Air Conflicts: Vietnam Ultimate Edition – Test / Review

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    Nachdem bitComposer bereits vergangenes Jahr Air Conflicts: Vietnam veröffentlichte, erschien kützlich die Next-Gen Version für Playstation 4. Wie der Sprung auf Sonys neue Konsole gelungen ist, verraten wir euch in unserem Test von Air Conflicts: Vietnam Ultimate Edition.

     

    Air Conflicts: Vietnam Ultimate Edition erschien am 30. Juni für Playstation 4 zum UVP von 49,99€. Als Besonderheit ist das Spiel voll kompatibel mit 3D Fernsehgeräten.

     

    Hinweis: Wir schreiben diese Rezension auf Basis unseres alten Test zu Air Conflicts: Vietnam für Playstation 3. Die Rezension mit 75% Gesamtwertung findet ihr hier: Link

     

    Das Grundkonzept von Air Conflicts: Vietnam Ultimate Edition ist natürlich das gleiche geblieben. Noch immer verschlägt es uns nach Vietnam im Cockpit eines Jägers oder Hubschraubers. Die vorliegende Ultimate Edition verspricht aber ein paar Verbesserungen und zusätzliche Features. So soll die KI verbessert, die Grafik aufgehübscht, der Sound wuchtiger und die Steuerung leichtfüßiger gemacht worden sein. Außerdem steht im Singleplayer die zusätzliche Kampagne „Lost Letters“ und im Multiplayer der neue Modus „Carrier Battle“ parat.

    Story

    Bei der Story ist alles beim alten. 1962 spitzt sich der Krieg in Vietnam langsam zu, es kommt zur Spaltung des Landes. Während sich Nord- und Südvietnam bekriegen, schlägt sich die USA auf Seite des Südens und greift militärisch in den Konflikt ein. Hier kommen wir ins Spiel, als Kampfpilot Joe Thompson sind wir einer der ersten Soldaten im fremden Land. Unser alter ego ist ziemlich omnipotent und so machen wir in der folgenden rund 7 stündigen Kampagne in vielen verschiedenen Kampfjets oder Helikoptern Jagd auf den Feind.

    Die Inszenierung der Hintergrundgeschichte ist mitunter langatmig und trocken. Auch gelingt es nicht, dem Hauptcharakter auch nur ansatzweise ein paar Sympathiepunkte zuzuspielen, der gute Joe bleibt von vorne bis hinten austauschbar und nur durch vereinzelt eingeblendete Briefe, die aus dem Schriftverkehr mit seiner Familie zeugen, kommt so etwas wie Leben ins Spiel. Zu guter Letzt halten wir fest, dass wir nicht ein einziges mal unsere spielbare Hauptfigur zu Gesicht bekommen. Schade eigentlich, denn durch ein wenig mehr Emotionen hätte die dramatische Seite des Krieges durchaus besser durchleuchtet werden können. Einzig der kurze Storytwist, ausgelöst durch Joe’s Tochter, die sich Friedensaktivisten anschließt, sorgt kurzzeitig für etwas Auflockerung. Wie man es auch dreht und wendet: Aus der Story hätte man mehr Kapital schlagen können. So aber bleibt sie weit unter den Möglichkeiten zurück und dient letztlich nur als Mittel zum Zweck, warum wir überhaupt in Vietnam sind.

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    Gameplay

    Wie bereits alle Teile der Air Conflicts Serie spielt sich auch Air Conflicts: Vietnam in der Ultimate Edition sehr arcadelastig. Das bedeutet nicht, dass sich alle Jets gleich fliegen lassen, jeder Jäger bringt ein gewisses Maß an Eigenheiten mit sich. Daher bietet das Spiel eingangs immer kleinere Tutorials, um den Umgang der schwer bewaffneten Kampfmaschinen zu üben. In der Summe sind die Abweichungen allerdings dezent, Arcade dominiert deutlich über realistischen Flugprinzipen. Die Kombination funktioniert allerdings, man ist schnell mit den Fliegern vertraut und steuert schon bald geschmeidig die Stahlkolosse durch den Himmel. Völlig unverständlich: Es kam gleich mehrfach vor, dass unser Jäger ein Eigenleben entwickelte. Diverse Male verloren wir ohne absehbaren Grund die komplette Steuerung, waren nicht mehr Herr der Lage. Das ist schon ärgerlich genug, besonders aber dann, wenn man sich recht bodennah bewegt, der Jet daraufhin abstürzt und man den Einsatz neu starten muss.

    Abwechslung zum normalen Piloteneinsatz kommt während der Kampagne immer mal wieder vor. So findet man sich hier hinter einem Bordgeschütz eines Helikopters wieder, dort übernimmt man den Hubschrauber gleich selbst und nimmt im Tiefflug feindliche Stellungen unter Beschuss. Steuerung der Helis ist dabei etwas sperriger als die der Jets.

    Sound & Grafik

    Der Soundtrack mag gut ins Gesamtbild passen, rockige Klänge unterstützen das arcadige Gameplay. Aber alle sonstigen Soundschnipsel sind eine ziemliche Zumutung. Die Sprecher klingen, als hätte man ihnen als Entlohnung für ihren Job einen Hungerlohn geboten. Derart langweilig und beiläufig werden Einsätze und Funksprüche vertont, dass man sich schon erstaunt den Kopf kratzt. Der Begriff Monotonie bekommt durch das Spiel eine ganz neue Bedeutung, sprachliche Stilmerkmale wie Betonung oder Prosodie scheinen den Sprechern Fremdbegriffe zu sein. Jeder Grundschüler, der einen Vierzeiler vorträgt, kann das besser.

    Grafisch erleben wir in Air Conflicts: Vietnam Ultimate Edition eine Show, die Next-Gen nicht mal ansatzweise erreicht. Besonders haarsträuben sind die Bodentexturen, sofern man überhaupt von Texturen sprechen kann. Viel mehr sieht das Ganze nach einzelnen Bildern aus, die teils sehr lieblos aneinander gereiht wurden. Beispiel: Am Boden steht eine feindliche Hütte, wir schießen eine Rakete auf sie, im nächsten Moment stehen nur noch verkohle Reste rum. Natürlich gibt es Explosionen und Rauchentwicklung, aber das Gebäude ansich wird einfach im sekundenbruchteil komplett ausgetauscht.

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    Fazit

    ChristophWer Air Conflicts: Vietnam bereits letztes Jahr auf PC, Xbox 360 oder PS3 gespielt hatte, der kann getrost bei dieser Version bleiben. Die Neuauflage in Form der Ultimate Edition für Playstation 4 bietet zwar ein paar Zusatzinhalte, die aber kaum die Rede wert sind. Das soll nicht heißen, dass das Spiel keinen Spaß macht, denn wer auf arcadige Flugspiele steht, der kommt durchaus auf seine Kosten. Die gemachten Verbesserungen fallen auf, sind aber weniger konsequent, als wir es uns gewünscht hätten. Allen Voran halten wir fest, dass sowohl Grafik, als auch Sound die Bezeichnung Next-Gen so nicht verdient haben. Wer teils trashige, teils schnelle Kurzweil-Action geboten haben möchte, der kann bedenkenlos zugreifen, wohlwissend, dass man technische Defizite in Kauf nehmen soll. Immerhin ist das Spiel rund 20€ günstiger vom Start weg in den Regalen als übrige, frisch erschienene PS4-Games erhältlich, das macht die Einbußen in der Qualität etwas erträglicher.

     

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    Christoph
    Kind der 70er. Seit '84 Musiker, seit '85 Hobby-Jedi, seit '86 Zocker und seit 2011 hier Redakteur