Oculus Rift

    Vor einiger Zeit gab es immer wieder Neuigkeiten und Schlagzeilen über die Oculus Rift und der Virtuellen Realität, die mit einfachen Mitteln erreicht wird. Auch auf der E3 war Oculus VR, der Hersteller der Oculus Rift vertreten und zeigte sein Produkt. Zur Zeit gibt es aber nur eine Entwicklerversion der VR-Brille und eine finale Version lässt noch etwas auf sich warten.
    Aber wir hatten die Möglichkeit eine Entwicklerversion der Oculus Rift zu erhalten und sie auch über einen etwas längeren Zeitraum zu testen. Was wir von der virtuellen Realtität und der Brille halten und was wir uns wünschen, erfahrt Ihr in diesem Test.

     

    Hardware und Ausstattung

    Das Entwicklerkit der Oculus Rift kommt in einem handlichen Koffer, der Innen komplett gepolstert ist und folgenden Inhalt ausweist:

    • Das Oculus Rift Headset und die Control-Box
    • 3 verschiedene Linsenpaare
    • Befestigungsgurt
    • DVI-Kabel
    • HDMI-Kabel
    • USB-Kabel
    • Stromkabel mit Adapter
    • DVI/HDMI-Adapter

    Für die Benutzung wird eigentlich keine besondere Hardware vorrausgesetzt. Man braucht keinen High-End-PC, um in den Genuss der virtuellen Realität der Oculus Rift zu kommen, denn das Bild wird nur geklont und doppelt dargestellt, was, nicht so wie bei Nvidia 3D Vision, nur mit wenig Rechenaufwand verbunden ist. Optimal wäre es aber, wenn ein HDMI-Anschluss verfügbar wäre.

    Funktionsweise

    Alles ausgepackt kann es auch schon fast losgehen, denn das Anschließen ist kinderleicht. Die Control-Box wird per HDMI- oder DVI-Kabel und USB-Kabel an den Computer angeschlossen. Zusätzlich wird die Box noch an die Steckdose angeschlossen. Dann wird die Oculus Rift per Knopfdruck an der Control-Box eingeschaltet und vom Computer als zusätzlicher Bildschirm erkannt. Nun sollte man sich für die richtigen Linsen entscheiden. Das Entwickler-Kit beinhaltet 3 verschiedene Linsenpaare: eines für normale Sichtverhältnisse, eines für kurzsichtige Benutzer und eines für stark kurzsichtige Benutzer. Sind die richtigen Linsen ausgewählt, werden sie einfach reingedreht. Für Brillenträger wird empfohlen die Oculus Rift ohne Brille zu verwenden und die richtigen Linsenpaare zu verwenden.
    Die Funktionsweise der Oculus Rift ist relativ simpel: Ein Display mit einer Auflösung von 1280 x 800 Pixeln ist in der Oculus Rift verbaut, davor werden zwei Linsen angebracht, für jedes Auge eine. Jetzt muss am Computer eingestellt werden, dass das Hauptbild auf die Oculus Rift geklont wird. In Spielen muss dann eingestellt werden, dass das Bild zweimal angezeigt wird, sodass sich zwei Bildhälften ergeben, eines für das rechte Auge und eines für das linke. So erhält jedes Auge ein anderes Bild, im Gehirn wird das Bild wieder zusammengefügt und man denkt man befindet sich wirklich im Spiel.
    Durch verschiedene Sensoren wird auch die Kopfbewegung registriert und umgewandelt. So schaut man sich nun um, indem man den Kopf bewegt und nicht die Maus. Ebenso das Neigen des Kopfes ermöglicht die Sicht auf den Boden oder eine seitliche Sicht.

    Virtuelle Realität, aber wo?

    Die Oculus Rift ist derzeit noch in der Entwicklungsphase und wird nicht überall, beziehungsweise fast überhaupt nicht unterstützt. Von Oculus VR werden einige Demos zur Verfügung gestellt, wie zum Beispiel die bekannte Toskana-Demo. Um wirklich Spiele spielen  zu können benötigt man zusätzliche Treiber, die leider einen Haken haben. Derzeit gibt es einen freizugänglichen VR-Treiber namens Vireio, der aber nur wenige Spiele unterstützt. Dagegen unterstützt der VorpX Treiber knapp 50 Titel und diese fast alle mit Kopfbewegungen, leider ist dieser Treiber im Beta-Stadium und nicht zugänglich. Außerdem soll der VorpX-Treiber bei Markteinführung zwischen 30 und 60 € kosten, was für eine Treibersoftware etwas hoch ist, doch dazu später noch.
    Wir konnten dennoch Erfahrung mit der Oculus Rift sammeln, denn es gibt auch einige Titel, die per Modifikation mit der VR-Brille spielbar sind. So hat Gabe Newell zum Beispiel, Valves Geschäftsführer, Team Fortress 2 und Half Life 2 etwas erweitert, sodass es möglich ist beide Spiele ohne jeglichen Treiber mit der Oculus Rift zu spielen.
    Außerdem gibt es auch eine Modifikation für Minecraft, damit auch das Blockspiel in VR funktioniert. Zukünfitge Spiele, die derzeit noch in Entwicklung sind, sollen die Oculus Rift aber unterstützen, sodass möglicherweise gar kein zusätzlicher und kostenpflichtiger Treiber notwendig sein wird.
    Neben Spielen ist die VR-Brille auch für Architekten gedacht, um virtuell ein Gebäude oder einen Raum zu besichtigen. Außerdem ist es möglich Videos mit der Ouclus Rift anzuschauen, dabei kommt es einem so vor, als säße man direkt vor der Leinwand und müsse sich umschauen.

     

    Wie fühlt sich VR an?

