Battlefield 1 – Test / Review

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    Nach vier kommt nicht fünf, sonder eins. So oder so ähnlich verwirrend war es bei der ersten Vorstellung von Battlefield 1. Nachdem Battlefield 4 und Battlefield Hardline nicht übermäßig viel Begeisterung der Fans erhalten konnte, wagt EA nun einen krassen Wechsel des Settings. Nachdem schon kurz vor der offiziellen Ankündigung Gerüchte im Internet kursierten, dass das nächste Battlefield möglicherweise zur Zeit des ersten Weltkrieges spielen könnte, hielten das viele für absurd. Aber EA bringt mit Battlefield 1 einen Shooter, der das kaum verbrauchte Setting des ersten Weltkrieges aufnimmt und zeigt was da alles möglich ist. Wir haben uns jetzt nach der Beta-Phase das fertige Spiel angeschaut und berichten Euch in diesem Test, was EA und Dice mit Battlefield 1 auf die Beine gestellt haben.

    Wieder eine kleine Singleplayer-Kampagne und große Multiplayer-Action

    Seit Battlefield Bad Company bietet die Battlefield-Serie eine Singleplayer-Kampagne, welche aber eher als kleines Extra angesehen werden sollte. Battlefield war schon immer ein Titel der seinen Schwerpunkt ganz klar auf den Multiplayer-Teil des Spiels gelegt hat. So auch in Battlefield 1.

    Kriegsgeschichten, die erzählt werden wollen

    Den Schwerpunkt erkennt der Spieler auch sehr schnell am Umfang, denn Battlefield 1 bietet in seiner Kampagne fünf Geschichten über verschiedene Soldaten im ersten Weltkrieg. Dabei dauert eine Geschichte etwa ein bis zwei Stunden. So kommt die Kampagne höchstens auf etwa zehn Stunden Spielzeit. Dabei können wir frei wählen welche Geschichte wir als nächstes Spielen möchten.
    Den Auftakt macht dabei aber das grandiose Intro, das wir direkt spielen, wenn wir das Spiel das erste Mal starten. Dabei landen wir nach einem kleinen Intro-Video in der Haut eines Harlem Hellfighters an der Westfront mit der Meldung, dass unser Überleben nicht zu erwarten ist. So versuchen wir die Stellung um jeden Preis zu halten, was aber in einem Abschlachten unserer Soldaten durch den Feind endet. Dabei sehen wir den Frontenkampf aus verschiedenen Perspektiven, wie beispielsweise dem normalen Fußsoldaten, einem MG-Schützen oder Bordschütze eines Panzers. Nach knapp 20 Minuten ist das Intro und unser verzweifelter Kampf vorbei. Es folgt eine kurze Schlusssequenz und wir landen im Kampagnenauswahlmenü. Wir sehen die Erde mit ihren fünf verschiedenen Schauplätzen der Singleplayer-Kampagne.

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    Dieser Ansatz ist wirklich interessant, aber nicht wirklich neu, es schwebt ein Hauch von Nostalgie im Raum. Je nach Kriegsgeschichte haben wir zum einen verschiedene Schauplätze und verschiedene Vorgehensweisen. Beispielsweise spielen wir in einer Geschichte den jungen Danny Edwards, der zur Crew eines Mark V-Panzers gehört. Oder wir liefern uns Luftschlachten in Propellermaschinen in einer anderen Kriegsgeschichte. Inszeniert werden die einzelnen Geschichten durch kurze Zwischensequenzen, die dank der detaillierten Gesichtsmimik der Figuren die Geschichte wirklich gut erzählen. Jedoch haben wir auf der anderen Seite das Problem, dass wir uns hauptsächlich nur stumpf durch die Gegnerhorden ballern. Die nicht allzu schlaue KI macht das auch nicht besser. Es gibt zwar auch einige Passagen in denen wir uns vorsichtig durchschleichen müssen/können, aber die meiste Zeit gehen wir in Rambo-Manier durch die Kampagne. Aber gut, wie schon oben angedeutet, liegt in der Kampagne nicht der Schwerpunkt eines Battlefields.

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    Multiplayer-Action die sich gewaschen hat

    Kommen wir zum Schwerpunkt eines jeden Battlefields: Der Multiplayer. Battlefield 1 spielt sich wie seine Vorgänger in Sachen Action und Schnelligkeit. Wer hier nach historischer Korrektheit Ausschau hält, der sollte sich vielleicht ein anderes Spiel suchen, denn Battlefield 1 ist alles andere als historisch korrekt.
    Dice hat aber an verschiedenen Stellen an Schrauben gedreht und so das Spielverhalten beeinflusst. So müssen sich auch Battlefield-Veteranen auf die ein oder andere Neuerung einstellen.

    Wenn wir uns beispielsweise die Klassen anschauen, dann merken wir, dass es hier Umstrukturierungen gab. So wurde der Ingenieur entfernt und seine Aufgaben (das Zerstören/Reparieren von Fahrzeugen) wurden auf andere Klassen aufgeteilt. So stehen uns nun die Klassen Sturmsoldat, Sanitäter, Versorger und Aufklärer zur Verfügung. Dabei übernimmt der Versorger die Aufgabe der Reparatur von Fahrzeugen, während der Sturmsoldat nun zu Raketen und/oder Anti-Panzer-Granaten greifen kann, um feindliche Fahrzeuge auszuschalten.

