Elex – Test / Review

    Vor über zwei Jahren wurde das Rollenspiel-Genre mit The Witcher 3 revolutioniert und auch zuvor hat die Souls-Reihe – mit dem erhöhten Schwierigkeitsgrad – dem Genre den Stempel aufgedrückt. Die ehemaligen Entwickler hinter der Gothic-Reihe Piranha Bytes haben nun das Kunststück versucht, die Elemente aller drei Serien unter einen Hut zu bringen. Mit Elex wartet ein interessantes Szenario, welches Fantasy und Science-Fiction in ein Spiel unterbringt. Ob dieser außergewöhnliche Mix funktioniert, erläutern wir in unserem Test.

    Die Elex-Sucht

    Im Kern bleibt sich Piranha Bytes treu. Dies bemerkt man bereits zu Beginn des Spieles. Auf dem Planeten Magalan gab es vor 160 Jahren ein Meteoriteneinschlag, welcher beinahe sämtliche Lebewesen auf dem Planeten vernichtet hat. Mit dem Meteoriten gelang nicht nur Gestein und Eisen auf Magalan, sondern auch das unbekannte Element Elex. Einige Bewohner nahmen dieses Element zu sich, um stärker und mächtiger zu werden. Doch die Schwachen unter ihnen wurden zu Monstern, aber auch die, welche das Elex ohne Probleme einnehmen konnten, wurden zu emotionslosen und synthetischen Geschöpfen. Diese nennen sich die Albs und unterdrücken die restlichen Bewohner von Magalan. Die Restbevölkerung nutzte das neue Element, um die neue Welt aufzubauen, zum Beispiel für neue Techniken, Fähigkeiten und sogar Magie.

    Eines Tages fliegt einer dieser Albs – der Hauptprotagonist Jax –  mit seinem Gleiter im Tiefflug über das Gelände. Nach kurzer Zeit wird sein Gefährt abgeschossen und der Held vollführt eine Bruchlandung. Sei dies aber nicht genug, wird Jax auch noch von seinen ehemaligen Kollegen angeschossen und augenscheinlich ermordet. Einige Zeit später erwacht Jax wieder und seine Ausrüstung wurde gestohlen. Na, das kommt uns doch bekannt vor oder?

    Ab diesen Zeitpunkt übernehmen wir die Kontrolle über Jax und schlagen uns durch ein kurzes lineares Tutorial durch. Anschließend liegt uns die ganze Spielwelt zu Füßen. Das heißt: Nun können wir die ganze Welt erkunden, solange wir überleben. Erkunden wir immer neuere Gebiete, laufen wir Gefahr auf stärkere Mutanten oder Feinden zu treffen.

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    Die neue Welt

    Die Bevölkerung hat sich in drei Gruppen aufgeteilt. Die Berserker sind naturverbunden und nutzen Elex hauptsächlich als Quelle für Mana bzw. Magiefähigkeiten. Technik spielt für sie eine geringe Rolle. Technik und Maschinen nutzen zum Großteil die Kleriker. Diese Gruppe hat die Apokalypse genutzt, um Maschinen und Roboter vor die Menschen zu stellen und um Plasmawaffen sowie Psi-Fähigkeiten zu nutzen. Die Outlaws sind der Mittelweg. Sie sind hauptsächlich in der Wüste beheimatet und nutzen Technik soweit es ihnen möglich ist.

    Wer Gothic und Risen gespielt hat, wird sich positiv über die Hauptstory wundern. Diese kommt packender und spannender rüber als in Elex’s spirituellen Vorgängern. Trotz alle dem darf man keine großartigen Charakterentwicklungen und Storybögen erwarten. Elex legt das Hauptaugenmerk auf die große begehbare Spielwelt. Bis wir uns einer Fraktion anschließen und so weitere Fähigkeiten erlernen und bessere Ausrüstung erlangen können, kann man 10 bis 20 Stunden in die Welt stecken. Erst danach liegt unser Auge auf dem Rachefeldzug gegen die Albs. Bis zum Spielende können somit bis zu 80 Stunden vergehen.

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    Forscherdrang

    Die unterschiedlichen Gruppierungen leben auch in verschiedenen Gegenden. Nach dem wir das Tutorial gemeistert haben, finden wir uns in Edan, dem Bezirk im Westen der Landkarte, wieder. Hier sind die Berserker beheimatet und dies sieht man auch! Überall befinden sich Wälder, Wiesen und sogenannte Weltenherzen, welche die Landschaft zum neuen Glatze erblühen lassen. Im Süd-Osten liegen die Wüstenstädte der Outlaws und im Nord-Osten der Hort der Kleriker, Ignadon. Die Albs sind im Nord-Westen – einer Schneelandschaft – angesiedelt.  Im Westen zwischen den Albs und den Berserkern befindet sich die Kuppelstadt Abessa. Hier leben die Berserker, Kleriker und Outlaws zusammen. Im späteren Verlauf, müssen wir uns dafür entscheiden, welche Gruppe das sagen in der Stadt hat.

