die die Herrschaft über unsere Erde haben wollen. Und weil ihnen dazu jedes Mittel recht ist, fackeln wir gar nicht lange herum. Der nächstbeste Ballermann wird gesucht und schon beginnt die Hatz. Das war es im Groben mit der Story, viel mehr muss man wirklich nicht wissen. Wenn man den ersten Teil seiner Zeit gespielt hat, dann freut man sich natürlich über wiederkehrende Namen wie Obrigkeit und Ranger, letztlich verweilt Rage 2 aber stets an der Oberfläche. Dabei hilft auch nicht, dass das Spiel die schmucklose Story im Verlauf der folgenden Stunden immer weiter fortführt und alibihaft ausschmückt. Fakt ist, das so ziemlich jede Figur in Rage 2 austauschbar ist und beliebig wirkt.

    Ist das schlimm? Nein, mit Sicherheit nicht, denn wir reden hier von einem id-Shooter. Niemand erwartet bei einem solchen Spiel eine tiefgehende, ausgetüftelte Story, dafür sind andere Genre zuständig. Es ist nur irgendwie so, dass Rage 2 den Eindruck vermittelt, als hätte die Geschichte irgendeinen Sinn, denn warum sonst haben die NPCs so erstaunlich viel zu sagen? Macht euch einfach klar, dass Rage 2 storytechnisch keinen Stich landet, dann habt ihr schnell dieses Manko auf der Liste abgehakt.

     

    Kleine offene Welt

    Mit Blick auf das Weltendesign erkennt man klar die Handschrift der Avalanche Studios. Optisch wirkt die post-apokalyptische Spielwelt sehr stilsicher und trifft den Nagel ziemlich gut auf den Kopf. Überall herum liegen ausgebrannte Wracks, hier stapeln sich Müllberge und an jeder Ecke wird sichtbar, wie sehr diese Welt durch Kriege und Nöte in Mitleidenschaft gezogen wurde. Rein von der Größe her wirkt Rage 2 etwas mickrig, wenn man neuerlich andere open world Spiele gedaddelt hat. Red Dead Redemption 2 kann nur müde lächeln und selbst das hauseigene Just Cause hat deutlich die Nase vorn.

    Rage 2 benötigt allerdings auch gar keine große und ausladende Welt, da man hier ohnehin ständig in Aktion ist und so gut wie nie Atempausen angeboten bekommt. Eine geschrumpfte Spielwelt zugunsten weniger Leerlauf, so könnte man es auf den Kern herunterbrechen. Zwischen Sumpf und Wüste pendeln wir zwischen unterschiedlichen Vegetationen hin und her, wobei das keinerlei Auswirkungen aufs Gameplay oder gar die Missionen hat. Gut gefallen haben uns die unterschiedlichen Außenposten der Outlaws. Hier merkt man den Entwicklern ihre Kreativität an, auch wenn das Vorgehen zur Eroberung natürlich jedes Mal absolut identisch ist. Geht rein und macht Stunk! Aber das Design ist spitze, jeder Stützpunkt versprüht seinen ganz eigenen Charme und passt vortrefflich ins jeweilige Thema der Umgebung.

    Dazu gesellen sich drei größere Städte, in denen man ganz stereotyp neue Aufträge annimmt und verdiente Taler in Upgrades stopft. Längere Strecken kann mit mit rund einem Dutzend unterschiedlichster Gefährten zurücklegen. Ob mit rostigem Strandbuggy oder stylisch durch die Luft per Gyrocopter – ihr habt die Qual der Wahl. Obendrein besitzt fast jedes Vehikel auch noch einen Typus von Bewaffnung, so dass man auch mit fahrbarem Untersatz plötzlich auftauchenden Viechern gut gerüstet entgegentritt.

     

    Immer weiter vorwärts

    Richtig spaßig wird es dann, wenn wir eine Arche finden. In diesen Arealen schlummern nicht nur wuchtige Waffen, sondern auch einzigartige Fähigkeiten. Die Archen sind auf keiner Karte verzeichnet, man stößt eher versehentlich auf sie. Wegen der extrem guten Ausbeute sollte man ihnen in jedem Fall einen Besuch abstatten, gleich wohl sie natürlich bestens bewacht sind.