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    Wenn wir gerade über Fahrzeuge sprechen: Diese sind in Battlefield 1 sehr wertvoll geworden. Während es „früher“ relativ einfach war einen Panzer mit einigen Raketen zu zerstören, halten die Panzer jetzt in Battlefield 1 einiges aus und sind auch, wie andere Fahrzeuge, seltener. Während in den letzten Battlefield-Spielen die Fahrzeuge in den Basen erschienen sind, steigt man in Battlefield 1 direkt aus dem Wiedereinstiegsmenü in die Fahrzeuge und ist als einfache „Fahrer-/Besatzungsklasse“ unterwegs. Das heißt, dass wenn wir aus unserem Fahrzeug aussteigen, wir eine schlechtere Ausrüstung haben als die Standardklassen. Dadurch werden schon fast dazu gezwungen so lange wie möglich in unserem Fahrzeug zu bleiben, dies zu benutzen und zu erhalten. Dadurch, dass Panzer und andere Fahrzeuge nun etwas mächtiger sind, können sie den Verlauf eines Spieles etwas stärker beeinflussen, als in vorherigen Spielen.

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    Sicht aus einem Panzer

    Das führt uns nun auch zu einer ganz neuen Art von Fahrzeugen: Die Behemoths. Das sind riesige Kriegsfahrzeuge, die in einer Partie erscheinen können. Dabei erhält das Team, das gerade auf die Niederlage zusteuert, den Behemoth, um das Runder nochmal herumzureißen und den Sieg zu erlangen. Je nach Karte handelt es sich beim Behemoth um einen Zeppelin, ein Schlachtschiff oder einen mit Waffen besetzten Panzerzug. Dabei hatten wir in der Beta-Phase die Befürchtung, dass die Behemoths etwas zu stark sein könnten. Das hat sich bis jetzt aber nicht bestätigt.

    Wichtig bei Battlefield 1 ist aber auch das Team-Play. Denn nur wer in seinem Squad seine Klasse richtig spielt und alle zusammenarbeiten, um beispielsweise einen Behemoth zu zerstören, der hat auch sehr gute Chancen die Partie zu gewinnen. Das hängt aber auch vom Spielmodus ab, denn bei Team Deathmatch ist das Team-Play nicht so wichtig wie beispielsweise beim klassischem Conquest. Aber apropos Spielmodi, hier hat Dice auch etwas Neues für die Spieler. Während bekannte Klassiker wie besagter Conquest-Modus und Team Deathmath sowie Rush und Domination an Bord sind, gibt nun den Kriegstauben-Modus sowie Operations-Modus.
    Im Kriegstauben-Modus müssen die Teams eine Brieftaube, die auf Karte erscheint schnappen und sie dann an einen sicheren Ort bringen, damit sie losfliegen und eine wichtige Nachricht überbringen kann. Das gegnerische Team kann dann im letzten Moment aber noch die Taube abschießen und so den Flug verhindern. Das erinnert etwas an eine Art Capture the Flag und ist eher ein kleinerer Modus für zwischendurch.
    Der Operations-Modus dagegen könnte ein neuer Dauerbrenner werden. Er ist eine Art Mischung aus Rush und Conquest, bei dem sich bis zu 64 Spieler auf bis zu drei Maps nacheinander bekriegen. Dabei muss das angreifende Team Sektor für Sektor einnehmen, während das Verteidiger-Team Stellungen halten muss und die Angreifer versuchen zurückzudrängen, bevor ihre Tickets aufgebraucht sind.

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    Die neun vorhandenen Karten in Battlefield 1 bieten Abwechslung und verschiedene Kampfszenarien. So kombiniert die Karte Krieg im Ballsaal Fahrzeuggefechte auf den offenen Flächen vor dem Schloss, während sich Infanteristen sich im inneren des Schlosses einen erbitterten Kampf um den Ausgang der Partie liefern. Dabei fällt aber auch wieder die Zerstörung in Battlefield auf. Der Spieler kann auf den Karten (fast) alles in Schutt und Asche legen. Aus hohen Häusern ist nach einem Panzerbeschuss nur noch ein Haufen Schutt übrig, der vielleicht noch als Deckung verwendet werden kann. Ein zerstörter Zeppelin (einer der Behemoths), der dann auf die Karte stürzt verwüstet diese dort wo er abstürzt.
    Aber es nicht nur die Zerstörung, die jede Partie individuell gestaltet, sondern auch das dynamische Wetter. Während Battlefield 4 auf Levolution setzt, ist in Battlefield 1 alles dynamisch. Je nach Wetter verändert sich das Kriegsgeschehen. Bei dichtem Nebel können Beispielsweise Scharfschützen nicht mehr weit sehen und können aus der Ferne nicht mehr gut agieren.
    So ist jede Partie wie keine andere.

