GRID – Test

    Ist GRID ein kompletter Neustart oder doch eher eine Neuauflage? Wie auch immer unser Fazit später sein wird, eine Sache steht fest: GRID verspricht spannende Rennaction auf heißem Asphalt. Ob das ein leeres Versprechen ist oder ob GRID der durchaus hohen Erwartung gerecht wird, das erfahrt ihr hier in unserem Test.

    Für diesen Test spielten wir GRID auf Playstation 4.

     

    Heißer Asphalt

    Anhand von GRID merke ich mal wieder, dass Zeit buchstäblich wie im Flug vergehen kann. Das erste Spiel der Serie erschien bereits 2008 mit dem Beinamen Race Driver und ist damit älter als eine Dekade. Zu diesem Zeitpunkt gab es uns hier von game2gether in dieser Form noch gar nicht, weswegen ich auf keine Review zu GRID von damals verlinken kann. Immerhin gibt unser Archiv noch Tests zu GRID 2 und GRID Autosport her.

    Die Entwickler von Codemasters haben schon etliche Male unter Beweis gestellt, dass ihnen in Sachen Rennsimulation so schnell niemand etwas vormacht. GRID stellt wohlmöglich die kreativen Köpfe jedoch vor eine andere Aufgabe, denn die Serie ist bekannt dafür, ein deutlich Weniger an Simulation zu sein und dafür erheblich mehr Arcade-Feeling in den Vordergrund zu rücken. Nicht die perfekte Fahrbahnlinie steht im Mittelpunkt, sondern einzig und allein der Spaßfaktor.

    GRID nimmt den Spieler für drei Rennen an die Hand, bevor man so richtig ran darf. Die Grundlagen samt Spielmechaniken und Kniffe werden uns in diesen drei Introrennen erläutert. Anschließend landet man im Menü und wird von den spielbaren über 100 Events förmlich erschlagen. Die allermeisten davon sind natürlich noch längst nicht spielbar, aber man bekommt einen Vorgeschmack auf das, was einen noch erwartet. Alle Rennen sind in sechs Serien untergliedert und am Ende jeder Serie wartet ein Showdown-Event. Schafft man derer vier, darf man sich nicht nur zur creme de la creme der virtuellen Rennfahrer zählen, sondern sich ferner mit anderen begabten Fahrern auf dem Asphalt in der Grid World Series battlen.

    Grundsätzlich laufen alle Einstellungen bei GRID sehr schnörkellos. Neben ein paar obligatorischen Möglichkeiten zum Tuning schafft es Codemasters allerdings, euch schnell auf die Piste zu befördern. Aus anderen Racern kennt man die nahezu unzählig vielen Einstellungen, die vor einem Rennen getroffen werden können. Kann man machen, aber GRID ist hervorragend darin, euch ohne Umschweife hinter das Lenkrad zu setzen. Wie gesagt, das Rennen steht im Vordergrund und nicht das austarieren von irgendwelchen Werten an irgendwelchen Achsen.

     

    Hinreißendes Streckenbild

    Die Strecken, von denen es teils neue und teils bekannte gibt, sind ausnahmslos entzückend. Um nichts zu sagen wirklich zauberhaft. Es ist egal, zu welcher Tageszeit und zu welchen Wetterbedingungen ihr welche Strecke Fahrt: GRID sieht phänomenal aus. In erster Linie hat es uns der Kurs rund um Havanna angetan. Spielt GRID und ihr versteht, was ich meine. Dazu kommen besagte Wetterbedingungen, die das komplette Spektrum füllen. Sonnernuntergänge in malerischer Szenerie und wir brettern mitten durch die engen Kassen und lassen die Motoren röhren, spitzenklasse!