    Da uns der Zugang zum VorpX Treiebr verwehrt blieb entschieden wir uns außer den Oculus Demos noch Valves Top-Titel Half Life 2 und Team Fortress 2 in Angriff zu nehmen. Die Demos sind ein guter Einstieg, um ein bisschen Gefühl für das Ganze zu bekommen. Denn es ist wirklich eine ganz neue Art des Spielens: Man sieht sich um, wie im wirklichen Leben auch, indem man den Kopf bewegt.
    Viele fragen sich nun, wie funktioniert das dann in Shooter mit dem Zielen. Dazu kann ich nur sagen: Es ist wie im wirklichen Leben, Du schaust Dich um, indem Du Deinen Kopf bewegst. Und Du zielst, indem Du die Hand bewegst.
    Tatsächlich ist es so, dass das Fadenkreuz nicht mehr statisch in der Mitte des Bildschirms ist, sondern mit der Maus bewegt wird. Die Sicht bleibt aber unverändert, solange man den Kopf nicht bewegt.
    So erhält man ein völlig neues Spielerlebnis und hat das Gefühl mitten im Geschehen zu sein, anstatt nur als Beobachter. Interessant sind verschiedene Effekte, wie zum Beispiel Blendeffkte. Diese blenden mit der Oculus Rift wirklich das Auge und man ist schon fast gezwungen die Augen zusammenzukneifen. Oder die Tatsache, dass man mit Hilfe von Kopfneigung über Kimme und Korn einer Waffe zielen kann.
    Leider ist aber nicht alles so einfach und schön, denn die Oculus Rift arbeitet mit einem Display, das eine Auflösung von lediglich 1280 x 800 Pixeln besitzt. In der heutigen Zeit ist das eigentlich nicht viel, wenn man bedenkt, dass heutige Smartphones teilweise schon mit Full-HD Displays ausgestattet sind und sich erste Hersteller für 4K rüsten. Durch die Linsen erfährt man einen Zoom und so scheint die Auflösung und einen großen Teil geschrumpft zu sein. So können wir schon die Pixel zählen und alles sieht nicht sehr scharf aus, doch dazu mehr im Ausblick.
    Was ebenfalls sehr interessant ist, ist der Fakt, dass VR sich für jeden etwas anders anfühlt. Viele kommen relativ schnell damit klar, während andere nach kurzer Zeit, wenn nicht sogar sofort merken, dass es ihnen schlecht ergeht und sich der Magen dreht. Auf Dauer wird das Spielen mit der Oculus Rift aber auch anstrengend und so fanden wir heraus, dass eine Pause nach etwa einer Stunde doch ganz gut ist, um wieder in die wirkliche Welt zu kommen.

    Ausblick und Markteinführung

    Die Oculus Rift von Oculus VR macht trotz ihres Entwicklerstatus eine sehr gute Figur. Das Kickstarter-Projekt erzielte weitaus mehr als das gesetzte Ziel und konnte somit erfolgreich in die Entwicklung gehen. Die Entwicklerkits sind derzeit für 300,00 $ beim Hersteller bestellbar. Die Markteinführung soll Ende 2014 erfolgen und preislich wird zur Zeit über verschiedene Bezahlmodelle nachgedacht. Man verfolgt die Idee, dass je günstiger das Produkt ist, desto öfter wird es verkauft. Interessant ist es auch, in welcher Ausstattung die Oculus Rift auf den Markt kommt, denn aktuell gibt es eine etwas überarbeitete Version, die mit einem Full-HD Display ausgesattet ist und somit ein bessere Auflösung bietet. Dennoch denken wir eher an ein 2K oder 4K Display, denn durch die Linsen wird die Auflösung ,gefühlt, halbiert.
    Was Treiber angeht hoffen wir, dass Spielehersteller die Unterstützung der Oculus Rift selbst in die Hand nehmen, damit der Benutzer nicht auf Treiber von Drittanbietern angewiesen ist. Desweiteren ist die rasche Entwicklung der Virtuellen Realität sehr interessant zu beobachten, denn neben der Oculus Rift wird derzeit auch ein „Laufband-ähnliches“ Gerät entwickelt: Omni (wir berichteten). Das in Kombination mit der Oculus Rift und der Razer Hydra den Spieler wirklich in die Spielwelt katapultiert.
    Aber auch Bedenken machen sich bei so einer Technologie auch bemerkbar. Viele werden womöglich vom totalen Realitätsverlust reden, der durch die VR-Brille möglicherweise möglich wird. Doch dazu sind diverse Studien nötig, um eine handfeste Aussage zu machen.

    Oculus Rift

    Fazit

    Kurz gesagt: wir sind begeistert und sehr erstaunt, was heute schon alles möglich ist. Natürlich gibt es den Ein oder Anderen Aspekt der Oculus Rift, der überarbeitet werden sollte (wir denken hauptsächlich an die Auflösung und Spieleunterstützung). Aber wir denken dennoch, dass es eine Chance gibt, dass die Oculus Rift Fuss fasst und wir uns vom 2-dimensionalen Gaming entfernen und weiter in Virtuelle Realität gehen. Die Entwicklungen werden wir mit Spannung verfolgen und auch weiter davon berichten.
    Eine Wertung möchten wir noch nicht dazu abgeben, da das Produkt sich noch in der Entwicklung befindet. Würde aber dennoch, je nach Preis, eine Kaufempfehlung für alle, die eine neue Art von Gaming erfahren wollen, aussprechen.
    Weitere Informationen zur Oculus Rift finden sich auf der Homepage des Hersteller und bei uns in der Hardwareabteilung.

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    Gustav Knaub
    Film- und Computerspielbegeisterter, der mit MediaField anfing und damit nun hier im Bereich für Spiele- und Filmtrailer gelandet ist.