    Was die Waffen in Battlefield 1 angeht, so wird uns ein Haufen verschiedener Waffen und entsprechende Aufsätze angeboten. Dabei ist das Bajonett, das an unserer Primärwaffe angebracht ist, ganz interessant. Damit kann ein Sturmangriff ausgeführt, werden, bei dem wir schneller sprinten können als normalerweise und einen Gegner direkt ausschalten. Es gibt aber auch Waffen, die nur die „Fahrzeugnutzer“ erhalten. Wer auf einem Pferd spawnt besitzt ein Schwert, mit dem er beim Reiten andere Soldaten niederstrecken kann.

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    Ein schöner Krieg – Die Technik

    Kommen wir aber doch zur Technik, denn die Videos und Screenshots zeigen uns eine sehr schöne Grafik und tolle Effekte. Das braucht doch Unmengen an Rechenleistung, oder? Das kann ganz einfach mit einem „Nein“ beantwortet werden. Battlefield 1 funktioniert überraschend sehr gut. Natürlich gab es einen Day One-Patch, der hier und da etwas gefixt hat, aber im Kern läuft das Spiel sehr rund. Auch um den Titel zu spielen wird keine High-End-Maschine benötigt. Battlefield 1 verwendet wie Star Wars Battlefront (das ebenfalls gut auf Mittelklassesystemen funktionierte) die Frostbite 3 Engine.

    Wer also Star Wars Battlefront ohne Probleme spielen konnte, sollte auch mit Battlefield 1 keine Probleme mit der Performance bekommen. Dabei ist Battlefield 1 auch grafisch sehr schön anzusehen, um nicht zu sagen, dass es vielleicht aktuell der „schönste“ Shooter ist, den es gerade auf dem Markt gibt.

    Nachfolgend noch die Systemvoraussetzungen

    Minimum:

    • Betriebssystem: Windows 7 (64-Bit), Windows 8.1 und Windows 10
    • Prozessor (AMD): AMD FX-6350
    • Prozessor (Intel): Core i5 6600K
    • Arbeitsspeicher: 8 GB RAM
    • Grafikkarte (AMD): AMD Radeon™ HD 7850 7850 2 GB
    • Grafikkarte (NVIDIA): NVIDIA GeForce® GTX 660 2 GB
    • DirectX: DirectX 11.0-kompatible Grafikkarte oder gleichwertig
    • Erforderliche Online-Verbindung: Internetverbindung mit mindestens 512 KB/s Geschwindigkeit
    • Festplatte: 50 GB freier Speicherplatz

    Empfohlen:

    • Betriebssystem: 64-bit Windows 10 oder später
    • Prozessor (AMD): AMD FX 8350 Wraith
    • Prozessor (Intel): Intel Core i7 4790 oder gleichwertig
    • Arbeitsspeicher: 16 GB RAM
    • Grafikkarte (AMD): AMD Radeon™ RX 480 4 GB
    • Grafikkarte (NVIDIA): NVIDIA GeForce® GTX 1060 3 GB
    • DirectX: DirectX 11.1-kompatible oder vergleichbare Grafikkarte
    • Erforderliche Online-Verbindung: Internetverbindung mit mindestens 512 KB/s Geschwindigkeit
    • Verfügbarer Speicherplatz: 50 GB

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    Fazit

    Das neue Battlefield, ach ja, …. Als es im Mai das erste Mal angekündigt wurde war ich ehrlich gesagt etwas skeptisch. Die Beta-Phase hat mir recht gut gefallen und ich dachte: Wenn es nach Release wirklich funktioniert, dann hat Dice wieder die Kurve gekriegt. Jetzt ist es erhältlich und ich muss sagen, dass Dice gut geliefert hat.
    Battlefield 1 ist ein Multiplayer-Spektakel, das den Spieler auf das Schlachtfeld mitnimmt und ihm brachiale Action um die Ohren schlägt. Ob das Ganze wirklich dem entspricht was vor knapp 100 Jahren passierte sei dahingestellt, aber es macht einfach Spaß.
    Die Singleplayer-Kampagne ist nicht schlecht, aber auch nicht ausschlaggebend für Battlefield. Wichtig ist der Multiplayer. Solisten sollten sich also nochmal überlegen, ob sie nur wegen der Kampagne zu Battlefield 1 greifen sollten. Allen anderen kann der Titel nur wärmstens empfohlen werden. Wer auf Multiplayer-Action aus ist, ist hier genau richtig.

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    Eine kleine Anmerkung in eigener Sache

    Auch in Battlefield 1 finden wir wieder Battlepacks und einen Premium-Modus, der alle kommenden DLCs enthält. Bei den Battlepacks gibt es allerdings den Unterschied, dass es nur noch eine Art von Battlepacks gibt und diese alles enthalten können.
    Battlefield 1 ist in verschiedenen Editionen erschienen, darunter auch in einer Collector’s Edition, die mit oder ohne Spiel bestellt werden kann.
    Dieser Test bezieht sich auf die PC-Version des Spiels.

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    Gustav Knaub
    Film- und Computerspielbegeisterter, der mit MediaField anfing und damit nun hier im Bereich für Spiele- und Filmtrailer gelandet ist.