    Bei aller Lobhudelei: Es sind in die Anzahl leider wenige Strecken, vielleicht einen Tick zu wenige sogar. Insgesamt liegt die Streckenanzahl im niedrigen zweistelligen Bereich. Abhilfe schaffen hier die vielen Abwandlungen, wie spiegelverkehrte Streckenführung oder Teilabschnitte von A nach B. Nichts desto trotz kommt man in GRID recht früh an den Punkt, an dem sich das Das-kenn-ich-doch Gefühl einschleicht. Wahrscheinlich werden hier Spieler im Multiplayer nach einigen Wochen gähnen, es sei denn, man würde ein paar neue Abschnitte oder gar komplett neue Strecken nachschieben. Who knows?

    Derweil stehen im Fuhrpark mehr als 60 verschiedene Boliden zur Wahl. Diese sind ganz genretypisch in unterschiedliche Klassen gestaffelt und stehen dementsprechend dann auch nur für die passenden Events in den Startlöchern. Das Handling der fahrbaren Kisten ist extrem unterschiedlich und es fühlt sich authentisch an. Gerade dann, wenn man ein ungezähmtes Biest gefahren ist und anschließend auf ein Normalo-Auto wechselt, spürt man: Das hier fühlt sich schon cool an, aber das eben war irgendwie geiler. Dem Fahrspaß spielt die direkte und flinke Steuerung in die Karten. Egal ob Drifts, Vollgas oder zünftige Rempler in die Seite des Gegners. Das hier hat zu jedem Zeitpunkt Stil.

     

    Rempler hüben wie drüben

    Beim Thema Gegner erwähnen wir noch ein paar Worte zur KI. In GRID kommt das Nemesis-System zum Tragen. Fahrt ihr vorsichtig und düpiert die Konkurrenz nicht zu stark, dann herrscht auf der Strecke ein Hauch von Friede, Freue, Eierkuchen. Wer beherzter zur Sache geht und den KI-Fahrern gerne mal eins mitgibt, der wird der alsbald schon spüren, denn dann wird aus einem Mitfahrer ein waschechter Rivale, der keine Gelegenheit auslässt, um sich an euch zu rächen. Gerade in den engen Stadtparcours werdet ihr das Nemesis-System schnell kennenlernen. Solltet ihr dabei einmal das Nachsehen haben und unverhofft viele Plätze verlieren, kann man das Rewind-Feature nutzen und eine Sequenz neu versuchen.

    Besagtes Nemesis-System funktioniert richtig gut und sorgt für unvorhersehbare Abwechslung, hat aber doch einen Nachteil. Es gilt nämlich immer nur für das aktuelle Rennen. Innerhalb einer Kleinserie oder Meisterschaft startet jeder Gegner mit der gleichen Gutmütigkeit, was etwas schade ist und für einen Touch mehr Realismus hätte sorgen können, wenn die KI-Wut mit ins nächste Rennen übertragen worden wäre.

    Technisch spielt GRID definitiv in der Oberliga mit. Oben schrieb ich bereits, dass die Optik eine Wucht ist. Dazu gesellen sich detaillierte Cockpits und Ansichten, die keine andere Bezeichnung als tippi toppi zulassen. Obendrein hält das Spiel die Frames möglichst weit oben und im Spiel hatte ich tatsächlich nur einige wenige Momente, in denen die Framerate spürbar sank. Die 60 Bilder pro Sekunde werden also nicht immer strikt eingehalten, aber GRID kratzt nahezu an dieser Marke.

     

    Fazit

    Dass Codemaster ein Meister in Rennsimulationen ist, das wissen wir. GRID hingegen ist ein gelungener Mix aus Simulation und Arcade. Das Spiel hält nicht mit unnötigen Features oder Schnickschnack auf, sondern befördert den Spieler möglichst ohne Umschweife auf die Strecke. Und auf dem Asphalt packt GRID dann seine Stärken aus, in dem wir Rennen um Rennen driften, Windschatten ausnutzen und jede Kurve schneiden. Demnach ist GRID ein erfrischender Racer mit hinreißender Optik und gutem Umfang, wobei man klar die Defizite in der Streckenauswahl und den Online-Modi erwähnen muss. Gut gemacht, bitte mehr davon!

    Christoph
    Kind der 70er. Seit '84 Musiker, seit '85 Hobby-Jedi, seit '86 Zocker und seit 2011 hier Redakteur