    Neben den verschiedenen Landschaften gibt es auch zig Orte, Geheimnisse, Charaktere, Quests, Audio-Logs, Schätze und (sehr) starke Monster zu entdecken. Hier hat Piranha Bytes vom Desaster von Gothic 3 und der leeren Spielwelt gelernt. In Elex wollen wir unbedingt die Welt kennenlernen und jeden Grashalm entdecken. Hierbei hilft nicht nur der authentische Mix der zwei Genre, Fantasy und Science-Fiction, sondern auch die liebevoll handerstellte Welt von Elex.

    Erschlagen von Quests und Entscheidungsmöglichkeiten

    Zu Beginn des Spieles wird man von Quests gerade zu erschlagen. Haben wir uns noch keiner Gruppe angeschlossen, finden wir zig Quests in unserem Logbuch. Die meisten dieser Quests dienen dazu, uns der Fraktionen anzuschließen. Aber auch beim Entdecken der Welt, finden wir immer wieder abstruse Gestalten mit Wünschen und Aufgaben. Jede Gruppe hat natürlich ein anderes Bestreben nach Macht und Anerkennung. Die Dörfer und Weltenherzen zu beschützen ist vor allem bei den Berserkern unumgänglich, während man bei den Klerikern Maschinen reparieren und Charakter ausspionen und hintergehen muss. Bei den Outlaws hingegen wird jeder von jeden umgebracht. Ganz die Landstreicher eben.

    Es gibt eine Vielzahl von Quests mit unterschiedlichen Aufgaben. Mal müssen wir einen Türsteher beobachten, warten bis er seinen Posten verlässt und uns somit Zugang zu einem verbotenen Raum gewähren. Wie Rollenspiel üblich dürfen auch gewöhnliche Sammelquests nicht fehlen. Aber auch hier gibt es ab und an eine Überraschung.

    In Elex spielt die Entscheidungsvielfalt in den Quests eine große und wichtige Rolle. Nicht immer sind die Folgen daraus im ersten Moment sichtbar. So müssen wir in einer Quest den passenden Mechaniker für die Maschinen in Abessa aussuchen. Wie es der Zufall will, stehen mit einem Berserker, Kleriker und Outlaw, drei Personen der drei Gruppierungen zur Auswahl. Egal für welchen wir uns entscheiden, dessen Fraktion wird in der Kuppelstadt gestärkt. Zig Quests dieser Art sind in Elex vorhanden und erschweren unser Leben. Mal müssen wir über ganze Existenzen von Charakteren oder gar ganze Gruppen entscheiden. Während Elex den Hauptfokus auf die eigentliche Geschichte verliert, geben uns die Nebenquests kleine schöne Geschichten zum Mitfiebern.

    Ein System zum Abgewöhnen

    Für Elex ließ sich Piranha Bytes von der Souls-Reihe inspirieren. Dies soll sich im Kampfsystem wiederspiegeln. Jeder Schlag, jede Ausweichrolle, jedes Blocken und Rennen kostet Ausdauer. Ist die Anzeige leer, müssen wir auf die Regeneration warten. In dieser Zeit können wir keine der genannten Aktionen ausführen. Zusätzlich gibt es ein Kombosystem, welches den Schaden bei späteren Schlägen erhöht. Problem ist: zu Spielbeginn machen die ersten Schläge kaum einen Schaden und als Spieler muss man sich erst einmal daran gewöhnen. Es fühlt sich falsch an, wenn wir ausweichen und mit einem schnellen Schlag dem Gegner praktisch nichts an Lebenspunkten abziehen. Leider verschlimmbessern die Animationen und das Feedback das Kampfsystem. Immer wieder kommt es vor, dass der Gegner uns aus längerer Distanz im Nahkampf trifft oder der Feind unsere Schlagabfolge aus heiterem Himmel unterbricht.

    Menschen-Bug

    Während dieser Art der Kämpfe schwer bzw. fummelig sind, können Kämpfe gegen Menschen ganz einfach ausgetragen werden. Menschliche Feinde besitzen wie wir eine Ausdauerleiste. Während man den menschlichen Kontrahenten auspowern lässt, spart man seine eigene Ausdauer auf, um den Gegner volle Breitseite zu geben. Anschließend füllen sich beide Ausdauerleisten wieder auf, aber nur mit dem Unterschied, dass sich die eigene Leiste schneller aufgeladen hat. Danach kann man dem Gegner wieder bearbeiten, während sich beide Leisten wieder senken. Da sollte unbedingt nachgepatcht werden!

