Earthfall: Alien Horde – Test

     

    Mit leichter Verzögerung erschien kürzlich Earthfall: Alien Horde für Nintendo Switch. Wie gut sich der kooperative Shooter schlägt, das verraten wir euch in unserem Test!


    Für diesen Test spielten wir Earthfall: Alien Horde auf Nintendo Switch

     

    Left4Dead für unterwegs

    Vielleicht war die angekündigte Verzögerung von Earthfall: Alien Horde auf Nintendo Switch gar kein so unkluger Schachzug. Immerhin steht das Spiel jetzt im eShop zum Download bereit und so kurz vor Halloween passt der Zeitpunkt thematisch eigentlich sogar ganz gut. Das Spiel erschien bereits letztes Jahr für PC, PS4 und Xbox One und die Switch ist nun als letzte Konsole nachgezogen.

    Der spätere Release hat ebenfalls zur positiven Folge, dass Earthfall in der Version Alien Horde alle bislang erschienenen Updates gleich mit am Start hat. Das Beste aber ist der eigens für Nintendos Konsole integrierte Mehrspielermodus. Neben der Möglichkeit, mit 4 Spielern online ins Gefecht zu ziehen bietet die Spielversion der Switch einen lokalen Multiplayer. Yeah, zu viert auf der Couch Aliens jagen, wie cool ist das denn? Die nötige Auswahl an Controllern setzt man hierbei natürlich voraus, denn nur mit jeweils einem JoyCon wird das nix, schließlich benötigt ein Shooter zwei Analogsticks.

     

    Viele Aliens und viel zu tun

    Nach wie vor spielt in der Liga der Koop-Shooter Left4Dead die übergeordnete Rolle. Solange aber kein dritter Teil in Sicht ist, muss man sich allerdings mit Alternativen zufrieden geben. Earthfall: Alien Horde ist genau das. Im Grunde wurden nur die Gegner ausgetauscht, statt Untoter entledigen wir uns, der Name verrät es bereits, Aliens.

    Die Story ist schnell erzählt: Ein Komet zerschellt auf der Erde, im Gepäck jede Menge garstiges Weltraumvieh. Doch statt den Kopf in den Sand zu stecken machen wir uns auf dem neuen Feind Paroli zu bieten. Im Team zu viert machen wir uns dann auf den langen Weg und versuchen, der Horde an Aliens den Garaus zu machen. Jede der vier spielbaren Figuren ist dabei Story-basiert in Szene gesetzt, wobei der Charaktertiefgang letztlich oberflächlich verbleibt. Ein nettes Feature, aber von so einer Art Spiel verlangt auch nicht wirklich jemand eine umfassend tiefgehende Geschichte.

    Elf Kapitel müssen wir überstehen, um die Menschheit vor dem sicheren Tod zu bewahren. Während der unterschiedlichen Szenarien gilt es zwischendurch auch immer wieder kleinere Aufträge zu erledigen. So müssen wir beispielsweise diverse Teile eines Fahrzeuges sammeln, um dieses dann reparieren zu können, Camps müssen gedeckt oder Funkmasten reaktiviert werden. Darüber schwebt aber immer die Horde und die lässt meist nicht lange auf sich warten. Aus allen erdenklichen Richtungen strömen Massen an Feinde heran und die Kernaufgabe bleibt dabei natürlich stets, diesem Ansturm zu widerstehen. Die Aufgaben bieten zwischen oder auch innerhalb der Kampfsequenzen eine willkommene Abwechslung.

    Der extraterrestrische Feind hat so seine Tücken. Neben dem „Standard-Alien“, das meist mit wenigen Kugeln schon den virtuellen Tod stirbt, gibt es eine ganze Reihe an Feinden, die deutlich taktischeres Vorgehen im Team benötigen. Flinke Vierbeiner etwa stürmen chaotisch auf uns zu und ringen uns zu Boden. Erst durch die Mithilfe eines Spielers können wir den geifernden Zähnen entfliehen. Andere Viecher packen euch und schleppen euch weg vom Team. Wiederum andere sprühen giftige Matsche umher, deren Berührung deutlich an der Lebensenergie knabbert. Stärkere und oft auch größere Feinde besitzen gar ein Schild oder sorgen mit ihrer bloßen Masse dafür, dass sie ersten extrem viel Schaden austeilen und zweitens auch noch massig Gegenwehr vertragen.

