Gamescom 2019 – Gemeinsam sind wir Games

Mit 373000 Besuchern aus mehr als 100 Ländern hat die Gamescom ihren Rekord vom letzten Jahr gebrochen. Auch die Fläche ist gewachsen: Auf fast 220000m² präsentieren sich über 1100 verschiedene Firmen. Es gibt neue Spiele, alte Spiele, Hardware, Software, Goodies, Merchandise, Services, Parties und generell alles, was der Gamer sich wünschen kann.

Eine Familie an Gamern

Die Gamescom 2019 findet unter dem Motto „Gemeinsam sind wir Games“ statt. Ein gutes Motto: Games sind mehr als nur ein Zeitvertreib. Sie sind zugleich Ausdruck von und Inspiration zu Kreativität. Ob Streamer, Cosplayer, Gamer, Entwickler, Modder oder wir als Berichterstatter: Wir alle sind Games. Wir nehmen kreative Leistungen, bewundern sie und schaffen Neues. Games sind ein Medium, das sich weiterentwickelt, und jeder von uns ist an dieser Weiterentwicklung beteiligt.

Trifft ein Kanadier einen Japaner…

In diesem Jahr findet erstmalig die Opening Night statt. Geoff Keighley, Moderator und Produzent der Game Awards, führt hier durch eine Reihe an Ankündigungen und Vorstellungen bekannter Publisher und unabhängiger Studios. Ausserdem mit auf der Bühne ist Hideo Kojima, der seine Bekanntheit durch die Videospielreihe Metal Gear erlangt hat. Hideo berichtet über sein neues Projekt Death Stranding und gewährt ein paar exklusive neue Einblicke. Wer nicht zu den 1500 Zuschauern vor Ort gehört, kann das Event als Livestream verfolgen. Nach der Opening Night sieht die Halle noch weiterer Verwendung entgegen: Diverse Shows, Präsentationen und Turniere finden hier während der Publikumstage statt. Wer sich einen Sitzplatz sichern und Wartezeiten vermeiden möchte, kann hierfür ein spezielles Ticket kaufen.

The Heart of Gaming

Die Entertainment Area ist sicherlich das Herzstück der Gamescom: Hier finden wir einen Großteil der neuen oder neu angekündigten Produkte. So manch ein neues Spiel lässt sich hier noch vor Release anzocken, während andere in Videoform oder als Live Playthrough präsentiert werden. Wer die beliebtesten Titel sehen will, muss Geduld mitbringen: Stundenlange Wartezeiten sind an der Tagesordnung. Cyberpunk 2077 zum Beispiel, das heiß erwartete neue Action-RPG aus dem Hause CD Projekt Red, verlangt teilweise Wartezeiten von über 7 Stunden für eine 20 Minuten lange Demonstration. Ähnliche Hingabe wird für die anderen beliebten Spiele vorausgesetzt.

Um dem entgegenzuwirken, wird dieses Jahr erstmalig mit virtuellem Anstehen per Handy experimentiert: Bei Bandai Namco, Bethesda, Nintendo und Deep Silver lassen sich über Linistry Fast Lane Tickets buchen. In unseren Versuchen war allerdings nie etwas verfügbar – wahrscheinlich waren wir einfach nicht schnell genug. Die Idee gefällt uns aber.

Zukünftige Berühmtheiten und vergangene Tage

Auch ausserhalb der bekannten Publisher gibt es einiges zu sehen. Die Indie Arena bietet eine Palette an unabhängigen Studios, die ihre Werke präsentieren. Nicht selten kann man hier direkt mit dem Entwickler das Spiel testen und die ein oder andere Frage stellen. Hier können wir Inseln aus Müll bauen, eine Verschwörung aufklären, actionreiche Kämpfe im Weltraum austragen und vieles mehr. Wie jedes Jahr ist es auch dieses Jahr wieder interessant, wie viel Spiel man mit einem geringen Budget erstellen kann.

Ebenfalls nicht zu verachten: Die Retro Area, welche uns zu einer unterhaltungselektronsichen Zeitreise einlädt. Hunderte von alten Computern, Konsolen, Handhelds und Automaten warten hier darauf, in die Hände neuer Gamer zu kommen. Hier stehen Amiga neben Atari, Famicom neben SNES, Flipper neben Arcade-Automaten und locken mit nostalgischen Gefühlen.

Meine erste Videospielmesse

Die jüngeren Besucher müssen ebenfalls nicht aussen vor bleiben. Die Family and Friends Area zeigt sich ruhiger, entspannter und auf Gelegenheitsspieler oder interessierte junge Nachwuchsgamer ausgerichtet. Hier können wir zum Beispiel Bilder und Filme erstellen, Roboter bauen, menschlichen Kicker spielen oder kindgerechte Videospiele wie Just Dance oder Mario Party testen. Für die ganz kleinen gibt es Betreuung mit Basteleien, Malen und geschminkten Gesichtern. Eine große Hüpfburg lädt ausserdem zum Springen und Spielen ein.

Capitalism, ho!

Wer lieber etwas handfestes als nur Erinnerungen mit nach Hause nehmen will, wird in der Merchandise Area fündig. Über 100 Händler bieten hier ihre Waren feil. Nerdige T-Shirts? Kein Problem. Animefiguren? Stehen zum Verkauf. Kleine Karten- und Gesellschaftsspiele? Kann man hier erwerben. Wenn es Teil der Nerd Culture ist, verkauft jemand in dieser Halle es. Besonders beliebt sind auch in diesem Jahr wieder Wundertüten, welche zufälligen Merchandise zu einem Festpreis bieten – die analoge Version von Lootboxen, sozusagen.

Kölner Karneval

Was macht man als richtiger Fan? So als echter, eingefleischter Liebhaber einer Serie? Für viele von uns ist die Antwort „Cosplay“. Auch dieses Jahr sind die Hallen gefüllt mit Krieger, Zauberern, Soldaten, Zombies, übernatürlichen Wesenheiten und Helden diversen Ursprungs. Ihr gemeinsames Heim ist die Cosplay Village. Auf der Stage präsentieren die Cosplayer ihre Kostüme in Show-Acts und Routinen. Ausserdem gibt es drei unterschiedliche Themenwelten, die zu fotoshootings einladen. Für diejenigen, die sich eher im zweidimensionalen Raum bewegen, empfiehlt sich die Zeichnerallee. Hier treffen wir Mangaka und Illustratoren und laden zum Austausch ein.

Ebenfalls ein Teil der Cosplay Village: Meet The People. Hier soll auch Schüchternen ermöglicht werden, leicht soziale Kontakte zu knüpfen. Wir lassen uns einfach eine Nummer geben und tragen diese sichtbar an der Kleidung. Wer mit uns reden will, kann einfach eine Nachricht an die Nummer schreiben. Tolle Idee, auch, wenn uns niemand angeschrieben hat. Vielleicht sahen wir am Ende des Tages einfach eher nach fiesem Ork statt edlem Ritter aus.

I’ll be back

Die Gamescom ist das Highlight des Jahres, wenn es um Games geht. Wir haben uns natürlich auch schon den 25. bis 29. August 2020 wieder im Kalender markiert – wir sind jetzt schon gespannt, was uns in einem Jahr erwartet.

Fotografin: Daniela Bunkowski

Patrick Gerk
Ich habe Ende der 80er mit meinem Amiga angefangen und seitdem haben Videospiele einen permanenten Platz in meinem Herzen. Ich mag alles, was Leute zum spielen zusammenbringt, sei es analog oder digital. Seit Ende 2018 schreibe ich für Game2gether.de und konzentriere mich auf Retro- und Koopspiele.