    An dieser Stelle kann man geteilter Meinung darüber sein, ob Rage mit System der Fähigkeiten sinnvoll oder eher sinnlos ist. Grundsätzlich kann man eine ganze Reihe an Skills erlernen, rein spielerisch benötigt man jedoch keinen einzigen. Mit ihnen lässt sich das Spielmuster auf ein neues Level hieven, nur muss man an dieser Stelle auch festhalten, dass man jedwede Situation und jeden noch so gut gepanzerten Gegner auch mit genügend Bleib ins Nirvana befördern kann. Der noch sinnvollste Skills ist ein Schub, eine Art Force Push wie bei Star Wars, der besonders bei Schildträgern gut und gerne zum Einsatz kommt. Ansonsten kann man sich für den Einsatz dieser besonderen Kräfte entscheiden, oder aber man lässt sie eben außen vor, es liegt einzig an euch.

    Rage 2 lebt von seinen immer wieder auflodernden Actionorgien. Es sind diese kurzen Momente, die vielleicht ein bis zwei Minuten andauern, in denen man die pure Anarchie zu spüren bekommt. Man kommt gar nicht um diesen Aspekt drum herum, Rage 2 schiebt euch quasi in genau diese Richtung. Taktisches Geplänkel war gestern, Deckungen sind was für Weicheier und aus der Ferne greifen nur Windelträger an. Schnappt euch die Shotgun, das MG oder den Raketenwerfer und geht nach vorne. Es gibt nur diesen einen Weg in Rage 2, immer weiter nach vorne.

    Die Hemmungslosigkeit führt dazu, dass man dann auch mal den RPG für kurze Distanzen nutzt um wohlwollend festzustellen, dass aus den 10 Gegnern weiter vorne nur noch Matsch an der Wand übrig geblieben ist. Interessant ist, dass man den größten Spaß bei Rage 2 in den Momenten hat, in denen sich das Spiel aufs Wesentliche reduziert: Enge Räume statt open world, pure Waffenkraft statt übernatürliche Fähigkeiten. Fast wünschte man sich, dass die Macher es bei diesen Tugenden belassen hätten, aber der Geist der Zeit sie zu Neuem getrieben hat.

     

    Gelungene Technik

    Die Namen hinter Rage 2 stehen für hohe Qualität und genau so soll es dann auch sein. Grafisch ist das Spiel auf der Playstation 4 eine optische Perle. Satte Farben und überzeichnete Kontrast passen wie die Kugel zur Schrotflinte. Der dynamische Sound untermalt die schrillen Action-Sequenzen vorzüglich und lädt zum Kopfmitwackeln ein. Überall begegnen uns spektakuläre Feuer- und Explosionsgewitter, die die Framerate zu keiner Zeit merklich einbrechen lassen. Und, was für ein solch rasantes Spiel ganz wichtig ist: Die Steuerung ist präzise und bringt es einfach auf den Punkt, so knackig wie sie ist.

     

    Fazit

    Ob man mit Rage 2 zufrieden ist oder nicht ist schlicht eine Frage der Erwartung. Wer einen kernigen oldschool-Shooter ala Doom möchte, der wird am Ende des Tages deutlich mehr Freude am Spiel haben wie jemand, der etwas in Richtung Borderlands und/oder Just Cause erwartet. Wenn Rage 2 nach einigen Stunden so richtig in die Gänge gekommen ist, dann wird es schwer, sich seinem Bann zu entziehen. Bis dahin können die unnötigen Storyfetzen und irgendwie optionalen Upgrades manches Mal nerven, wobei sie nicht wirklich nervtötend sind. Alles außerhalb der Ich-putz-dich-weg Mechanik ist eben nur Beiwerk, noch nicht einmal Mittel zum Zweck, sondern wirklich nur optionales Anhängsel. Letztlich sollte man Rage 2 nur auf diese eine Methode angehen: Waffe durchladen und rein ins Getümmel.

    Christoph
    Kind der 70er. Seit '84 Musiker, seit '85 Hobby-Jedi, seit '86 Zocker und seit 2011 hier Redakteur