    Nichtsdestotrotz, kann man sich auf die Kämpfe freuen und schön die Umgebung dafür nutzen. So können wir ein Rudel Mutanten auf feindliche Menschen locken und genüsslich zuschauen wie sich beide Parteien dezimieren. Etwas Neues in den Piranha-Bytes-Spielen ist das Jetpack. Das Jetpack steht bereits nach absolvieren des Tutorials zur Verfügung. Mit Hilfe des Jetpacks können die Kämpfe nun auch in der Y-Achse ausgetragen werden. Dies gibt uns im hakeligen Kampfsystem zumindest eine kleine taktische Tiefe. Zusätzlich können wir mit dem Jetpack besser die Spielwelt bereisen. Aber auch das Fliegen mit dem Jetpack fällt holprig aus. Während wir Vollgas sprinten und mit Doppel-Leertaste den Jetpack aktivieren, fliegen wir senkrecht nach oben. Elegant sieht anders aus!

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    Motivierendes (Kampf- und) Levelsystem

    Dank dem Levelsystem kann man über das Kampfsystem hinwegsehen. Das Kampfsystem motiviert sogar im Level aufzusteigen, da wir immer bessere Fähigkeiten und Skills erhalten, welche die Kämpfe erleichtern. Erreichen wir eine neue Stufe, erhält unser Charakter 10 Attributspunkte, die in Stärke, Geschick, Kondition, Gerissenheit und Intelligenz gesteckt werden können. Haben wir eine bestimmte Stufe der fünf Werte erreicht, können wir Skills erlernen. Beispielsweise unsere Ausrüstung oder unsere Kampfkraft stärken. Zusätzlich können wir weitere Fähigkeiten der drei Fraktionen erlernen. So zum Beispiel Mana-Fähigkeiten der Berserker oder Psi-Fähigkeiten der Kleriker. Diese Fähigkeiten und Skills können aber nur bei bestimmten Lehrern erlernt werden.

    Auch die Ausrüstung macht ein Großteil unserer Stärke im Kampf aus. Manche der Rüstungen lassen sich in der Spielwelt wiederfinden. Aber im Verlaufe des Spieles kommen wir nicht um die Fraktionsausrüstungen herum. Haben wir uns für eine Seite entschieden, erhalten wir die Ausrüstung der Gruppe, zusätzlich gewährt uns dies auch die Möglichkeit weitere Rüstungen der Fraktion zu kaufen oder uns im Rang hochzuarbeiten, um bessere Helme, Hemden, Hosen, Schuhe und Waffen zu erhalten. Haben wir uns für die Berserker entschieden, erhalten wir mittelalterliche Rüstungen sowie Schwerter und Bögen. Wohingegen wir bei den Klerikern Schusswaffen wie etwa Plasmagewehre erhalten.

    Ordnung muss sein!

    In Elex gibt es zig Ausrüstungen, Items und weitere Gegenstände, welche im Inventar warten. Wir kommen also voller Vorfreude von einer Beutenträchtigen Quest ins nächste Dorf zurück, um unser Inventar auszumisten. Die Vorfreude hält nicht lange an und wir müssen uns im Inventar herumschlagen. Ganz einfacher Grund: die schreckliche Bedienung dessen! Angefangen mit der merkwürdigen Tastenbelegung wie etwa das Schließen von Fenstern mit Backspace. Hinzu kommt die nicht wirklich schöne Darstellung in Listenform. Als wäre dies aber nicht genug, ist es nicht immer auf dem ersten Blick einsehbar, ob ein Rüstungsteil ausgewählt wurde oder nicht. Gerade zu Beginn kann es auch passieren, dass man den einen oder anderen Trank verschwendet, indem man ihn aus versehen im Inventar aktiviert.

    Um den Spielern weitere Komfortfunktionen zu ermöglichen, hat Piranha-Bytes zig Einstellmöglichkeiten integriert. So können Radar, Quest-Markierungen auf der Mini-Karte und weitere Optionen abgeschaltet werden. Zusätzlich gibt es die Optionen den Schwierigkeitsgrad während des laufenden Spieles zu verändern oder das Autosave-Intervall zu bestimmen.