    Zu dieser Gegenwehr haben wir nicht nur die üblichen verdächtigen Ballermänner mit im Gepäck, also Pistolen, Schrotflinten, Maschinengewehre (einige Waffen entspringen dem 3D Drucker) und Co., sondern wir können uns Barrikaden basteln. Die Auswahl an Hindernissen ist zwar relativ gering, aber auch sie dienen dazu, Earthfall: Alien Horde von ähnlichen Koop-Shootern abzuheben. Türen lassen sich verstärken, Abwehranlagen errichten oder man klemmt sich einfach selbst hinter ein stationäres Geschütz.

     

    Technisch unter Niveau

    Das alles klingt in der Summe nach viel Spaß. Man kann auch mit Earthfall: Alien Horde richtig viel Freude haben, sofern man bereit ist, mit einigen Einschränkungen zu leben. Und diese sind teils so gravierend, dass man einen deutlichen Leistungsabfall zu anderen Genrevertretern, wie z.B. Left4Dead, in Kauf nehmen muss.

    Mit verantwortlich dafür ist die Technik des Spiels. Man merkt bereits in den ersten Spielminuten, dass etliche Grafiken sehr unscharf sind, teilweise dürfen die oft zitierten matschigen Texturen herhalten. Ferner merkt man der Switch ihre schwächere Hardware im Vergleich zur Konkurrenz an, insbesondere bei der Bildrate. Earthfall: Alien Horde versucht die 30 Frames zu halten, unterbietet diese jedoch regelmäßig bei hohem Gegneraufkommen und vielen Effekten. Das ist die crux, denn ein Kernelement sind eben die Heerscharen an Feinden und so purzeln die Bilder pro Sekunde in regelmäßigen Abständen. Wir sprechen hier zwar nicht von einem dauerhaftem Ruckeln, aber es bleibt eben auch alles andere als unauffällig.

    Mit tollen Audioeffekten kann das Spiel auch nicht wirklich glänzen. Die Waffen klingen allesamt nicht wuchtig oder brachial, das Feedback bleibt fast völlig auf der Strecke. Glücklich schätzen darf man sich, wenn man eine Lobby mit vier Spielern zusammenbekommt, was während unserer Spielsessions eigentlich nie ein Problem war. Wer jedoch auf KI-gesteuerte Bots zurückgreifen möchte oder muss, der darf sich jetzt schon auf regelmäßige Bauchschmerzen einstellen. Zwar feuern sie zuverlässig auf alles, was kein Mensch ist. Aber sie bauen weder Barrikaden, noch helfen sie bei der Erledigung der Aufträge noch helfen sie euch in Notsituationen adäquat.

    Earthfall bietet unterschiedliche Schweregrade. Für einen Durchlauf von Anfang bis Ende benötigt man zwischen sieben und acht Stunden. Wer es kniffliger mag, der wechselt in eine höhere Schwierigkeit. Die Abstufungen sind jedoch sehr harsch, so dass leicht bis mittel für den geübten Zocker easy zu meistern sind, wohingegen alles darüber schon sehr zünftig wird.

     

    Fazit

    Earthfall: Alien Horde ist eine spaßige und kurzweilige Alternative zum Primus Left4Dead. An die Qualität des Klassikers kommt es allerdings nicht heran. Die neuen Features wie Barrikaden und Aufträge funktionieren reibungslos und bringen auch eine gute Portion Abwechslung mit sich. Gerade aber bei der Technik schränkt Earthfall: Alien Horde dann doch schon sehr deutlich ein, wobei man hier klar betonen muss, dass die Umsetzung für Switch eben auch der schwächsten Hardware aller Vergleichssysteme geschuldet ist.

    Wer Bock auf kompromisslose Action hat und im optimalen Fall auch genügend Mitspieler an seiner Seite wähnt, der darf sehr gerne zum Spiel greifen, zumal der Preis im eShop mit knapp 20€ auch echt human ist.

    Christoph
    Kind der 70er. Seit '84 Musiker, seit '85 Hobby-Jedi, seit '86 Zocker und seit 2011 hier Redakteur