    Technik

    So abwechslungsreich und schön gestaltet die Spielwelt auch ist, täuscht diese nicht über die sehr angestaubte Technik von Elex hinweg. Dies spiegelt sich vor allem in den hakeligen Animationen sowie verwaschenen Texturen wieder. Hinzu kommen Piranha-Bytes-typisch sehr viele Clipping-Fehler. Mal stecken Gegner in Häusern fest, mal tauchen diese in den Boden oder unser Charakter wird von einem Ast blockiert, welchen jedes Schulkind überwinden könnte. Ähnliche Missgeschicke passieren auch in Dialog-Momenten. Mal sehen wir während des ganzen Dialoges nur einen Rücken, mal huscht ein NPC wie wild hin und her.

    In Punkto Überstrahleffekt haben die Entwickler etwas übertrieben. Sind wir tagsüber unterwegs und betreten ein Haus, haben wir mehrere Sekunden lang ein dunkles Bild. Für die gebotene Grafik fällt die Systemanforderung auf dem PC üppig aus. In unserem Testsystem ist ein Intel i7-6700k mit 4,4Ghz, 16GB Arbeitsspeicher sowie eine GTX970 verbaut. Bei unserem Test hatten wir um die 50 bis 60 Bilder pro Sekunde bei maximalen Details und einer Kantenglättung durch FXAA.

    Mindestanforderungen:

    • Betriebssystem: Windows 7, 8, Windows 10 (64 bit)
    • Prozessor: Intel Core i5 3570 oder AMD FX-6350C
    • Arbeitsspeicher: 8 GB RAM
    • Grafikkarte: NVIDIA GTX 660 2 GB oder AMD Radeon HD 7850 2 GB
    • DirectX: Version 11
    • Festplatte: 35 GB verfügbarer Speicherplatz

    Empfohlen:

    • Betriebssystem: Windows 7, 8, Windows 10 (64 bit)
    • Prozessor: Intel Core i7-4790 oder AMD FX-8350
    • Arbeitsspeicher: 16 GB RAM
    • Grafikkarte: NVIDIA GTX 1060 3 GB oder AMD Radeon RX 480 4 GB
    • DirectX: Version 11
    • Festplatte: 35 GB verfügbarer Speicherplatz

    Fazit

    Die ersten Stunden von Elex sind sehr träge und ich musste mich durch die ersten 10 Stunden durchbeißen. Aber sobald die Entscheidung fiel, welche Fraktion ich mich anschließen will, nahm Elex an Fahrt auf. Zu Beginn hieß es noch mit einer Low-Level Axt auf Monster und Menschen einzuhaken. Bis ich am Ende des Kampfes sowieso tot am Boden lag. Doch mit den neuen Waffen, Ausrüstungen und Fähigkeiten gab es mehr Vielfalt in den Kämpfen. Doch da wären wir schon beim größten Kritikpunkt. Das Kampfsystem wirkt hakelig und holprig. Eine wirkliche Kampfbegeisterung kommt hierbei nicht zu Stande. Immer wieder trifft der Gegner uns aus unmöglicher Distanz. Immerhin gibt es mit dem Jetpack eine weitere Möglichkeit die Kämpfe zu gestalten. Auch wenn selbiges nicht gerade von atemberaubender Animation glänzt.

    Neben dem bescheidenden Kampfsystem hat Elex aber einiges zu bieten. Die größten Stärken hierbei sind das Rollenspiel-Aspekt und seine Quests. Wir können uns verschiedenen Fraktionen mit verschiedenen Vorteilen und Nachteilen (Waffen, Ausrüstungen und Fähigkeiten) anschließen und unseren Charakter so bilden wie es uns lieb ist. Die Quests suchen ihresgleichen! Immer wieder stehen wir vor der Qual der Wahl und müssen uns für eine Seite entscheiden. Dies hat nicht nur Konsequenzen für uns, sondern auch für die Umwelt.

    Doch auch die typischen Piranha-Bytes Bugs dürfen bei Elex nicht fehlen. So gibt es immer wieder Clipping-Fehler oder wir werden mit „außergewöhnlichen Bildern“ beim Dialog gestört. Wären diese Fehler nicht vorhanden und das Kampfsystem würde runder laufen, könnte Elex an der 90er-Wertung kratzen. Wer bereits damals nicht mit der Gothic- und/oder Risen-Reihe warm geworden ist, sollte bei Elex besser die Finger lassen.

     

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    Domenik Eichberger
    Bereits seit den Anfängen von Game2gether darf ich mich als ein Teil der Familie zählen. Während ich mein Bachelor-Studium in Technische Informatik abgeschlossen habe, habe ich bereits die verschiedensten Artikel im Bereich der PC-, Nintendo- und PS4-Spiele sowie in der Hardware-Sektion verfasst.